Die Nachfrage nach Mundschutzen ist in der Neuen Apotheke in Nienburg gestiegen. Mitarbeiterin Bianca Klopp zeigt ein einfaches Modell. Foto: Stüben

Die Nachfrage nach Mundschutzen ist in der Neuen Apotheke in Nienburg gestiegen. Mitarbeiterin Bianca Klopp zeigt ein einfaches Modell. Foto: Stüben

Chinareise abgesagt, Mundschutz gefragt

Corona-Virus – so reagiert der Landkreis: Patient meldet sich im Krankenhaus – Verdacht unbegründet

Thuy-Nga Quach betreibt in Holtorf das China-Restaurant „Jade-Haus“. Sie ist 50 Jahre alt und lebt seit 41 Jahren in Deutschland. China hat sie seitdem nicht besucht.

Im Oktober wollte sie mit ihrer Familie erstmals eine Reise ins Land ihrer Vorfahren machen. „Das haben wir aufgrund der Corona-Virus-Epidemie erst einmal auf Eis gelegt“, sagt Quach: „Meine Eltern haben ihre für März geplante Chinareise abgesagt.“ Das Risiko sei ihnen zu groß.

Verdachtsfälle oder gar bestätigte Fälle von Corona-Infektionen im Kreisgebiet gibt es nach Angaben des Gesundheitsamtes nicht. Im Nienburger Krankenhaus hat sich nach den Worten der leitenden Hygienefachkraft Ulrich Behm bislang eine Person gemeldet, die den Verdacht hatte, sie könne selbst mit dem Virus infiziert sein. „Der Fall war absolut unbegründet“, sagt Behm.

Akute Vorkehrungen für einen möglichen Fall im Kreisgebiet hat das Gesundheitsamt des Landkreises nach Angaben von Kreissprecher Cord Steinbrecher nicht getroffen. Er sagt: „Die im Gesundheitswesen tätigen Personen und Organisationen sind mit Blick auf vergangene Pandemien – die Vogelgrippe H5N1 oder SARS – über die Landes- und Bundesfachstellen hinsichtlich der Vorgehensweisen sensibilisiert. Daher gab es keinen Anlass, akute Vorkehrungen zu treffen.“

Im Krankenhaus gibt es Pandemiepläne – für den Fall der Fälle

Hygienefachmann Behm sagt: „Das Krankenhaus ist immer auf solche Fälle vorbereitet, dafür haben wir Pandemiepläne und arbeiten eng mit dem Gesundheitsamt zusammen.“ Wie üblich würden die Vorräte für Viruserkrankungen im Winter – Influenza (Grippe) und Noro – aufgefüllt und die Beschäftigen sensibilisiert.

Behm: „Zum neuen Virus wurden aktuelle Informationen bereitgestellt.“ Falls ein Corona-Verdachtsfall in Nienburg auftreten sollte, würde das Krankenhaus nach dem Flussschema „2019-nCoV: Verdachtsabklärung und Maßnahmen“ des Robert-Koch-Institutes (RKI) vorgehen. Das sieht unter anderem vor, den Virus nachzuweisen, den Patienten zu isolieren und mögliche Kontaktpersonen des Infizierten zu informieren.

Das Gesundheitsamt des Landkreises empfiehlt Personen, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben, oder Personen, die Kontakt mit einer erkrankten Person hatten, gemäß den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts ihre Ärztin oder ihren Arzt aufzusuchen.

So sollten mögliche Betroffene vorgehen

„Es wird dringend dazu geraten, den Praxis-/Krankenhaus-Besuch telefonisch anzukündigen und zu schildern, dass man in der betroffenen Region war oder Kontakt mit einer erkrankten Person hatte und entsprechende Symptome – beispielsweise Fieber – beobachtet“, teilt Steinbrecher mit.

„Die wichtigsten und effektivsten Maßnahmen zum persönlichen Schutz sowie zum Schutz von anderen Personen vor der Ansteckung sind laut RKI eine korrekte Husten- und Nies-Etikette und das Einhalten eines Mindestabstandes – ein Meter – von krankheitsverdächtigen Personen, ergänzt durch eine gute Händehygiene.“

Nach Aussage der Nienburger Apothekerin Bettina Menke sei die Nachfrage nach Mundschutzen zurzeit höher als üblich. „Es kommen auch vermehrt Kunden in die Apotheke, die sich nach dem Virus und dessen Symptomen erkundigen“, sagt Menke: „Gerade in Abgrenzung zur Grippe. Die Menschen sind besorgt.“

Laut Landesgesundheitsamt ist die Grippeaktivität im Vergleich zur letzten Woche landesweit stark angestiegen. Der Landkreis Nienburg weist dabei eine leicht überdurchschnittliche Grippeaktivität im Landesvergleich auf. Kreissprecher Cord Steinbrecher

Nach den Worten der Apothekerin sei ein Mundschutz grundsätzlich sinnvoll, um sich vor Krankheiten zu schützen, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden, wie es beim Corona-Virus oder der Grippe der Fall sei. „Der Mundschutz verhindert, dass die Viren in die leicht zugänglichen Körperöffnungen gelangen“, sagt Menke: „Es ist das Mittel der Wahl, um entsprechende Eintrittspforten zu schließen.“

Die diesjährige Grippewelle sei erst im Anrollen, sagt Menke. Steinbrecher: „Laut Landesgesundheitsamt ist die Grippeaktivität im Vergleich zur letzten Woche landesweit stark angestiegen. Der Landkreis Nienburg weist dabei eine leicht überdurchschnittliche Grippeaktivität im Landesvergleich auf. Eine auffällige Häufung ist jedoch nicht festzustellen.“

Hygienefachkraft Behm sagt, die saisonale Grippewelle stelle Krankenhäuser in jeder Wintersaison vor die gleiche Herausforderung, wie bei einer möglichen Corona-Epidemie. Seit dem 1. Januar wurde nach seinen Worten in den beiden Krankenhäusern in Nienburg und Stolzenau ein Grippefall nachgewiesen.

Apotheker Fred Droegmöller, Inhaber der Rats-Apotheke in Hoya, hat bislang keine besorgte Nachfrage oder Aufregung wegen des Corona-Virus’ bei seiner Kundschaft festgestellt. Dass am Mittwoch tatsächlich bei ihm das erste Mal nach längerer Zeit wieder drei Mundschutze gekauft wurden, sieht er nicht als ungewöhnlich an.

Ähnlich unaufgeregt empfindet Annette Siek die Stimmung in Loccum: Die pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) der Kloster-Apotheke konnte von zwei älteren Menschen berichten, die sich als Vorsichtsmaßnahme mit Masken eingedeckt hätten.

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Erstellt:
29. Januar 2020, 17:56 Uhr
Lesedauer:
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