Ondrej Duda vom 1. FC Köln jubelt nach seinem Treffer zum 2:0. Foto: Andreas Gora/dpa

Ondrej Duda vom 1. FC Köln jubelt nach seinem Treffer zum 2:0. Foto: Andreas Gora/dpa

Berlin 09.01.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Coole Kölner gewinnen bei glückloser Hertha

Steffen Baumgart rückte erleichtert seine Schiebermütze zurecht und reckte vor der spärlich besetzten Tribüne die Finger in die Höhe. Cool, cooler, Köln.

Enorm effektiv hat der 1. FC Köln seinen Aufwärtstrend in der Fußball-Bundesliga fortgesetzt und nach dem 3:1 (2:0) bei Hertha BSC den Sprung auf einen Europacup-Platz geschafft. Anthony Modeste (30. Minute), der Ex-Berliner Ondrej Duda (32.) und Jan Thielmann (90.+1) erzielten im lausig kalten Olympiastadion zum Rückrunden-Auftakt in der Fußball-Bundesliga die Treffer für die Geißbock-Elf.

Mutlose Leistung der Berliner

Drei Siege in Serie und vier Auswärtsspiele ohne Niederlage hievten die Kölner auf Platz sechs. „Es waren schwierige Bedingungen, das galt für beide Mannschaften. Wir haben viel von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir hätten das vierte und fünfte machen können. Hertha kam eher über Standardsituationen. Wir haben immer wieder versucht, nach vorne zu spielen. Die Spielanlage hat gestimmt. Die Jungs haben das gut gemacht. Ich bin komplett zufrieden“, sagte Kölns Trainer Baumgart bei DAZN und Luca Kilian blickte bereits auf das Spiel gegen Branchenprimus FC Bayern am nächsten Wochenende: „Wir versuchen sie wieder zu ärgern.“

Für die glücklose Hertha, für die Vladimir Darida (57.) nur verkürzen konnte, endete hingegen eine Serie von fünf Heimspielen ohne Niederlage. Der Relegationsplatz bleibt als Drohkulisse nur drei Zähler entfernt. Die in Berlin erlaubten gut 2000 Zuschauer quittierten die nach dem Kölner Doppelschlag insgesamt zu mutlose Leistung mit Pfiffen.

„Wir hatten in der ersten Halbzeit Möglichkeiten, das Tor zu machen. Dann waren wir 0:1 hinten. Das ist schade. Nach dem 1:2 waren wir dran. Wir haben es mit dem Ball gut gemacht, aber in den letzten Aktionen waren wir nicht so ruhig. Wir müssen Ruhe bewahren und dürfen hinten nicht so viele Tore kassieren“, sagte Berlins Torschütze Darida.

Corona diktierte die Hertha-Agenda in der kurzen Vorbereitung. Nach den gefühlt täglichen Meldungen über neue Infektionsfälle gab es am Spieltag eine tatsächlich positive Nachricht. Santiago Ascacibar war spielbereit, Lucas Tousart saß immerhin auf der Bank. Somit fehlten Trainer Tayfun Korkut in Dedryck Boyata und Ishak Belfodil letztlich nur zwei Startelf-Kandidaten pandemie-bedingt.

Mit Brummbär-Attitüde, stoisch ruhig, reagierte Kölns Coach Baumgart auf seine nötige Personalveränderung. Luca Kilian ersetzte den nach Chicago abgewanderten Rafael Czichos als Innenverteidiger. Alles kein Problem, so Baumgarts Signal, das sein Team auch umsetzte.

Hertha lässt Chancen liegen

Die stabile Hertha-Heimserie seit Anfang Oktober hatte in der öffentlich ewig negativen Verortung der Hauptstadtclubs wenige im Bewusstsein. Korkut ließ aber wie selbstverständlich aktiv nach vorne spielen. Myziane Maolida (4.) schoss vorbei. Marko Richter (9.) verpasste eine Hereingabe von Davie Selke.

Die Hertha wirkte organisiert und konzentriert. Bis Maolida (28.) völlig frei an Marvin Schwäbe scheiterte. Der FC-Schlussmann sammelte mit seiner Parade Pluspunkte im von Baumgart ausgerufenen Torwart-Wettstreit mit Timo Horn. Und typisch Hertha: Ein Unglück kommt selten allein. Im Gegenzug fand Mark Uth mit einer tollen Flanke Modeste, der Maolida demonstrierte wie cool man sein muss.

Duda legte mit seinem Flachschuss unter freundlicher Mithílfe von Alexander Schwolow schnell nach. Die Hertha-Statik gerät eben schnell ins Wanken. Kein Torwart in der Bundesliga hat in dieser Saison mehr Gegentore kassiert (37). Immerhin verhinderte Schwolow gegen Modeste (41.) erstmal noch schlimmeres Ungemach.

Einen verletzungsbedingten Wechsel gab es zur Pause. Schiedsrichter Tobias Stieler schied mit einer Zerrung aus und wurde durch Alexander Sather ersetzt. Köln spielte erst solide weiter. Doch diesmal waren die Berliner mit einem Hallo-Wach-Effekt zur Stelle. Daridas Freistoß segelte am diesmal unglücklichen Schwäbe vorbei ins lange Eck. Die Hertha brachte sich aber selbst in Bedrängnis. Schwolow musste einen Risiko-Rückpass von Niklas Stark mit der Hand parieren, den fälligen indirekten Freistoß von Uth (68.) parierte er. Nur vorne hatte die Hertha keine Antwort mehr. Thielmann entschied schließlich mit einem Konter die Partie.

© dpa-infocom, dpa:220109-99-646771/6

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Erstellt:
9. Januar 2022, 18:03 Uhr
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