Austausch per Videoschalte: Grünen-Politikerin Katja Keul und deren Mitarbeiterin Sandra Wolf (oben, von links) sowie Cord Steinbrecher, Thomas Klein, Heike Stiegler (unten, von links). Foto: Büro Keul

Austausch per Videoschalte: Grünen-Politikerin Katja Keul und deren Mitarbeiterin Sandra Wolf (oben, von links) sowie Cord Steinbrecher, Thomas Klein, Heike Stiegler (unten, von links). Foto: Büro Keul

Nienburg 05.06.2020 Von Die Harke

Corona-Erfolgsformel: „Glück und schnelles Handeln“

Hilfen des Bundes und Lockerungen für Nienburg: Katja Keul im Gespräch mit Gesundheitsamt

„Eine Portion Glück, eine intensive Kontaktpersonennachverfolgung auch am Wochenende und schnell umgesetzte Quarantänemaßnahmen“, heißt laut Amtsärztin Heike Stiegler die Erfolgsformel des Nienburger Gesundheitsamtes zur Bekämpfung von Covid-19.

Die Bundestagsabgeordnete Katja Keul, Bündnis 90/Die Grünen, hatte per Videoschalte nachgefragt, wie die entspannte Lage im Landkreis Nienburg zu erklären sei. Externe Unterstützung hätte man durch die Stelle eines „Containment Scouts“ erhalten, erklärt Gesundheitsdezernent Thomas Klein.

Darüber hinaus sei man mit verwaltungseigenen Kräften ausgekommen. Amtsärztin Heike Stiegler habe außerdem rund 20 Mitarbeiter der Verwaltung so geschult, dass sie zur Kontaktnachverfolgung eingesetzt werden konnten.

Keul begrüßt, dass die Kontrolle des Infektionsgeschehens nunmehr regional vor Ort verantwortet wird: „Das ist schließlich die Aufgabe der Gesundheitsämter.“ Sie fordert dafür eine bessere Unterstützung der Gesundheitsämter. „Da wurde am falschen Ende gespart, das fällt uns jetzt auf die Füße.“ Auch Stiegler sprach sich für eine Aufstockung des Personals und einer weiteren Digitalisierung aus. „Wir stoßen auch außerhalb der Pandemiezeiten an unsere Grenzen“, warnt die Amtsärztin.

Keul sprach sich für Lockerungen der Maßnahmen in Kitas und Schulen sowie auf Spielplätzen aus. „Je jünger die Kinder sind, desto gravierender werden sie in der aktuellen Lage belastet.“ Sie hätte sich frühere und intensivere Studien hinsichtlich der Infektiosität von Kindern und Jugendlichen gewünscht, erklärt Keul.

„Da ist eine Schieflage zu Lasten von Kindern und Familien entstanden.“ Bei Einhaltung der Hygienemaßnahmen und Abständen müsse keine Schule geschlossen werden, ist sich Klein sicher. „Das hängt jetzt von den Verhältnissen vor Ort ab. Wir betrachten alle Gemeinschaftseinrichtungen individuell und arbeiten eng mit allen Funktionsträgern und Fachdiensten zusammen.“ Das gelte auch für Pflegeeinrichtungen.

Auf Nachfrage der Bundestagsabgeordneten, ob in Pflegeeinrichtungen auch unabhängig von Symptomen Coronatests durchgeführt würden, erklärt Klein, das würde die administrativen Kapazitäten sprengen. „Eine solche Testung gibt nur eine Momentaufnahme wieder und müsste spätestens alle zwei bis drei Tage wiederholt werden, um aussagekräftig zu sein“, gibt der Gesundheitsdezernent zu bedenken.

Zusammen mit dem Gesundheitsamt seien Hygiene-Mindestvoraussetzungen für die Heime erarbeitet worden, ergänzt Stiegler. Pflegepersonal, das direkten Kontakt zu einem Infizierten gehabt hätte, würde selbstverständlich getestet werden. Jedes Heim hätte dazu individuell weitere Maßnahmen zum Schutz der Bewohner getroffen. Manche Maßnahmen seien jedoch sehr restriktiv gewesen. Erster Kreisrat Thomas Klein weist darauf hin: „Die Freiheit der Bewohner darf nicht unverhältnismäßig eingeschränkt werden.“

Momentan gäbe es nur drei akute Fälle im Landkreis, die Genesungsrate läge bei fast 90 Prozent. Bußgelder seien bis jetzt keine verhängt worden. Man setze weiterhin auf Überzeugungsarbeit, antwortet Klein auf Nachfrage. „Wir hatten bislang viel Glück. Ich hoffe, dass das auch nach den Lockerungen so bleiben wird“, wünscht sich die Grünen-Politikerin am Ende des Gesprächs.

Zum Artikel

Erstellt:
5. Juni 2020, 17:47 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 23sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.