Unbewohntes Ferienhaus im Ostseebad Thiessow auf Rügen. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Unbewohntes Ferienhaus im Ostseebad Thiessow auf Rügen. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin 05.05.2021 Von Deutsche Presse-Agentur

Corona-Krise bedroht die Tourismusbranche massiv

Die Not vieler Tourismusunternehmen wächst mit der Dauer der Corona-Zwangspause. Einer Umfrage zufolge überlegt inzwischen jeder vierte Ferienhausvermieter in Deutschland aufzugeben, wie der Deutsche Ferienhausverband mitteilte.

Jeder vierte Unternehmer des Gastgewerbes zieht wegen stockender Auszahlung staatlicher Hilfen eine Betriebsaufgabe in Erwägung. Nach Angaben des Branchenverbandes Dehoga sehen 6,1 Prozent der Betriebe die Gefahr, dass sie in den nächsten drei Wochen einen Insolvenzantrag stellen müssen. Reisebüros und Veranstalter wiederum rechnen das zweite Jahr in Folge mit einem deutlichen Geschäftseinbruch.

Nach Angaben des Deutschen Ferienhausverbandes und des Deutschen Tourismusverbandes sind die Einnahmen aus der Vermietung für viele Besitzer von Ferienimmobilien existenziell. Rund jeder Fünfte lebe davon. Weiteren 31,5 Prozent diene die Ferienimmobilie als Altersvorsorge. Hier seien die Mieteinnahmen „ein wichtiger Grundstock für den Erhalt der Ferienimmobilie“.

Lediglich 15,5 Prozent der Ferienhausvermieter und Agenturen konnten den Angaben zufolge staatliche Hilfen in Anspruch nehmen. Das Gros gehe leer aus, weil sie privat oder im Nebenerwerb vermieteten.

In den ersten drei Monaten des Jahres verzeichneten 81,4 Prozent der Ferienhausbesitzer Buchungsrückgänge im Vergleich zum Vorkrisenzeitraum 2020. Bei jedem Dritten brachen die Buchungen um mehr als die Hälfte ein. Im vergangenen Jahr beklagten 85,7 Prozent der Vermieter Umsatzrückgänge. Befragt wurden im April 10.528 private und gewerbliche Vermieter.

„Wir appellieren an die Bundesländer, nach sechsmonatigem Lockdown endlich konkrete Schritte für eine Wiedereröffnung des Tourismus vorzulegen“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Ferienhausverbandes, Göran Holst. Einige Bundesländer haben angekündigt, erste regionale Öffnungsschritte im Tourismus vorzunehmen. Je nach regionalen Infektionszahlen sollen dann auch Camping und Übernachtungen in Ferienwohnungen zu touristischen Zwecken erlaubt sein.

Unternehmen des Gastgewerbes sehen sich durch die stockende Auszahlung staatlicher Hilfen in ihrer Existenz bedroht. Nach einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga warten noch immer 10,6 Prozent der Betriebe auf die vollständige Auszahlung der Novemberhilfe und 10,4 Prozent auf die Dezemberhilfe. Für 70,0 Prozent der Betriebe seien die noch offenen Zahlungen existenziell.

„Das Gastgewerbe befindet sich im siebten Monat des zweiten Lockdowns. Viele unserer Betriebe sind am Ende ihrer Kräfte finanziell, psychisch, emotional“, sagte Dehoga-Präsident Guido Zöllick. Er forderte schnellere und verbesserte Hilfen für die betroffenen Unternehmen sowie die Verlängerung des Insolvenzschutzes zum Beispiel für Betriebe, die auf Hilfen warten.

Düster ist die Stimmung auch bei Reisebüros und Veranstaltern. Mehr als 90 Prozent der Unternehmen gehen laut einer Umfrage des Reiseverbandes DRV davon aus, weniger als 50 Prozent der Umsätze aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 erzielen zu können. Mehr als zwei Drittel erwarten sogar weniger als 25 Prozent. Im vergangenen Tourismusjahr war der Umsatz mit organisierten Reisen wegen der Corona-Krise um 65 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro eingebrochen.

Die große Mehrheit der im April befragten 450 Reiseunternehmen fordert von der Politik ein Konzept für einen Restart. Zudem halten 90 Prozent eine Verlängerung der Überbrückungshilfen für notwendig. Mehr als zwei Drittel sprachen sich auch für eine Verlängerung des Kurzarbeitergeldes aus, um die Belegschaften zu halten.

„Fast alle an der Umfrage beteiligten Unternehmen haben Wirtschaftshilfen der Bundesregierung beantragt. Das unterstreicht einmal mehr, wie dramatisch die wirtschaftliche Situation in der Reisewirtschaft ist“, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig.

© dpa-infocom, dpa:210505-99-476262/5

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Erstellt:
5. Mai 2021, 15:27 Uhr
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