Reger Verkehr auf der Weser: Ein mit Sand beladender Frachter hat Vorfahrt. Foto: Achtermann

Reger Verkehr auf der Weser: Ein mit Sand beladender Frachter hat Vorfahrt. Foto: Achtermann

Schweringen 13.06.2020 Von Horst Achtermann

Corona hat auch die Fähre nicht verschont

Einbußen wegen fehlender Radwanderer von 60 Prozent / Dennoch Investitionen von rund 40.000 Euro

Die Frauen und Männer des Traditionsvereins Schweringer Fähre e.V. mit ihrem Vorsitzenden Michael Schwessinger sind mit ihrem Fährbetrieb von der Corona-Krise nicht verschont geblieben. „Corona bedingt fehlen uns die Radwanderer, weil es keine Übernachtungsmöglichkeiten gibt, das sind Einbußen von 60 Prozent“, so Michael Schwessinger am Donnerstag im Gespräch mit der HARKE am Sonntag. „Aber aktuell retten uns an den Wochenenden die Radfahrer aus dem Landkreis, wir fahren den Fährdienst am Samstag und Sonntag jeweils auf acht Stunden hoch.“

Der Betrieb der Schweringer Fähre wird ausschließlich durch ausgebildete Fährfrauen und -männer aus der Gemeinde Schweringen sichergestellt. Mit derzeit 17 aktiven Fährleuten kommt der Verein aus. „Alle drei, vier Jahre bieten wir die Möglichkeit, einen Fährschein für die Fährstelle Schweringen zu erwerben“, so der Vorsitzende weiter. Fährscheine sind immer gebunden an die jeweilige Fährstelle, für die der Fahrschein erworben wurde. Er berechtigt nicht zum Führen anderer Fähren.

Fünf Jahre waren im Frühjahr wieder rum und die Zentrale Schiffsuntersuchungskommission (ZSUK) meldete sich. „Der TÜV unserer Fähre war fällig“, sagt Michael Schwessinger. Die Stahlstärke der Seile und Ketten wird geprüft, die Fähre wird entrostet und gesandstrahlt und erhält einen neuen Anstrich. Die Hydraulik hat die Firma Freitag aus Nienburg erneuert. Die beiden Schranken auf der Fähre mussten erneuert und mit Gitterbehang kindersicher gemacht werden. Eine Auflage, die zusätzlich mit 5.000 Euro zu Buche schlug. Der Schiffskörper wurde in Minden aus dem Wasser geholt, die Arbeiten wurden dort vor Ort vorgenommen. 35.000 Euro musste der Realverband, seit 1975 Eigentümer der Fähre, für die Arbeiten bezahlen.

Der Traditionsverein Schweringer Fähre ist Pächter der Fähre. Aus dieser Miete bildet der Realverband Rücklagen, mit denen die laufenden Untersuchungen bezahlt werden. Ein Defibrillator an Bord ist eine weitere neue Anschaffung des Mitte 2018 neu gegründeten Vereins.

Ein besonderes Lob aus dem Mund von Chef Schwessinger erhält Uwe Nörmann, „ein handwerkliches Genie, für Vieles hat er die richtigen Antworten“.

„Durch einen eingeschränkten Fahrplan mit Kurzarbeit – wir sind nicht betteln gegangen und haben keine Kredite aufgenommen – haben wir alles gut in den Griff gekriegt“, freut sich Vorsitzender Schwessinger. Ab Montag, dem 29. Juni, nimmt der Fährverein den Betrieb ohne Einschränkungen nach den alten Fährzeiten auf. Michael Schwessinger verweist auf die Webseiten des Fährvereins.

Die lange Fährtradition begründet sich wohl im „Leben am Fluß“ der Schweringer Bürger. Ergab sich die Notwendigkeit des Fährbetriebes früher aus dem Landbesitz der Schweringer Landwirte auf der Gandesberger Seite, so hat dieser in den letzten Jahren verloren.

Noch ganze sieben Landwirte aus Schweringen haben ihre Äcker auf der anderen Weserseite.

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Erstellt:
13. Juni 2020, 17:20 Uhr
Lesedauer:
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