Wenn Intensivstationen durch Corona-Patienten ausgelastet sind, können auch andere Patienten nicht mehr richtig versorgt werden. Foto: Taechit - stock.adobe.com

Wenn Intensivstationen durch Corona-Patienten ausgelastet sind, können auch andere Patienten nicht mehr richtig versorgt werden. Foto: Taechit - stock.adobe.com

Nienburg 27.11.2020 Von Holger Lachnit

Corona ist keine Grippe

Immer wieder führe ich in jüngster Zeit im privaten Kreis Diskussionen mit Menschen, die das Coronavirus mit der Grippe gleichsetzen. Die Argumentation läuft dann etwa folgendermaßen: In der Grippesaison 2017/2018 sind rund 25.000 Menschen gestorben. Damals gab es doch auch keinen Lockdown. Warum also gerade jetzt?

Dr. Sigrid Graumann vom Deutschen Ethikrat hat kürzlich der Berliner „taz“ zu diesem Thema ein Interview gegeben. Ihrer Meinung nach lautet die entscheidende Frage: Was passiert bei einer Vervielfachung der Infektionen und Todesfälle innerhalb kurzer Zeiträume? Sie befürchtet, dass die Situation sehr schnell außer Kontrolle geraten kann: „Sollte die Zahl der Coronakranken auf den Intensivstationen und damit die Zahl der schweren Fälle rapide zunehmen, hat das möglicherweise dramatische Folgen für das gesamte Gesundheitssystem. Dann können auch viele Patienten, die an anderen Krankheiten leiden, nicht mehr gut versorgt werden. Von diesen würden ebenfalls viele sterben – als Folge von Corona. Nicht die absolute Zahl ist der Punkt, sondern die Angst, mit Schwerkranken insgesamt nicht mehr human umgehen zu können.“

Und das ist eben der Unterschied zur Grippe: Zwar sind allein 2017/18 weitaus mehr Menschen gestorben als bislang an den Folgen von Covid-19, aber damals waren die Intensivstationen nicht so stark belegt wie aktuell. Das lag auch daran, dass viele Menschen gegen Grippe geimpft waren. Das Coronavirus „lebt“ von Kontakten, da es noch keine Impfungen gibt. Folglich muss es weiterhin das Ziel sein, möglichst viele Kontakte zu vermeiden.

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Erstellt:
27. November 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 46sec

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