2019 sah es in der Innenstadt in Nienburg noch so aus – doch im Coronajahr hat sich vieles geändert. Foto: Hartmann

2019 sah es in der Innenstadt in Nienburg noch so aus – doch im Coronajahr hat sich vieles geändert. Foto: Hartmann

Landkreis 21.12.2020 Von Die Harke

Corona und Nienburgs Einzelhandel

FDP-Kreistagsfraktion spricht mit dem „Nienburg-Service“ über den Umgang mit Corona

Die FDP-Kreistagsfraktion traf sich vor dem Lockdown mit dem Vorsitzenden der Werbegemeinschaft „Nienburg-Service“, Jörg Kolossa, um sich über die Situation des Einzelhandels in und um Nienburg auszutauschen.

Die Frustration sei, bei allem Verständnis für die erforderlichen Maßnahmen zur Corona-Pandemie-Eindämmung, bei den Gewerbetreibenden im Landkreis groß. Hilfe sei nicht in Sicht, schreibt die FDP.

Kolossa habe berichtet, dass zugesagte staatliche Hilfen nur schleppend bei den Betroffenen ankämen, die Verfahrensdauer sei zu lang, die Bürokratie zu hoch, manche Vorgaben realitätsfern. „Uns fehlt eine langfristige Perspektive“, so Kolossa, „nichts ist planbar“. Man könne nur hoffen, dass die Situation im Frühjahr besser werde.

Neben wenigen „Krisengewinnern“, wie Baumärkten, Fahrradläden und Lebensmitteleinzelhändlern, sei der Großteil der Gewerbetreibenden gebeutelt. Die schlechte Situation der Gastronomie sei wenigstens öffentlich präsent. Die Reisebüros, die in Nienburgs Innenstadt zahlreich vertreten sind, seien einer der größten Verlierer der Pandemie.

Die FDP kritisiert, dass in Nienburg Vorgaben des Landes umgesetzt würden, die der Lage im Landkreis nicht entsprächen. Das Land wiederum verstecke sich hinter dem Robert-Koch-Institut, das aber vor allem die Hot-Spots in Bayern und Sachsen im Fokus hätte.

Eine Kundenfrequenzerhöhung, die für den heimischen Handel dringend erforderlich wäre, würde so unmöglich gemacht werden. Langfristig sei zu befürchten, dass sich das Kundenverhalten weiter Richtung Online-Handel bewegen würde, was die Innenstädte weiter schwächen würde. Dem sei entgegenzuwirken, seien sich die Teilnehmer der Runde einig gewesen.

Die Leidtragenden seien neben den Geschäftsinhabern eben alle Arbeitnehmer, die teilweise in Kurzarbeit geschickt werden oder im Fall der Minijobber vielfach arbeitslos und damit einkommenslos werden. Auch das werde im Nachlauf einen spürbaren Kaufkraftverlust im lokalen Handel bedeuten.

Ideen, wie die Region die Krise besser bewältigen könne, gäbe es aber durchaus: Das Gewinnspiel „Heimatkunde“ wurde mit hochwertigeren Preisen (zum Beispiel Elektroauto) attraktiver gemacht.

Das Öffnen von Teilen der Fußgängerzone, beispielsweise der Leinstraße, für den Pkw-Verkehr (mit Einbahnstraßenregelung und Kurzzeitparkplätzen) würde vielen Kunden entgegenkommen.

Die Zeiten für freies Parken sollten in den Abendstunden und an Samstagen ausgedehnt werden.

Die Nienburger Innenstadt müsse durch Investitionen langfristig flächendeckend verschönert werden. Gleiches gilt auch für Zentren in anderen Orten im Kreis. Verkaufsoffene Sonntage, nicht nur in Nienburg, müssten rechtssicher durchführbar sein.

Kulturelle Angebote müssten grundsätzlich in einem gewissen vertretbaren Rahmen möglich sein.

Der „Nienburg-Service“ hat zudem einen Gutschein aufgelegt, den Firmen an ihre Mitarbeiter als Kompensation für nicht stattfindende Weihnachtsfeiern verteilen können. „Dieser Gutschein sollte nach Möglichkeit von vielen Firmen, aber auch Privatleuten, genutzt werden“, so FDP-Fraktions-Chef Jörg Hille (Oyle), „und diese Idee ist ein schönes Vorbild auch für andere Gewerbevereine im Landkreis“.

„Angesichts der aus Hannover verordneten Regeln macht sich ein Gefühl der Hilflosigkeit breit“, so Fraktions-Vize Heiner Werner, der auch Mitglied im Nienburger Stadtrat ist, „trotzdem sollten alle Anstrengungen unternommen werden, um vor Ort das Mögliche möglich zu machen.“

Wenn Initiativen der örtlichen Gewerbetreibenden aus vorauseilendem Gehorsam im Keim erstickt würden, laufe etwas falsch. Auch müssten schnellstmöglich die Einschränkung des öffentlichen Lebens auf die örtliche Pandemiesituation angepasst werden.

„Es ist wenig sachgerecht, wenn im Landkreis Nienburg auf Grundlage der natürlich viel zu hohen Inzidenzwerte von Bautzen, Passau oder Berlin Einschränkungen des öffentlichen Lebens herrschen“, kritisiert Hille, „es muss vor Ort gehandelt und dann auch durchgegriffen werden und nicht andernorts ohne wirklichen Nutzen“.

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Erstellt:
21. Dezember 2020, 17:49 Uhr
Lesedauer:
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