Philipp Keßler empfindet die Entscheidungen der DFL als fragwürdig Foto: Pixabay

Philipp Keßler empfindet die Entscheidungen der DFL als fragwürdig Foto: Pixabay

Landkreis 27.04.2020 Von Philipp Keßler

DFL hat soziale Verantwortung

Ja, ich bin süchtig. Nach Fußball. Wer mich gut kennt, wird meinen, diese Aussage sei eine vage Untertreibung. Läuft daheim der Fernseher, flimmert in 80 Prozent der Fälle das runde Leder darauf, die restlichen Prozent teilen sich Handball, Formel 1, DTM und American Football. Jetzt, in Coronazeiten, ist das natürlich leider ganz anders.

So sehr ich den Fußball mit all seinen Facetten vermisse, so fragwürdig empfinde ich dennoch die Pläne der Deutschen Fußball Liga, kurz DFL. Die Bundesliga will in wenigen Wochen mit Geisterspielen wieder loslegen, am liebsten schon am 9. Mai. Am Donnerstag hat die DFL ihren Vorschlag hierfür vorgelegt, die Politik müsse nun zustimmen, sagte DFL-Chef Christian Seifert. Er äußerte auch, dass es nun an den Medizinern sei, zu sagen, ob Kontakte wie Fußball-typische Zweikämpfe das Virus übertragen können. Habe ich etwas verpasst? Sollte das nicht der Fall sein, warum darf ich dann nur noch mit Maske und desinfiziertem Einkaufswagen in den Supermarkt?

Der Profifußball zeigt mehr und mehr seine hässliche kapitalistische Fratze. „Jede Industrie habe seine eigenen Besonderheiten“, meinte Seifert als eine von vielen Rechtfertigungen, warum ausgerechnet die Bundesliga-Profis wieder kicken sollen dürfen. Vor allem gegenüber den Amateuren ist dieses Vorgehen verantwortungslos. Kreisliga-Teams dürfen nicht einmal ihren Sportplatz in Kleingruppen betreten. Der DFL-Chef fordert vorherige Woche noch: „Die Spieler müssen jetzt Vorbild sein.“ Dann müssten sie allerdings daheim bleiben – und nicht die Fans dazu treiben, sich zu treffen und die Geisterspiele zusammen im Keller zu schauen. Kontrollieren oder verhindern könnte das ohnehin keiner.

Die Situation erinnert vielmehr an das Alte Rom und seinen Circus: Die Profikicker sind die Gladiatoren, die zur Unterhaltung des Volkes in der Arena für Spektakel sorgen sollen. Der Tod konnte die antiken Kämpfer jederzeit erwischen, die Fußballer könnten sich jederzeit mit einem gefährlichen Virus anstecken. Völlig übertrieben ist dieser Vergleich nicht.

Der Profifußball muss dringend seine Isolationszelle verlassen und sein Handeln in Verhältnismäßigkeit zum restlichen nationalen Geschehen setzen. Nur so kann der Fußball seiner Vorbildrolle gerecht werden.

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Erstellt:
27. April 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 04sec

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