Wird der Steyerberger René Rast in Hockenheim zum vierten Mal DTM-Champion? Foto: ABT

Wird der Steyerberger René Rast in Hockenheim zum vierten Mal DTM-Champion? Foto: ABT

Hockenheim 05.10.2022 Von Die Harke

Motorsport

DTM-Finalkrimi in Hockenheim: René Rast in der Hauptrolle

ABT Sportsline hat in 23 Jahren DTM schon viel erlebt, doch die Ausgangssituation vor dem Finale der Saison 2022 auf dem Hockenheimring am Wochenende ist auch für das Team um Hans-Jürgen Abt und Teamchef Thomas Biermaier ungewöhnlich. Die besten fünf Fahrer – einer davon ist der Steyerberger René Rast – liegen vor den letzten beiden Rennen in der Gesamtwertung nur 16 Punkte auseinander. Paradox: Alle fahren ein unterschiedliches Fabrikat. Rein rechnerisch können sogar noch zehn Piloten den prestigeträchtigen Fahrertitel holen. Auch die Team- und die Herstellerwertung entscheiden sich erst in Hockenheim.

Für das Team ABT Sportsline gibt es schon einen kleinen Grund zum Feiern, wenn das erste der beiden Finalrennen am Samstag um 13.30 Uhr gestartet wird: Es ist das insgesamt 300. DTM-Meisterschaftsrennen, das die Mannschaft aus Kempten in Angriff nimmt. ABT Sportsline ist das einzige DTM-Team, das seit 23 Jahren ohne Unterbrechung in der populären Rennserie an den Start geht und hat entsprechend viele Anhänger, die dem Team in Hockenheim die Daumen drücken werden.

Einziger Deutscher in den Top 5

Nicht nur Kempten und das Allgäu werden am Wochenende mit dem Team ABT Sportsline mitfiebern: Auch auf den Tribünen im badischen Motodrom werden die meisten Zuschauer René Rast und seinem ABT Audi R8 LMS GT3 evo II mit der Startnummer 33 die Daumen drücken. Aus dem Kreis der fünf Top-Favoriten ist Rast der einzige deutsche Fahrer und als dreimaliger DTM-Champion zweifellos der bekannteste. Zudem werden zahlreiche Audi-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus dem nahe gelegenen Werk Neckarsulm am Hockenheimring erwartet, die sich vor allem eines wünschen: dass René Rast am Sonntag zum vierten Mal DTM-Champion wird.

Der Steyerberger René Rast in seinem Audi R8 LMS GT3 mit der Nummer 33. Foto: Abt

Der Steyerberger René Rast in seinem Audi R8 LMS GT3 mit der Nummer 33. Foto: Abt

Biermaier: „Es ist für uns schon fast normal, mit Titelchancen in das DTM-Finale zu gehen. Aber es ist alles andere als selbstverständlich und unterstreicht lediglich, wie stark das Team ABT Sportsline ist. Renés Frau Diana hat am Red Bull Ring ein Cap mit der Aufschrift ‚Trust in Rast‘ getragen. Das ist unsere Devise. Umgekehrt kann sich René auf uns verlassen. Wir haben in der Vorbereitung alles dafür getan, um unser großes Ziel zu erreichen. Jeder im Team wird auch in den nächsten Tagen voll konzentriert daran arbeiten. Wir wissen, dass Hockenheim eine Strecke ist, auf der wir stark sein können. Wir mögen sie, unsere Fahrer mögen sie. Sie liegt nahe an Kempten und ist daher wie eine zweite Heimat für uns. Es werden viele Partner, Sponsoren und Freunde vor Ort sein, die alle mit dem Ziel kommen, am Sonntag mit uns zu feiern.“

Im letzten Rennen zum Titel

Der 35 Jahre alte Steyerberger mit Wohnsitz im österreichischen Bregenz hat einen weiteren Vorteil: Als einziger der fünf Top-Favoriten weiß er bereits, wie man im letzten Rennen in Hockenheim die DTM gewinnt – das hat er nämlich schon zweimal getan, übrigens beide Male zum Leidwesen von ABT Sportsline: 2017 schnappte er ABT-Pilot Mattias Ekström quasi auf der Zielgeraden noch den Titel weg, indem er einen 21-Punkte-Rückstand in einen Drei-Punkte-Vorsprung verwandelte und seine erste volle DTM-Saison gleich mit dem Titel krönte.

Derjenige, der die wenigsten Fehler macht und die besten Qualifyings und Rennen hat, wird am Ende ganz oben stehen.

René Rast, dreifacher DTM-Champion aus Steyerberg

Nachdem der 35-Jährige sich 2019 seinen zweiten Titel bereits vorzeitig gesichert hatte, lieferte sich Rast 2020 beim Finale in Hockenheim zum Ende der Class-1-Ära ein knallhartes Titelduell mit dem damaligen ABT-Fahrer Nico Müller. Der Schweizer gewann das erste Rennen am Samstag, am Sonntag holte sich Rast mit einem Sieg dann aber seinen dritten DTM-Titel.

Auch am Ende der Saison 2018 schrieb Rast in Hockenheim ein kleines Stück DTM-Geschichte: Mit sechs Siegen in Folge gelang ihm ein neuer Rekord. Nach einem für Audi schwierigen Saisonstart hätte es Rast mit seinen beiden Siegen in Hockenheim fast noch geschafft, das Unmögliche möglich zu machen und ein weiteres Mal Meister zu werden. Am Ende fehlten ihm lediglich vier Punkte.

DTM-Legende René Rast

In das Finalwochenende 2022 geht Rast nach einer starken ersten DTM-Saison im GT3-Rennwagen mit lediglich zwölf Punkten Rückstand. Insgesamt 58 Punkte werden in Hockenheim noch vergeben. Rast: „Es wird in Hockenheim sehr spannend, weil noch mindestens fünf Fahrer um die Meisterschaft kämpfen und dort in der Regel alle Hersteller konkurrenzfähig sind. Derjenige, der die wenigsten Fehler macht und die besten Qualifyings und Rennen hat, wird am Ende ganz oben stehen.“

Der Steyerberger ist bekannt für seine akribische Arbeitsweise und überlässt auch bei der Vorbereitung auf das Saisonfinale nichts dem Zufall. Vergangene Woche testete er zwei Tage lang in Hockenheim. Am Mittwoch saß er beim Roll-out im ADAC-Fahrsicherheitszentrum-Kempten im Allgäu selbst am Steuer seines ABT Audi R8 LMS GT3 evo II, ehe er am Donnerstag nach Hockenheim reist. Dort hat das Team ABT Sportsline die Boxen unmittelbar an der Boxenausfahrt zugelost bekommen – ein kleiner Vorteil für das in der DTM besonders wichtige Qualifying, in dem Rast in diesem Jahr schon elf Zusatzpunkte sammelte. Als einzigem Fahrer gelang es dem ABT-Piloten in der Saison 2022, drei Bestzeiten im Qualifying zu holen.

René Rast will, wie in Imola, wieder einen Erfolg mit seinem Team feiern und am Ende am besten den Meistertitel. Foto: ABT

René Rast will, wie in Imola, wieder einen Erfolg mit seinem Team feiern und am Ende am besten den Meistertitel. Foto: ABT

Insgesamt sicherte er sich in seiner DTM-Karriere 23 Pole-Positions. Bei 90 DTM-Rennen feierte er 25 Siege. 14 Mal drehte er die schnellste Rennrunde. 1231 Punkte entsprechen einem eindrucksvollen Schnitt von 13,7 Punkten pro DTM-Rennen.

Rast kann sich auch sicher sein, dass dem Audi R8 LMS der Hockenheimring grundsätzlich liegt: Im vergangenen Jahr holte sein Teamkollege Kelvin van der Linde für beide Rennen Startplatz eins jeweils vor Lucas Auer – am Samstag sogar mit einem für DTM-Verhältnisse ungewöhnlich großen Vorsprung von 0,483 Sekunden.

Und auch sein Team hat an Hockenheim viele gute Erinnerungen. Auf keiner anderen Rennstrecke hat ABT Sportsline mehr DTM-Rennen absolviert und mehr Erfolge gefeiert. 54 DTM-Rennen hat das Team dort bisher bestritten, dabei 13 Mal gewonnen, 46 Pokale für Podiumsplatzierungen mit nach Kempten gebracht und dreimal die DTM im jeweils letzten Rennen gewonnen: 2007 mit Mattias Ekström, 2008 und 2009 jeweils mit dem heutigen ProSieben-Experten Timo Scheider.

Erfolgstory von ABT-Sportsline

Auch die Erfolgsstory von ABT Sportsline in der DTM begann auf dem Hockenheimring: Am 28. Mai 2000 standen drei gelbe Abt-Audi TT-R ganz hinten in der Startaufstellung. Das kleine Privatteam wurde damals noch belächelt. Doch schnell verging der Konkurrenz das Lachen: 2001 holte ABT Sportsline mit dem kompakten Coupé die ersten beiden Siege in der DTM, 2002 sensationell den Titel. Zwei Jahrzehnte später ist ABT Sportsline mit inzwischen 73 Siegen das mit Abstand erfolgreichste aller aktiven DTM-Teams.

Die weitere Bilanz nach 299 DTM-Rennen: fünfmal Sieger der Fahrerwertung (2002, 2004, 2007, 2008 und 2009), achtmal Vizemeister, siebenmal Dritter der Fahrerwertung, fünfmal Teammeister (2004, 2007, 2011, 2016, 2020), 86 Pole-Positions, 237 Podien.

Rast abschließend: „Wir haben im vergangenen Jahr am Norisring gesehen, was beim Finale alles passieren kann. Auch das Wetter kann eine Rolle spielen. Ich habe in Hockenheim schon zweimal im letzten Rennen den DTM-Titel geholt und fahre dort immer sehr gerne. Wir haben eine tolle Mannschaft mit viel Erfahrung in Titelkämpfen. Ich bin sicher, dass alle einen kühlen Kopf bewahren werden und uns so am Ende vielleicht noch eine Überraschung gelingen kann. Ich freue mich sehr auf das Wochenende.“

Zum Artikel

Erstellt:
5. Oktober 2022, 18:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 29sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.