30.03.2014

Dänisch, Flämisch, Spanisch, Englisch

Nachhaltige Architektur Thema des europaweiten Comenius-Projekts am Marion-Dönhoff-Gymnasium

Von Rebekka Eick

Nienburg. Dänisch, Flämisch, Spanisch und Englisch: Diese Woche hallten fremde Sprachen wieder in den Fluren des Marion-Dönhoff-Gymnasium. Im Rahmen des Comenius-Projektes der EU reisten Schüler aus ganz Europa an, um sich gemeinsam mit Elftklässlern des MDG mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ auseinander zu setzen. Vom 24. bis zum 28. März erarbeiteten sie unter dem Motto „Sustainability – sustaining Europe, sustaining our future“ ihre eigenen nachhaltigen Gemeindezentren und lernten sich dabei besser kennen. Nachhaltigkeit – ein großes Thema, ein weiter Begriff. Neben der bekannten ökologischen Nachhaltigkeit sind auch ökonomische und soziale Nachhaltigkeit von Bedeutung. Dass Nachhaltigkeit auch in der Architektur eine wichtige Rolle spielt, das lernten die Schüler im Lauf der Woche. Kreativität war gefragt, als die internationalen Jugendlichen in Kleingruppen ihre eigenen Gemeindezentren gestalteten. Doch nicht nur die Arbeit in der Schule machte das Comenius-Projekt zu etwas Besonderem. Es wurden viele weitere Aktivitäten unternommen, die interkulturellen Austausch zum Ziel und neue Freundschaften zur Folge hatten.

Bereits am Wochenende reisten die Schüler und ihre Lehrkräfte an: Basken aus Bilbao, Dänen aus Nyborg, Belgier aus Antwerpen und Engländer aus London. Die Schüler richteten sich in ihren deutschen Gastfamilien ein und konnten ihre ersten Erfahrungen sammeln. Nicht nur die Austauschschüler, sondern auch ihre deutschen Familien hatten neugierig auf die Chance gewartet, mehr übereinander zu erfahren. Die Gastfamilien hatten es sich zum Ziel gesetzt, Nienburg von seiner besten Seite zu präsentieren und den Jugendlichen in der kurzen Zeit möglichst viel zu zeigen.

Am Montag startete das Projekt schließlich auch in der Schule. Nach einer Rede des Schulleiters Eckhard Hellmich, begrüßten die deutschen Schüler ihre Gäste vor versammeltem Publikum. Die Bläserklasse und die Chorklasse stimmten die Seminarteilnehmer außerdem auf die Woche ein. Bei einem sich anschließenden „speed dating“ -Spiel lernten sich auch Jugendliche kennen, die noch nicht miteinander gesprochen hatten. Eine gute Idee, die kaum nötig gewesen wäre: Die aufgeschlossenen Jugendlichen waren ohnehin schon eifrig dabei, sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.

Anschließend verteilten sich alle Schüler in Kleingruppen, in denen jeweils alle Nationalitäten vertreten waren, in der Schule. Sie hatten Präsentationen über nachhaltige soziale Zentren in ihren Heimatländern vorbereitet, die sie sich nun gegenseitig vorstellten. So gab es viele Anhaltspunkte und Ideen, die den Schülern halfen, als sie sich danach an die Planung ihrer eigenen imaginären Zentren machten. Nachhaltig sollten sie sein, das war die einzige Vorgabe. Orientieren konnten sich die Jugendlichen am Grundriss der Schule, doch auch hier waren dem Erfindungsgeist kaum Grenzen gesetzt. Nachdem die Gruppen erste Ideen gesammelt hatten, ging es auch schon weiter zum nächsten Programmpunkt. Im Rathaus hielt Bürgermeister Henning Onkes eine kurze Ansprache und anschließend führten die deutschen Schüler ihre Gäste durch Nienburg, um ihnen Sehenswertes zu zeigen. Bereits am Montag zeichnete sich ab, dass der Abschied schwer fallen würde.

Auch am Dienstag war ein volles Programm geboten. Für alle Austauschschüler und einige deutsche Schüler begann der Tag mit einem Sprachkurs. Nach einer kurzen Vorbereitungszeit zogen die Seminarteilnehmer gemeinsam durch die Klassen und gaben Einblicke in ihre Sprachen. Vor allem in den niedrigeren Klassenstufen wurde das Projekt enthusiastisch aufgenommen. Den Kindern brannten mehr Fragen auf den Lippen, als in der kurzen Zeit beantwortet werden konnten. Bis 14 Uhr arbeiteten die Kleingruppen anschließend an ihren Gemeindezentren. Sie sollten nicht nur den Grundriss anpassen, sondern auch Bilder aus der Vorbereitungsphase und Texte mit ihren Ideen integrieren.

Einen Höhepunkt des Tages stellte der Besuch des Architekten Harald Wendt vom Ingenieurbüro Ahrens dar. Ihm konnten die Schüler Fragen stellen, die im Laufe des Tages aufgekommen waren. „Obwohl der Architekt nur kurz da war, hat er uns sehr geholfen“, meinte Leonie Wahl im Anschluss für ihre Gruppe. Zusätzlich zu dem morgendlichen Sprachkurs hatten die Lehrerinnen Bente Pinnau und Damaris Weißgerber Deutschkurs der anderen Art vorbereitet. Mit dem Lied „Applaus Applaus“ von den Sportfreunden Stiller konnten die Jugendlichen ihre Deutschkenntnisse vertiefen. Der Nachmittag stand den Schülern wieder zur freien Verfügung. Während einige Gastfamilien gemeinsam backten, fuhren andere Gruppen ins Bowlingcenter, um den Tag ausklingen zu lassen. So viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen und dabei so viel wie möglich übereinander zu erfahren, das war es, was sich die Jugendlichen für die Woche zum Ziel gemacht hatten.

Gelegenheit dazu bot auch das Programm am Mittwoch. Von 10 bis 14 Uhr besuchten die Schüler das Klimahaus in Bremerhaven. Den Rest des Nachmittages verbrachten sie in Bremen, wo sie ihren Horizont erweitern und mehr über Deutschland erfahren konnten. Den ganzen Tag über wurden viele Fotos geschossen, die am folgenden Nachmittag für einen Fotowettbewerb eingereicht werden sollten. Auch am Donnerstag bekamen die Austauschschüler einen neuen Einblick, indem sie die ersten beiden Schulstunden gemeinsam mit ihren Gastgebern den regulären Unterricht besuchten. In der Schule war das Interesse groß an den Fremden, die für viele doch keine Fremden mehr waren. Den Rest des Tages verbrachten die Seminarteilnehmer damit, die Pläne ihrer Gemeindezentren fertig zu stellen.

Am Nachmittag mussten die Dänen und Engländer ihre Koffer bereits packen, da sie schon am Freitag abreisen würden. Langsam wurde den Teilnehmern bewusst, dass sich eine spannende Woche, die sich lang angefühlt und doch viel zu schnell vergangen war, ihrem Ende näherte. Bei einem Grillfest am Donnerstagabend kamen noch einmal alle in der Schule zusammen, um die Woche in familiärer Atmosphäre gemeinsam ausklingen zu lassen. Die Schüler, Eltern und Lehrer blickten gemeinsam zurück, doch es wurden auch schon Pläne für zukünftige Besuche gemacht.

Am Freitag ging schließlich alles ganz schnell. Alle Gruppen präsentierten ihre Ideen von nachhaltigen Gemeindezentren vor einer unabhängigen Jury aus Nienburg. Bei einer Abschlussversammlung wurde die Gruppe mit den „nachhaltigsten“ Ideen gekürt, es wurden Urkunden verteilt und Geschenke ausgetauscht. Eine Musikgruppe der Schule spielte zum Abschluss und eine Gruppe von Austauschschülern präsentierte ein deutsches Lied.

Die Woche war eine großartige Erfahrung gewesen, die niemand missen wollte. Da waren sich alle Teilnehmer aus Deutschland einig. Auch die Besucher hatten positive Erfahrungen gemacht. Sie habe es genossen, neue Kulturen kennenzulernen und Erfahrungen in den Themenbereichen Architektur und Nachhaltigkeit zu sammeln, sagte beispielsweise Humaida Faris aus London. Außerdem habe sie neue Freunde gefunden und hoffe, bald zu Besuch kommen zu können. DH

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Erstellt:
30. März 2014, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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