Das Ende darf noch warten

Das Ende darf noch warten

Die Corona-Krise bedroht erneut den Spielbetrieb beim Fußball und anderen Sportarten. Foto: adobestock

Es sind erst sechs Wochen vergangen, seitdem der Amateurfußball seinen Alltag wiederbekommen hat. Anfang September startete die Bezirksliga nach rund einem halben Jahr Zwangspause wieder in den Spielbetrieb. Andere Ligen und Sportarten folgten.

Endlich gab es wieder Live-Sport im Wettkampfmodus – doch damit könnte schon früher wieder Schluss sein, als es einigen lieb sein dürfte. Die steigenden Corona-Infekionszahlen sprechen eine deutliche Sprache: Die zweite Welle rollt heran. Und mit ihr in absehbarer Zeit möglicherweise auch das erneute Ende sämtlicher Sportevents.

Mit dem Ende ist es ja so eine Sache. Wenn in der Bezirksliga Steimbke und Drakenburg nicht mehr kicken dürfen, geht davon nicht die Welt unter. Hört man jedoch Corona-Leugner oder Klima-Hysterikern zu, sieht es schon ganz anders aus. Viele von ihnen verkünden laut, penetrant und immerwährend, der Weltuntergang sei unausweichlich und nur noch eine Frage der Zeit. Aber wie viel Zeit haben wir denn noch?

Eine Antwort liefert regelmäßig der „Bulletin of the Atomic Scientists“, eine vor 75 Jahren von Atomforschern gegründete Organisation im vergangenen Februar. Die Gruppe bediente sich hierfür einer symbolischen Uhr, deren Zeiger still stehen, die berühmte „Doomsday“-Uhr. Sie zeigt: Es ist 100 Sekunden vor Mitternacht. Wie bedrohlich!

Ein kurzer Rückblick: In den Achtzigerjahren, mitten im Kalten Krieg, war es drei Minuten vor Mitternacht, Anfang der 2000er neun Minuten, 2019 noch zwei Minuten. Ich fasse zusammen: Seit 1945 ist es also kurz vor Weltuntergang. Wie spät wird es erst 2050 sein? Zwei Hundertstel vor zwölf?

Selbst ich habe schon mehrfach den Weltuntergang überlebt; der berühmteste war 2012 – hier endete der Kalender der alten Mayas. Roland Emmerich drehte einen Kinofilm über das drohende Ende, 15.000 Menschen wollten in Argentinien auf einem Berg Massen-Suizid begehen – die Regierung musste das Areal weiträumig sperren.

Egal, ob die biblische Apokalypse, eine aufziehende Supernova oder jetzt die Corona-Pandemie – das mögliche Ende der Welt fasziniert und bewegt die Menschen seit eh und je. Genauso alt wie viele Endzeit-Theorien ist folgende kitschige lateinische Lebensweisheit, die ich allen in dieser Zeit ans Herz legen möchte: Carpe diem – genieße jeden Tag! Oder passender: Carpe morbi ludum – genieße jedes Fußballspiel.

Das Ende könnte nah sein.