Der größte Raubsaurier Deutschlands, einst gefunden im Wiehengebirge, ist nun im LWL-Museum für Naturkunde als lebensechte Rekonstruktion zu sehen. Foto: Christoph Steinweg

Der größte Raubsaurier Deutschlands, einst gefunden im Wiehengebirge, ist nun im LWL-Museum für Naturkunde als lebensechte Rekonstruktion zu sehen. Foto: Christoph Steinweg

Minden/Münster 13.02.2020 Von Die Harke

Das Monster von Minden

Überreste von Saurier 1998 im Wiehengebirge gefunden: Rekonstruktion wird im LWL-Museum präsentiert

Er hat Zähne, die so groß wie ein Smartphone sind, eine Körperlänge von mindestens acht Meter, ist über zwei Meter hoch, satte zwei Tonnen schwer und echter Westfale: Das „Monster von Minden“ war vor 165 Millionen Jahren der größte Raubsaurier Mitteleuropas. Von sofort an ist er als lebensgroßes Modell in Münster zu sehen.

Die Rekonstruktion des Raubsauriers „Wiehenvenator albati“ wird im LWL-Museum für Naturkunde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) präsentiert. „Westfalen ist Dino-Land, das wollen wir mit immer wieder neuen Präsentationen herausstellen“, sagt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. Museums-Fachleute und Forscher vor Ort sorgten gemeinsam dafür, dass diese Funde als nationale Kulturgüter so gut wie möglich erhalten bleiben.

1998 fanden Fachleute des LWL in einem Steinbruch im Wiehengebirge bei Minden die Überreste eines Dinosauriers. Sie ahnten nicht, dass dies der größte Raubsaurier war, der bisher in Deutschland gefunden wurde. Die versteinerten Knochen des Schädels, Zähne, Wirbel, Rippen sowie Teile des Unterschenkels bilden die Grundlage der Lebend-Rekonstruktion des „Wiehenvenator albati“. Die versteinerten Original-Knochen sind in der Dauerausstellung „Dinosaurier - Die Urzeit lebt!“ des Museums zu sehen.

Die fossilen Überreste wurden vermessen. Mit diesen Daten druckten die Fachleute ein dreidimensionales Modell. Da die bisher gefundenen Überreste des Raubsauriers kein vollständiges Skelett abbilden, wurde für die Fehlstellen die Erscheinungsform naher Verwandter der Riesenechse als Vorlage genommen. Acht Wochen arbeitete eine Fachfirma an dem lebensechten Modell.

Nachdem der 3D-Drucker das Grundgerüst des Dinosauriers fertiggestellt hatte, rekonstruierten die Modellbauer das äußere Erscheinungsbild des Sauriers nach. Die Fachleute des LWL-Museums gaben den Modellbauern eine Grafik, der die Einfärbung des Tiermodells folgen sollte. Nach seiner Entdeckung wurde das Fossil ausgegraben und danach präpariert.

„Der Fund eines derart großen Raubsauriers gehört zu den Sternstunden für unsere Paläontologen“, sagt Dr. Jan Ole Kriegs, Direktor des LWL-Museums für Naturkunde. Aber nicht nur Fachleute sollen den Dino bewundern. „Wir hoffen, dass unser ‚Wiehenvenator‘ viele junge Dinosaurierfans beeindrucken wird.“

Der Fund sei etwas sehr Besonderes, die Forscher entdeckten die erste Spezies einer bis dahin unbekannten Gattung. Die anatomischen Details würden eindeutig beweisen, dass es sich um eine neue Gattung und eine neue Art handelt. Einige der gefundenen Zähne sind so groß wie ein Smartphone und zum Rachen hin gekrümmt. Ähnlich wie der „Allosaurus“ oder der viel spätere „Tyrannosaurus rex“ sei „Wiehenvenator albati“ auf den Hinterbeinen gelaufen und habe nur kurze Vorderläufe besessen.

Der Name „Wiehenvenator“ nimmt Bezug auf das Wiehengebirge, da der Fund aus der Lutternschen Egge stammt. Der Saurier lebte im Oberjura vor etwa 165 Millionen Jahren. Er ist der erste in Deutschland entdeckte Raubsaurier aus dieser Zeit und besitzt die größten Ausmaße: Das Tier war vermutlich acht bis zehn Meter lang, im Vergleich mit anderen Raubsauriern sehr kräftig gebaut und wog mehr als zwei Tonnen.

LWL-Dino-Experte Dr. Achim Schwermann: „Auch wenn wir nicht viele Überreste aus seiner Welt haben, können wir doch davon ausgehen, dass er ein Top-Prädator in seinem Ökosystem gewesen ist.“ Die Forscher gehen davon aus, dass „Wiehenvenator albati“ auf Inseln im Meer lebte. Eine stammesgeschichtliche Analyse der evolutionären Verwandtschaftsverhältnisse ergab, dass der Raubsaurier zu einer Großgruppe gehört, deren Artenreichtum im mittleren Jura geradezu explosionsartig zunahm.

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Erstellt:
13. Februar 2020, 11:07 Uhr
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