Philipp Keßler DH

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Guten Tag 29.09.2019 Von Philipp Keßler

Das Problem mit den Namen

Zwei Tore, 22 Spieler, ein Ball – diese Dinge gehören seit eh und je zum Fußball dazu. Das gilt heutzutage aber auch für Bandenwerbung, Trikotsponsor oder die Präsentation einer Ecke durch einen Werbesponsor. Im modernen Profi-Fußball des 21. Jahrhunderts geht es nicht mehr nur um Sieg oder Niederlage; es geht vor allem ums Geld. Auch die letzte verbliebene freie Wand im Stadion wird mit dem Slogan eines Unternehmens zugekleistert, und seit 1983 ist es gang und gäbe, dass auch der Namen der geliebten Arena an Firmen verhökert wird. Den Anstoß hierfür gab vor fast 40 Jahren die SpVgg Greuther Fürth, die fortan im „Playmobil-Stadion“ ihre Heimspiele austrug. Die Geschichte der vermarkteten und zu Geld verarbeiteten Stadion-Namen ist eine lange – und nicht selten hässliche. Der SC Wiener Neustadt kickte beispielsweise 2017 im „Teddybären- und Plüschstadion“. Der holländische Verein FC Den Bosch hatte es von 2012 bis 2015 ebenfalls nicht leicht: „Brainwasch-Stadion“ stand über dem Eingang. Lecker klang der neue Titel der Heimat vom amerikanischen MLS-Klub FC Dallas 2005 bis 2012: „Pizza Hut-Park“.

Selbst beim SV Werder Bremen, bei dem sich Fans und Verantwortliche stets damit brüsteten, noch den traditionellen Namen „Weserstadion“ zu besitzen, heißt es nun des lieben Geldes wegen „wohninvest-Weserstadion“. Wenn sich also der große Fußball immer mehr vom kleinen entfernt, müssen die Amateure eben selbstständig näher an ihre Vorbilder heranrücken. Das versuchte nun der südhessische Kreisligist FSV Dorheim, der die Namensrechte seines Sportplatzes fix an ein örtliches Unternehmen verkaufte. Aus dem „Sportplatz an der Wetter“ wurde „TEKO Kältetechnik Arena“ – über 10 000 Euro habe der Verein dafür eingesteckt. Das Sponsoring-Paket beinhalte zudem Trikot- oder auch Bandenwerbung. Der warme Geldregen soll besonders der Jugendarbeit des FSV zugute kommen. Nur blöd: Der Sportplatz gehört eigentlich der Stadt Friedberg – nicht dem Verein. Eine Genehmigung für die Namensänderung liegt nicht vor, sodass die teuren „TEKO“-Banner aktuell im Keller verstauben und der Verein in ziemlichem Schlamassel steckt.

Also aufgepasst Inter Komata, ASC Nienburg oder Sila Spor: Auch die Mußriede und das Stadion an der Mindener Landstraße sind städtisches Eigentum. Bevor Schilder mit „Malerei Rasch-Arena“ oder „Tischlerei Haller-Sportpark“ angebracht werden dürfen, ist eine Rück- sprache mit der Verwaltung zu empfehlen.

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Erstellt:
29. September 2019, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 11sec

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