Pergamentfragment aus dem Einband des Sachsenspiegels. Museum Nienburg

Pergamentfragment aus dem Einband des Sachsenspiegels. Museum Nienburg

Nienburg 05.02.2018 Von Die Harke

Das Rätsel ist gelöst

Objekt des Monats Februar im Museum ist ein Pergament-Fragment

Im Februar stehen die Pergamentfragmente, die bei der Restaurierung des Sachsenspiegels aus der Sammlung des [DATENBANK=535]Museums Nienburg[/DATENBANK] geborgen wurden, im Mittelpunkt des Interesses. 56525 Bei der Restaurierung wurden im Buchrücken, zwischen dem Einband und den einzelnen Lagen, mehrere Fragmente einer Pergamenthandschrift entdeckt. Offensichtlich hatte der Buchbinder des 16. Jahrhunderts eine noch ältere Handschrift in Streifen geschnitten und als Verstärkung in die Bindung eingearbeitet. Solche Zufallsfunde kommen öfter vor – in einer Zeit, als durch die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern das Medium Papier das Pergament ablöste, verloren viele alte Handschriften an Wert und wurden „recycelt“. Das Pergament selbst war nach wie vor begehrt und wurde von Buchbindern zum Beispiel für den Einband verwendet oder genutzt, um einen beschädigten Einband zu reparieren.

Der Fund aus dem Nienburger Sachsenspiegel gab zunächst Rätsel auf, denn die Fragmente waren kaum leserlich. Dass es sich um eine Notenhandschrift handeln musste, war den Fachleuten im Museum schnell klar, doch eine genauere Zuordnung war nicht möglich. Durch die Unterstützung von Dr. Michael Oberweis von der Akademie der Wissenschaften in Mainz ist es nun aber gelungen, die Herkunft der Fragmente genauer zu bestimmen.

Nach Aussage von Dr. Oberweis handelt es sich zweifellos um ein Missale, also ein liturgisches Buch der lateinischen Kirche, das zu vollziehende Zeremonien und vorzutragende Texte an Sonn-, Fest- und Werktagen beschreibt.

Der Liedtext wurde in der karolingischen Minuskel und die Noten dazu in Notenlinien niedergeschrieben. Diese Kombination spricht für eine Datierung der Handschrift in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts. Einzelne Textstellen waren noch lesbar – sie gehören zu Gesängen, die am feria IV cinerum, also am Aschermittwoch, verwendet wurden. Passend am 14. Februar sind diese Fragmente im Februar während der Öffnungszeiten im Fresenhof zu sehen.

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Erstellt:
5. Februar 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 56sec

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