Fachleute aus NRW prüften am Freitag die Mobilität der "West Oder 1" am Nienburger Anlieger. Anschließend verließ der Havarist die Weserstadt Richtung Süden. Foto: Schwiersch

Fachleute aus NRW prüften am Freitag die Mobilität der "West Oder 1" am Nienburger Anlieger. Anschließend verließ der Havarist die Weserstadt Richtung Süden. Foto: Schwiersch

Nienburg 30.08.2021 Von Stefan Schwiersch

Das Schicksal der „West Oder 1“ ist besiegelt

Bestätigung aus Polen: Der Havarist hat Nienburg verlassen und wird zeitnah verschrottet

Aufmerksame Wesergucker werden es bemerkt haben: Übers Wochenende ist die „West Oder 1“ verschwunden, der Liegeplatz am Anlieger der Firma Bohnhorst nahe der Weserbrücke verwaist. Von hier aus hat das Binnenschiff polnischer Herkunft mit der 113-jährigen Geschichte seine vorletzte Reise angetreten und steuert nunmehr einem unwiderruflichen Schicksal entgegen: Die „West Oder 1“ wird verschrottet.

Die vordere linke Seite der "West Oder 1" wurde mächtig aufgerissen, der Anker der "Timbo" steckt noch in der Schiffswand. Foto: Feuerwehr

Die vordere linke Seite der "West Oder 1" wurde mächtig aufgerissen, der Anker der "Timbo" steckt noch in der Schiffswand. Foto: Feuerwehr

Konzentrierte Aktivität herrschte am vergangenen Freitag auf und an der „West Oder 1“. Fachleute der Firma Guspaf aus dem westfälischen Xanten nördlich von Duisburg prüften die Mobilitätstauglichkeit des Havaristen, der am 8. August nach einer Kollision mit der ebenfalls aus Polen stammenden „Timbo“ am Bug aufgeschlitzt wurde, schnell sank und erst nach neun Tagen von holländischen Spezialisten wieder gehoben werden konnte; wir berichteten.

Eine Nienburgerin hatte die "West Oder 1" vor geraumer Zeit zufällig nahe der Weserbrücke fotografiert und stellte uns das Bild zur Verfügung. Foto: Privat

Eine Nienburgerin hatte die "West Oder 1" vor geraumer Zeit zufällig nahe der Weserbrücke fotografiert und stellte uns das Bild zur Verfügung. Foto: Privat

Das Ergebnis der Guspaf-Männer: Die „West Oder 1“ ist bedingt transportfähig. Mittels Schubboot wurde der Frachter, der auf seiner letzten Dienstfahrt rund 650 Tonnen Mais geladen hatte, in eine Werft im Mindener Hafen befördert. Hier wird der Frachter für seine letzte Fahrt vorbereitet: Der etwa acht Meter lange Riss am linken Bug – dort steckte bis zum Schluss noch der abgerissene Anker der „Timbo“ – muss geflickt werden. Dann folgt die Rückkehr in den Heimathafen in Stettin, dort wird das Schiff dann zerlegt, wie Tomasz Siemieńczuk auf HARKE-Nachfrage bestätigte; ähnlich wie beim Autorecycling werden Metalle wiederverwertet, der überwiegende Rest wandert auf den Schrott.

Am 8. August sank die "West Oder 1" bei Marklohe, neun Tage später wurde sie gehoben. Foto: Schwiersch

Am 8. August sank die "West Oder 1" bei Marklohe, neun Tage später wurde sie gehoben. Foto: Schwiersch

Im Auftrag der Reederei betreut Siemieńczuk die „West Oder 1“ bereits seit Jahren, nun geht die Abwicklung auch an ihm nicht spurlos vorbei: „Sie war nicht mehr zu retten.“ Der Riss ist das eine, doch eine Woche unter Wasser hat nicht nur den Antrieb zerstört, sondern naturgemäß das gesamte Interieur samt Technik und Mobiliar. „Die Prüfung durch Sachverständige und Versicherung war sehr aufwendig“, sagt Siemieńczuk. „Ich bin jetzt seit 17 Jahren in der Binnenschifffahrt tätig, aber einen solchen Fall habe ich auch noch nicht erlebt.“

Auf youtube gibt‘s übrigens Bewegtbilder der „West Oder 1“: HB Albers hat das Binnenschiff Ende 2019 beim Schleusen in Herbrum am Dortmund-Ems-Kanal erwischt:

Das unter polnischer Flagge laufende Frachtschiff „West Oder 1“ ist 67 Meter lang, 8,20 Meter breit und unbeladen 797 Tonnen schwer. Der Frachter verfügt über eine Antriebsleistung von 375 PS und wurde 1908 auf der Union-Werft in Dortmund gebaut. Heimathafen ist mittlerweile Stettin.

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Erstellt:
30. August 2021, 13:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 13sec

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