Eminem beim Bonnaroo Music and Arts Festival 2018. Foto: Amy Harris/Invision/AP/dpa

Eminem beim Bonnaroo Music and Arts Festival 2018. Foto: Amy Harris/Invision/AP/dpa

Detroit 17.10.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

Das Unterschicht-Wunderkind: Rapper Eminem wird 50

Keiner hat so eine blitzblanke amerikanische Aufstiegsgeschichte zu bieten: Eminem hat von den dunkelsten Ecken Detroits aus die Rapwelt verändert. Auch Barack Obama wandte sich in entscheidenden Momenten an Eminems Musik.

Wie übermenschlich groß der Rapper Eminem ist, zeigt sich alleine daran, dass sogar zwei Wörter seines Superhits „Lose Yourself“ reichen, um damit ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Seit vergangenem Jahr bilden sich vor „Mom's Spaghetti“ in Downtown Detroit lange Schlangen - und das trotz des nicht allzu appetitlichen Songtextes: „Seine Handflächen sind verschwitzt, seine Knie schwach, seine Arme schwer/ Auf seinem Pullover ist Kotze, Mamas Spaghetti“, rappte Eminem Anfang des Jahrtausends. „Lose Yourself“ wurde zu Eminems wohl einflussreichstem Lied - es geht um den einen Moment, der alles verändern kann, wenn man es nur will. Der Musiker selbst nutzte seine Chance und wurde zu einem der legendärsten - und kontroversesten - Rapper seiner Generation. Am 17. Oktober wird er 50. Eine harte Kindheit und Jugend in DetroitGeboren wurde Marshall Bruce Mathers III. 1972 in St. Joseph im US-Bundesstaat Missouri. Seine Kindheit und Jugend waren geprägt von Armut und Vorwürfen von Gewalt und Missbrauch. Die Familie zog in die Problemstadt Detroit in Michigan, wo Mathers mit 14 sein Talent bei Auftritten in Clubs zeigte und sich einen Namen in der Rap-Szene machte. Die Schule interessierte ihn unterdessen nicht, er wiederholte mehrere Klassen und schmiss schließlich ganz hin. Eminems erstes Album „Infinite“ führte 1996 nicht zum erhofften Durchbruch, doch als er ein Jahr später bei der „Rap-Olympiade“ in Los Angeles den zweiten Platz errang, wurde Hip-Hop-Übervater Dr. Dre auf ihn aufmerksam. Dre nahm Mathers auf, das Album „Slim Shady LP“ mit dem Hit „My Name is“ wurde 1999 mit Eminems Talent und Dr. Dre's Authentizität in der Szene zu einem der Alben, die im Nachhinein Megaseller genannt werden. Dazu hagelte es Grammy's und MTV Video Music Awards. Ein Jahr später folgte mit der „Marshall Mathers LP“ das bis dahin am schnellsten verkaufte Rap-Album der amerikanischen Geschichte - inklusive kontroversen Songs wie „The Real Slim Shady“ und „Stan“. Diese Jahre - inklusive Eminems Schauspieldebüt in dem halbautobiografischen Film „8 Mile“ - sollten der Höhepunkt seiner Karriere werden und sein Image als weißes Wunderkind im afroamerikanisch dominierten Rap festigen. Eine blitzsaubere AufsteigerstoryImmer wieder warfen Aktivistinnen und Aktivisten Eminem dabei aber auch schwulen- und frauenfeindliche Texte vor. Anschuldigungen, denen der Musiker unter anderem 2001 bei einem Duett zusammen mit dem schwulen Sänger Elton John bei den Grammys entgegenzutreten versuchte. An anderer Stelle sorgte Eminem dagegen für Aufsehen mit einer Geste für Menschenrechte: Am Ende der Super-Bowl-Halbzeitshow unter anderem mit Dr. Dre und Snoop Dogg ging er auf die Knie - offensichtlich als Unterstützung für den früheren US-Football-Profi Colin Kaepernick. Der hatte diese Geste 2016 als Zeichen des Protests gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit initiiert und wurde vor allem von der amerikanischen Rechten scharf angegriffen. Von der Detroiter Unterschicht bis zur größten Bühne der Welt: Eine so blitzblanke Aufstiegsgeschichte wie die von Eminem gibt es in Amerika nur selten. Sie verlieh Marshall Mathers Authentizität, sein Stil und Talent inspirierten sogar den jungen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama vor den alles entscheidenden TV-Debatten gegen seinen Kontrahenten John McCain. In seiner Autobiografie „Ein verheißenes Land“ schreibt Obama, dass er „Lose Yourself“ vor jedem Auftritt gehört habe - das Lied, in dem es darum geht, die eine große Chance im Leben zu nutzen. Obama beschreibt, wie er auf dem Weg zu den Debattenorten im Auto saß und im Takt zu Eminem genickt habe. Er spürte „einen Hauch von privater Rebellion, eine Verbindung zu etwas Düstererem und Realerem als all die Aufregung und Ehrerbietung, die mich jetzt umgaben. Es war eine Möglichkeit, die Künstlichkeit zu durchbrechen und mich daran zu erinnern, wer ich war.“

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Erstellt:
17. Oktober 2022, 10:09 Uhr
Lesedauer:
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