Blick auf die Titelseite der HARKE von heute vor 50 Jahren. Am Freitag, 26. November 1971, war das Titelbild der Heimatzeitung der Besuch von Bundesaußenminister Walter Scheel in Moskau. Foto: Archiv

Blick auf die Titelseite der HARKE von heute vor 50 Jahren. Am Freitag, 26. November 1971, war das Titelbild der Heimatzeitung der Besuch von Bundesaußenminister Walter Scheel in Moskau. Foto: Archiv

Nienburg 26.11.2021 Von Sebastian Schwake

Das bestimmte heute vor 50 Jahren die Schlagzeilen

Blick in die HARKE-Ausgabe vom 26. November 1971: Scheel, Schnee und die große Weihnachtsüberraschung

Stadt und Landkreis Nienburg haben ein vorweihnachtliches Kleid angelegt. Es ist Schnee gefallen, heißt es in der HARKE-Ausgabe von heute auf den Tag genau vor 50 Jahren.

Ein Blick in die Ausgabe vom 26. November 1971 verrät: Der Automobilindustrie droht der Produktionsstillstand, und das heimische Bauhandwerk ist bereits durch den Schneefall ausgebremst und zur Niederlegung der Arbeit gezwungen worden. Eisig waren unterdessen die Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion nicht. Bundesaußenminister Walter Scheel wird in Moskau vom sowjetischen Außenminister Andrei Andrejewitsch Gromyko freundlich begrüßt. „Wie ein Familientreffen“ titelt die Heimatzeitung auf ihrer ersten Seite.

Ein Unfall sorgt für große Trauer

Aber nicht nur überregional gibt es viele Schlagzeilen und lesenswerte Nachrichten: Auf den Baustellen im Landkreis ruht die Arbeit wegen des Schnees. Gleichzeitig nimmt die Nachfrage nach Winterreifen zu. Nicht allen aber helfen Winterreifen, auf der Straße zu bleiben.

Ein schwerer Unfall zwischen Nienburg und Stöckse erschüttert die Menschen im Landkreis: Zwischen der Krähe und der Stadtgrenze kommt ein Auto von der Fahrbahn ab und kollidiert mit einem entgegenkommenden Fahrzeug. Zwei Menschen sterben in den Trümmern – ein bekannter und dem Bericht zufolge geschätzter und beliebter Polizei-Hauptmeister und eine außerordentlich gewissenhafte und stets einsatzbereite junge HARKE-Mitarbeiterin.

Die Innenstadt Nienburgs wird weihnachtlich geschmückt

Unter der Briefmarke wird erläutert, dass in der Langen Straße in Nienburg Mitarbeiter von Bauhof und Hastra die weihnachtlichen Girlanden trotz Schneetreiben aufhängen. Zudem richten sie die großen Weihnachtsbäume am Anfang und am Ende der Langen Straße auf. Auch anderenorts im Landkreis wird der Weihnachtsschmuck herausgeholt und aufgehängt.

Autofahrer stehen zwar nicht in der Schlange nach Winterreifen, aber die Nachfrage ist enorm. Es müssen Überstunden gemacht werden.

Geschäftsführer
eines Reifenhandels

Während das Bauhandwerk ausgebremst ist und der Gesetzgeber über eine Winterbauförderung nachdenkt, klingelt es in den heimischen Autoreifen-Fachhandel-Geschäften in der Kasse: „Autofahrer stehen zwar nicht in der Schlange nach Winterreifen, aber die Nachfrage ist enorm. Es müssen Überstunden gemacht werden“, sagt ein Geschäftsführer eines befragten Fachhandels laut einem Artikel.

Die Titelgeschichte auf der ersten Lokalseite befasste sich mit dem heimischen Bauhandwerk. Es musste an jenen Tagen Ende November wegen Schnees eine Zwangspause auf den Baustellen einlegen.  Foto: Archiv

Die Titelgeschichte auf der ersten Lokalseite befasste sich mit dem heimischen Bauhandwerk. Es musste an jenen Tagen Ende November wegen Schnees eine Zwangspause auf den Baustellen einlegen. Foto: Archiv

Damals gab es übrigens noch strengere Winter mit niedrige(re)n Temperaturen und Schneefällen bereits im November. In der Meldung wird auch über die Art der Bereifung geschrieben: Gefragt sind demnach „Spikesreifen“. Die Nachfrage nach solchen Modellen habe gegenüber dem Jahr 1970 zugenommen.

In Holtorf wird das Gemeindehaus eingeweiht

Was in dieser HARKE-Ausgabe noch wichtig war? Das Gemeindehaus in Holtorf ist nach gut einjähriger Bauzeit fertiggestellt worden. Zwei Tage später wird es mit einem Familiengottesdienst eingeweiht. Am selben Nachmittag folgt ein adventlicher Nachmittag mit Singen und einem Diavortrag über den Bau des Gemeindehauses.

Langendamm ist damals noch eine Samtgemeinde. Dessen Rat beschließt die Ausgabe von 111.000 DM für den Bau von Lehrerwohnungen. Die Verwaltung wird seinerzeit damit beauftragt, zu klären, ob die Samtgemeinde selbst baut oder dafür eine Baugesellschaft beauftragt werden soll. Die Arbeiten an der Turnhalle in Husum kommen unterdessen voran, berichtet seinerzeit der Langendammer Samtgemeindedirektor – heute gehört Husum zur Samtgemeinde Mittelweser, damals wurde Husum zum 1. Januar der Samtgemeinde Langendamm zugeordnet.

In Lemke werden die Steuern erhöht

In Lemke drückt die angespannte Finanzsituation auf die Stimmung der Gemeindeväter. Der Rat beschließt, die Steuern zu erhöhen. Allerdings fällt der Beschluss knapp aus. Trotz finanziellem Engpass trifft der Rat in derselben Sitzung auch die Entscheidung zum Kauf eines neuen Tragkraftspritzenfahrzeugs – für 22.000 DM.

Die Deutsche Bank feiert das zweijährige Bestehen ihrer Filiale in Nienburg – mit stetig steigendem Kundkreis. Heute ist das Finanzcenter aktuell wegen der Pandemie geschlossen. Lediglich der SB-Bereich ist geöffnet.

In der Nachbarschaft vernicht ein Großfeuer in Diepholz einen Schweinestall und richtet einen Schaden von rund einer Viertelmillion DM an. 320 Schweine verenden in dem Feuer. 80 Tiere können vom Landwirt und eintreffenden Helfern gerettet werden. Die Ursache für den Brand in dem landwirtschaftlichen Betrieb an der B51 bleibt an diesem Tag noch unklar.

Die Werbegemeisnchaft wirbt mit Weihnachtswünsche werden wahr

Das ehemalige Nienburger Bekleidungshaus Hansen wirbt in einer großen Anzeige für seine kuschelweichen Jacken, in denen kein Winter hart wird. Das Bekleidungshaus hat dafür drei adrette Männer in sportlichen Mänteln mit imprägnierter Popeline-Qualität und kuschelweichem Borgfutter abgelichtet. Da wird dem Betrachter schon beim Anblick warm ums Gemüt. Heute ist das ehemals an der Filmeck-Kreuzung gelegene Modehaus längst Geschichte. Wenige Seiten später fällt dem Leser eine ganzseitige Anzeige ins Auge: „Nienburg – die große Weihnachtsüberraschung“ ist dort zu lesen.

Die Werbegemeinschaft warb in jener Ausgabe für die Aktion „Grüner Pfeil“ und große Weihnachtsüberraschungen in den Geschäften der Innenstadt. Foto: Archiv

Die Werbegemeinschaft warb in jener Ausgabe für die Aktion „Grüner Pfeil“ und große Weihnachtsüberraschungen in den Geschäften der Innenstadt. Foto: Archiv

Der „Nienburger City Service“ hat die Aktion „Grüner Pfeil“ ins Leben gerufen. In allen Geschäften, die diesen Pfeil haben, ist die „Wunderwelt der Geschenke“ eröffnet, wie es in der Anzeige weiter heißt. Alle Schaufenster sind geschmückt und strahlen um die Wette. Die Werbegemeinschaft der Nienburger Kaufleute verspricht in der Anzeige, dass in der Weihnachtsstadt Nienburg 1000 Wünsche wahr werden.

Zum Artikel

Erstellt:
26. November 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 28sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.