Die Zehntklässler des MDG waren tief beeindruckt von der Geschichte der Pulverfabrik Liebenau. MDG Nienburg

Die Zehntklässler des MDG waren tief beeindruckt von der Geschichte der Pulverfabrik Liebenau. MDG Nienburg

Nienburg/Liebenau 07.07.2019 Von Die Harke

„Das habe ich nicht gewusst“

Zehntklässler des MDG tief beeindruckt von der Geschichte der Pulverfabrik Liebenau

„Ich wusste nicht, dass es damals in so nächster Nähe ein Arbeitslager gegeben hat, in dem auch tausende Menschen gestorben sind. Außerdem war mir neu, dass in einem Bunker zur Zeit des Kalten Krieges Atomgranaten gelagert wurden.“ So einer der Schüler aus dem 10. Jahrgang von Katrin Abmeier und Peter Schmidt, als sie das Gelände der ehemaligen Pulverfabrik in Liebenau besuchten.

Martin Guse, der Leiter der Dokumentationsstelle Liebenau, führte die Schülerinnen und Schüler des Nienburger Marion-Dönhoff-Gymnasiums über das umfangreiche Gelände. Sehr fundiert berichtete er über die Geschichte des mehr als zwölf Quadratkilometer umfassenden Geländes, auf dem sich bis heute 84 Kilometer Betonstraßen, 42 Kilometer Eisenbahnschienen und mehr als 400 teils unterirdisch angelegte Werksbauten befinden. Es verwundert daher nicht, dass das Gelände mit dem Bus befahren werden musste.

Neben Informationen über die zum Teil recht eindrucksvollen Bauten streute Martin Guse immer wieder Details über Personen ein, die vor Ort arbeiten mussten. Hierbei handelte es sich um mehr als 11.000 im Krieg verschleppte Zwangsarbeiter, die vorwiegend aus Osteuropa kamen und aufs Schändlichste behandelt wurden. Mehr als 2000 von ihnen starben an Kälte, Unterernährung, den schrecklichen Arbeitsbedingungen oder durch Hinrichtung.

Selbst nach dem Tod wurden die sogenannten Ostarbeiter diskriminiert, denn ihre Beisetzung erfolgte auf einem eigens eingerichteten Friedhof. Noch heute kommen Anfragen aus dem Ausland, ob Familienmitglieder nahe dem Werksgelände bestattet sind. Während des Krieges produzierte das Werk mehrere hunderttausend Tonnen Pulver, das für die Herstellung von Munition unverzichtbar war. Nach dem Krieg wurde das Gelände als Munitionsfabrik und Atomwaffenlager genutzt. Erst 1994 zog der letzte Produzent von Kriegsmaterial ab.

Als zweiter Teil der Exkursion folgte gegen Mittag unter der Leitung von Martin Guse ein etwa 90-minütiges Seminar. Wahlweise konnten sich die Schülerinnen und Schüler mit Zwangsarbeiter-Biographien, Zeitzeugenberichten oder Karteikartenmaterial auseinandersetzen, um ihre Eindrücke, die sie in Liebenau gewonnen hatten, zu vertiefen.

Bei der Auswertung äußerten viele ihr Erstaunen über die Größe des Geländes, die Tarnung durch den Wald sowie die vielen Zwangsarbeiter, die dort gelebt haben. Besonders die Einzelschicksale beeindruckten. Ein Schüler meinte: „Ich fand es interessant, die einzelnen Geschichten der im Lager Verstorbenen zu hören und so zu begreifen, dass hinter dem Sterbedokument ein Mensch mit Freunden und Familie stand.“

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Erstellt:
7. Juli 2019, 10:12 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 11sec

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