Menschen gehen in einer Bahnstation zu einem Zug, um Kiew zu verlassen. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa

Menschen gehen in einer Bahnstation zu einem Zug, um Kiew zu verlassen. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa

Kiew/Moskau 24.02.2022 Von Deutsche Presse-Agentur

„Das ist ein Angriffskrieg“ - Menschen fliehen aus Kiew

Russland hat mit der Invasion in die Ukraine begonnen. Viele Menschen fliegen aus Angst vor einem noch größer angelegten Angriff aus der Hauptstadt.

Aus Angst vor einem noch größer angelegten russischen Angriff auf die Ukraine fliehen viele Menschen aus der Hauptstadt Kiew. Vor Bankautomaten bildeten sich lange Schlangen, wie ein Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur vor Ort berichtete. Fotos zeigten zudem lange Autokolonnen. Andere versuchten, mit Zügen aus der Millionenmetropole zu flüchten. Viele Menschen deckten sich mit Lebensmitteln und Trinkwasser ein. Befürchtet wird offenbar, dass die Versorgung im schlimmsten Fall zusammenbrechen könnte. Sorge vor humanitärer KriseAus Sicht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat die russische Militäraktion dramatische Folgen für die Bevölkerung vor Ort. „Es entsteht eine humanitäre Krise“, sagte OSZE-Generalsekretärin Helga Schmidin Wien. Ein Strom an Menschen werde fliehen, während es für die Verbleibenden keine funktionierende Grundversorgung geben werde, sagte die deutsche Diplomatin bei einer Sitzung von Parlamentariern aus den 57 OSZE-Staaten. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat sich ebenfalls tief besorgt gezeigt. „Die humanitären Folgen für die Zivilbewohner werden verheerend sein“, teilte UNHCR-Chef, Filippo Grandi mit, ohne den Einmarsch Russlands zu erwähnen. Die Organisation rief Nachbarländer auf, die Grenzen für Menschen, die Sicherheit und Schutz suchen, offen zu halten. Das UNHCR stehe in der Ukraine und Nachbarländern bereit zu helfen. Moskau: Luftabwehr der Ukraine unschädlich gemachtDie russischen Streitkräfte haben bei der Invasion in die Ukraine nach eigenen Angaben die Luftabwehr des Landes komplett unschädlich gemacht. Die Stützpunkte der ukrainischen Luftwaffe seien mit „präzisionsgelenkter Munition“ außer Betrieb gesetzt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die ukrainischen Soldaten hätten keinerlei Widerstand gegen das russische Militär geleistet, hieß es. Zugleich wies das Ministerium ukrainische Berichte über einen Abschuss von russischen Flugzeugen zurück. Das entspreche nicht den Tatsachen, hieß es. Das Ministerium teilte auch mit, dass es keine Luftschläge gegen ukrainische Städte gebe. „Der Zivilbevölkerung droht nichts.“ Russland griff nach eigener Darstellung außerdem Dutzende Stellungen des ukrainischen Militärs a. Es seien 74 Objekte der Bodeninfrastruktur „außer Gefecht“ gesetzt worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Darunter seien elf Flugplätze, drei Kommandoposten und ein Marinestützpunkt gewesen. Zudem seien 18 Radarstationen der Boden-Luft-Raketenabwehrsysteme S-300 und Buk-M1 zerstört worden. Nach Moskauer Angaben wurden auch mindestens ein Kampfhubschrauber und mehrere Kampfdrohnen abgeschossen. Diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Kreml: „Niemand spricht von Besetzung“Der Kreml hat Vorwürfe zurückgewiesen, das Nachbarland besetzen zu wollen. „Niemand spricht über eine Besetzung. Und in diesem Fall ist dieses Wort hier nicht anwendbar“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Wie lange russische Soldaten im Donbass bleiben, werde Präsident Wladimir Putin entscheiden. Auf die Frage, wie weit russische Truppen in der Ukraine vorrücken wollten, sagte Peskow: „Ich kann Ihnen keine Information zu militärischen, technischen und anderen Komponenten dieser Operation geben.“ Ziel sei eine „Demilitarisierung und Denazifizierung der Ukraine“, so der Kremlsprecher. „Das bedeutet die Neutralisierung des Militärpotenzials, das in letzter Zeit auch dank der energischen Aktivität des Auslands erheblich gewachsen ist.“ Putin: „Habe beschlossen, Sonder-Militäroperation durchzuführen“Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am frühen Morgen in einer Fernsehansprache den Beginn der Militäroperation gegen die Ukraine bekanntgegeben. Er berief sich dabei auf die gespannte Lage in der ostukrainischen Region Donbass. Die dortigen Separatistengebiete Luhansk und Donezk hatte er zu unabhängigen Staaten erklärt. „Ich habe beschlossen, eine Sonder-Militäroperation durchzuführen“, so Putin. „Ihr Ziel ist der Schutz der Menschen, die seit acht Jahren Misshandlung und Genozid ausgesetzt sind.“ Putin entsprach damit einer schriftlichen Bitte der Chefs der Volksrepubliken Luhansk und Donezk um Beistand, um Angriffe der ukrainischen Armee abzuwehren. Putin hatte zuvor ein militärisches Eingreifen schriftlich in Aussicht gestellt, sollte er gefragt werden. Damit stehen sich nun erstmals russische und ukrainische Soldaten in dem seit acht Jahren dauernden Konflikt gegenüber. Außenminister Kuleba: „Das ist ein Angriffskrieg“Ukrainischen Medienberichten zufolge sind unter anderem Munitionslager angegriffen worden. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba schrieb bei Twitter: „Putin hat gerade eine große Invasion der Ukraine gestartet. Friedliche ukrainische Städte werden attackiert. Das ist ein Angriffskrieg“, teilte der Minister am Donnerstag bei Twitter mit.

Autos stauen sich in Kiew, während die Menschen die Stadt verlassen. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa

Autos stauen sich in Kiew, während die Menschen die Stadt verlassen. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa

Die Wasserversorgung in Kiew ist unterbrochen. Einwohner warten darauf, in einem Geschäft Wasser zu kaufen. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa

Die Wasserversorgung in Kiew ist unterbrochen. Einwohner warten darauf, in einem Geschäft Wasser zu kaufen. Foto: Emilio Morenatti/AP/dpa

Menschen in Kiew haben ihre Sachen gepackt und wollen die Stadt so schnell wie möglich verlassen. Foto: Stringer/Sputnik/dpa

Menschen in Kiew haben ihre Sachen gepackt und wollen die Stadt so schnell wie möglich verlassen. Foto: Stringer/Sputnik/dpa

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24. Februar 2022, 15:18 Uhr
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