Dem Alltag wieder eine Struktur geben

Dem Alltag wieder eine Struktur geben

Dem Alltag wieder eine Struktur geben: Christine Kreide und Tamara Ritter. Hagebölling

Zunächst einmal bis Ende 2018 läuft ein Projekt, das sowohl die Menschen in der Lehmwandlung und im Nordertor als auch die Stadtteile selbst stärken soll. Besonders angesprochen sind sogenannte Langzeitarbeitslose ab 26 Jahren. Frauen und Männer, die – aus welchen Gründen auch immer – den Kontakt zum Arbeitsmarkt verloren oder ihn noch gar nicht gefunden haben. Mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sollen ihnen Wege aufgezeigt werden, ihrem Alltag wieder eine Struktur zu geben und möglicherweise sogar bisher noch nicht erkannte Stärken zutage zu fördern.

Angesiedelt ist das Projekt mit dem Namen KoMBI (Kompetenz, Mehrwert, Beteiligung und Integration im Quartier) im Fachdienst von [DATENBANK=2107]Christine Kreide[/DATENBANK]. Projektleiterin ist [DATENBANK=1591]Tamara Ritter[/DATENBANK]. Bei einem Treffen mit der HARKE am Sonntag erläutern beide, wie das funktionieren kann.

„Zusammen mit dem Betroffenen erforschen wir zunächst, wo seine Interessen und Stärken liegen und wie realistisch eventuell vorhandenen Berufswünsche sind“

Ein wesentlicher Bestandteil des Projektes ist ihren Angaben zufolge das Profiling. „Zusammen mit dem Betroffenen erforschen wir zunächst, wo seine Interessen und Stärken liegen und wie realistisch eventuell vorhandenen Berufswünsche sind“, so Tamara Ritter. „Das Ergebnis kann dann schon mal sein, dass sich die Vorstellung, ohne Schulabschluss Juristin werden zu können, in den Plan verwandelt, den Beruf der Anwaltsgehilfin zu erlernen. Natürlich nicht, ohne erst einmal seinen Schulabschluss nachzuholen“, so die Projektleiterin weiter.

Was beim Profiling aber auch auffällt: Über die eigenen Stärken und Interessen haben sich viele noch nie Gedanken gemacht.

Im nächsten Schritt wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit geboten, ihre Fähigkeiten zu testen. Noch gut erinnert sich Tamara Ritter an die Sitzgelegenheiten, die im Bereich der Neißestraße entstanden sind. Sie brachten den Handwerkern nicht nur das Lob der Anlieger ein, sondern verwandelten sich auch ziemlich bald zu einem Treffpunkt für die umliegenden Bewohner.

Jüngstes Kind des KoMBI-Projekts ist der Mitmachladen an der Verdener Landstraße. „Dort sind nur wir. Zum ersten Mal können wir uns entfalten, ohne uns mit anderen abstimmen zu müssen“, so die Projektleiterin. Der Mitmachladen hat aber noch einen Vorteil. Er verbindet die Projektgebiete Lehmwandlung und Nordertor.

Die KoMBI-Zentrale befindet sich zwar im [DATENBANK=3339]Sprotte[/DATENBANK]-Gebäude am Lehmwandlungsweg, das eine oder andere Angebot wird aber nur im Nordertor vorgehalten. Neben dem Mitmachladen gibt es dort noch das Stadtteilhaus unweit der [DATENBANK=831]Kirche St. Michael[/DATENBANK]. Dass der City-Bus direkt vor diesen beiden Gebäuden hält, ist zwar Zufall. Für Christine Kreide und Tamara Ritter aber beinahe so etwas wie Fügung.

Denn Mobilität ist ein weiteres Anliegen von KoMBI. Die Betroffenen lernen wieder, ihr unmittelbares Lebensumfeld zu verlassen und sich von der Lehmwandlung aus auf den Weg ins Nordertor zu machen. Und andersherum.

Möglich wird das allerdings auch nur, weil die Bürgerstiftung die Kosten für die Busfahrt übernimmt. „Für einen Empfänger von Arbeitslosengeld II wäre das sonst auf Dauer nicht möglich“, so die Projektleiterin.

Unterstützt wird KoMBI auch von der [DATENBANK=445]GBN[/DATENBANK]. „Sie bietet unseren Leute die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten als Gärtner auszuprobieren. Und ist auch nicht sauer, wenn der eine oder andere einmal nicht wie verabredet erscheint“, so Tamara Ritter augenzwinkernd.

Die Leserinnen und Leser der HARKE am Sonntag können – wenn sie mögen – in den nächsten Ausgaben noch mehr über das KoMBI-Projekt, seine Macher, seine Angebote und darüber, wie es bei den Teilnehmenden ankommt, erfahren.

Wer sich unabhängig davon schon einmal informieren möchte, kann das Projektteam im Sprotte am Lehmwandlungsweg telefonisch unter 0 50 21/99 29 287 oder per E-Mail unter der Adresse biwaq@nienburg.de erreichen.