Julia schneidet mit dem Winkelschleifer ein Bauteil für einen Grillrost. Foto: Landkreis Nienburg

Julia schneidet mit dem Winkelschleifer ein Bauteil für einen Grillrost. Foto: Landkreis Nienburg

Lemke 21.12.2019 Von Die Harke

„Dem Beruf ist dein Geschlecht egal“

Mädchen im Handwerk: Gleichstellungsbeauftragte diskutierte mit jungen Frauen über Anerkennung in vermeintlichen „Jungsberufen“

Dem Beruf ist dein Geschlecht egal – oder nicht? Petra Bauer, Gleichstellungsbeauftrage des Landkreises Nienburg, und Nina Guth, Sozialarbeiterin des pro aktiv centers des Landkreises Nienburg, sind dieser Frage in den vergangen Monaten zusammen mit fünf Teilnehmerinnen aus der Jugendwerkstatt Lemke nachgegangen.

In zwei Workshops diskutierten die Mitarbeiterinnen des Landkreises mit den jungen Frauen über die Anerkennung von Mädchen und Frauen in handwerklichen Berufen.

Schnell wurde deutlich, dass Mädchen und Frauen auch im Handwerk sowohl mit kritischen als auch mit sexistischen Äußerungen umgehen können müssen. Um den Umgang mit solchen Äußerungen zu trainieren, wurden aktiv Szenen ausprobiert, in denen die angehenden Auszubildenden übten, sich gegen sexistische Äußerungen zur Wehr zu setzen bzw. damit umzugehen.

„Was uns an den Teilnehmerinnen begeistert, ist, dass sie für sich keine Unterscheidungen in Frauen- und Männerberufe vornehmen. Sie zeigen Interesse an einem Berufsfeld und möchten sich darin ausbilden lassen. Sie haben sich bereits ein Stück von alten Rollenklischees gelöst und orientieren sich innerhalb der Berufswelt nach ihren Interessen und Fähigkeiten, so wie es der heutigen Zeit entspricht“, so Petra Bauer.

In der Jugendwerkstatt Lemke stehen den jungen Menschen zu beruflichen Orientierung drei fachpraktische Bereiche zur Verfügung: Soziale Dienstleistungen, Garten- und Landschaftsbau sowie eine Metallwerkstatt. Eine junge Frau sieht ihre Zukunft in der Ausbildung zur Kfz-Mechatronkerin, eine weitere will das Maler- und Lackiererhandwerk erlernen.

„Wir verfolgen innerhalb der Jugendberufshilfen des Landkreises Nienburg immer das Ziel, dass sich Frauen und Männer gleichberechtigt am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt bewegen. In manchen Bereichen müssen sich mutige junge Frauen nach vorn stellen und neue Wege gehen um anderen ein Vorbild zu sein“, erklärt Nina Guth als Ziel der Projekts „Frauen im Handwerk“.

Die Einrichtungsleitung, Marina Stolle, meint: „Ein erster Schritt kann es also sein, dass die Jugendwerkstatt junge Frauen für Handwerksberufe oder Ausbildungen im Garten- und Landschaftsbau begeistert und sie diese auch gleich vor Ort oder im Praktikum praktisch erproben können. Ebenso ist ein junger Mann, der seine Begeisterung für den hauswirtschaftlichen Bereich entdeckt, bei unseren fachpraktischen Anleiterinnen des Bereiches Soziale Dienstleistungen richtig aufgehoben.“

Die Geschlechterverhältnisse werden sich in den meisten Berufsgruppen nicht völlig auflösen, dennoch ergreifen zunehmend junge Frauen Berufe, die in den vergangenen Generationen vorwiegend männlich besetzt gewesen sind. Mit ihrem Projekt in der Jugendwerkstatt unterstützen und stärken Bauer und Guth die Teilnehmerinnen punktuell auf ihrem Weg hinein in einen handwerklichen Beruf.

„Als Gleichstellungsbeauftragte unterstütze ich, dass junge Menschen sich auch für Berufe im Handwerk interessieren“, so Bauer. „Wenn sie sich jedoch über traditionelle Klischees hinwegsetzen und ihre persönlichen Wünsche und Interessen in den Mittelpunkt ihrer Berufswahl stellen, müssen sie in einigen Berufsfeldern stark sein, um gegen Vorurteile, die aufgrund des Geschlechts immer noch vorhanden sind, anzugehen. Unser Projekt mit den jungen Frauen sollte dazu einen Beitrag leisten.“

Guth resümiert aus der Projektzeit in der Jugendwerkstatt: „Unsere Ausbildungsbetriebe können sich also künftig die Frage stellen, ob sie ihre Arbeitsstätten nicht vielfältiger gestalten und für alle Geschlechter öffnen möchten, sofern sie es nicht schon längst getan haben.“

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Erstellt:
21. Dezember 2019, 21:05 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 36sec

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