Dem Tod den Schrecken nehmen

Gela Hecking-Kühl entwirft Charatücher für Urnen oder Särge

Nienburg (eha). Weil sie aus eigener Erfahrung weiß, dass Angehörige einen Ort zum Trauern brauchen, wenn ein naher Angehöriger verstorben ist, hat Gela Hecking-Kühl das sogenannte Charatuch entwickelt. Zusammen mit der Nienburgerin Hilda Riechers-Kiseritzky betreibt die Diplom-Designerin seit ein paar Jahren den Kunsthof in der Triemerstraße. In den Räumen einer der ehemaligen Druckerei stehen neben Staffeleien unter anderem die Webstühle, an denen sie die Charatücher fertigt.

Das Charatuch ist für die Nienburgerin eine mögliche Antwort auf die immer mehr zunehmende Form der anonymen Bestattung. Nach der Trauerfeier und Beisetzung wird den Hinterbliebenen das Charatuch überreicht. Es bleibt den Hinterbliebenen die Möglichkeit, sich mit dem Charatuch selber eine Stätte der Erinnerung zu gestalten. Nicht auf dem Friedhof, sondern zu Hause, im privaten Bereich.

„Vielleicht findet sich ein Platz auf einer Kommode, der mit dem Charatuch und weiteren Andenken an den Verstorbenen geschmückt wird. Ein Foto kann aufgestellt werden, eine Kerze zu passenden Gelegenheiten entzündet werden“, so die Designerin.

Ihre Philosophie: „Meine vielfältigen Erfahrungen zu dem Thema Sterben und Tod haben eine Vision von einem besseren und offeneren Umgang mit dem Thema entstehen lassen. Erste deutliche Signale dafür, dass das machbar ist, haben sich mir bei der Ausstellung ‚Crazy Coffins‘ im Sepulkralmuseum in Kassel gezeigt. Mein Anliegen ist es, umweltverträgliche Produkte zu entwickeln, welche die Persönlichkeit eines Menschen widerspiegeln und einen Prozess in Gang setzen, der das Leben durch das bewusste Wahrnehmen der Endlichkeit bereichert.

Das Charatuch ist ein Beitrag zur Bewältigung der Trauer und zur Freundschaft mit dem Leben. Es kann in Momenten der Besinnung dazu beitragen, sich die Endlichkeit des Lebens zu vergegenwärtigen. Sich zu Lebzeiten ein Charatuch gestalten zu lassen oder sich ein Charatuch zu beschaffen, bedeutet, sich im Leben mit dem Tod zu beschäftigen und ihn somit weniger unwirklich zu machen.“

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Erstellt:
25. November 2012, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 58sec

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