Den Bundestagskandidaten auf den Zahn gefühlt

Den Bundestagskandidaten auf den Zahn gefühlt

Sie wollen alle nach Berlin: In drei Interview-Teilen stellen wir die Frauen und Männer der hiesigen Wahlkreise vor. Dabei geht‘s nur bedingt um Politik

Der 20. Deutsche Bundestag wird am Sonntag, 26. September, gewählt. In dem dreiteiligen Online-Format „Knallhart nachgeha(r)kt“ fühlt DIE-HARKE-Onlineredaktion den Bewerberinnen und Bewerbern um das Berlin-Mandat auf den Zahn.

In den beiden Wahlkreisen Nienburg II-Schaumburg kandidieren zehn Kandidatinnen und Kandidaten, im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I sind es derer acht. In dieser Serie geht es weniger um die (partei-)politischen Ziele, sondern vielmehr darum, den Wählerinnen und Wählern einen persönlichen Eindruck der Kandidatinnen und Kandidaten zu vermitteln.

Das kommt nicht bei allen gut an. So lesen sie im ersten Teil der Serie auch nicht Antworten von allen 18, sondern nur von 11 Bewerbern.

Aus dem Wahlkreis Diepholz-Nienburg I sind das:

Einzig Jürgen Abelmann (Die Linke) hat nicht geantwortet.

Aus dem Wahlkreis Nienburg II-Schaumburg haben den ersten Fragebogen beantwortet:

Lennart Jan Dahms (Die Linke), Sabine Hartung (Freie Wähler) und Thorsten Althaus (AfD) haben sich nicht zurückgemeldet.

Gemeldet haben sich die drei aktuellen Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Nienburg Maik Beermann (CDU), Marja-Liisa Völlers (SPD) und Katja Keul (Grüne) – sie verneinten ihre Teilnahme jedoch in einer gemeinsam unterzeichneten Erklärung.

In dieser Mail heißt es: „Wir BundestagskandidatInnen stehen zurzeit in einer harten politischen Auseinandersetzung um die großen Themen in unserem Land und vertreten hierzu durchaus unterschiedliche Positionen. Uns erreichen viele wichtige Fragen der Bürgerinnen und Bürger, die eine informierte Entscheidung treffen wollen und wir bemühen uns Rund um die Uhr diese Fragen auch zu beantworten. Wir möchten Sie daher bitten, zu überdenken, ob wir mit dem von Ihnen übersandten Fragenkatalog wirklich der Bedeutung der anstehenden Wahlentscheidung gerecht werden.“

Abgeordnete: Viele Menschen beklagten sich über inhaltsleeren Wahlkampf

Viele Menschen beklagten einen inhaltsleeren Wahlkampf und die Fokussierung auf Nebensächlichkeiten und diesen Unmut wollen die drei gewählten Volksvertreter nicht noch verstärken.

„Zumal jeder von uns zahlreiche spannende- auch lokale- Themen im Wahlkampf bearbeitet über die es sich zu berichten lohnt. Die Fragen sind auch leider nicht geeignet, uns als Personen besser kennen zu lernen, und einen Unterhaltungswert können wir auch nicht erkennen. Aus Respekt für die parlamentarischen Institution, der wir angehören und für die wir kandidieren möchten wir den Menschen in unserem Land sinnentleerte Wahlkampfaktionen ersparen und auf die Beantwortung dieser Fragen verzichten“, endet die von den drei Abgeordneten unterzeichnete Mail.

Kommentar des stellvertretenden HARKE-Chefredakteurs Sebastian Schwake

Diese Bundestagwahl ist richtungsweisend. Wer regiert Deutschland in den nächsten Jahren und wie und mit wem? Das sind spannende Fragen.

Selbstverständlich gibt es große politische Themen, um die es zu ringen und die es zu entscheiden gilt, weil Deutschland nicht nur wegen der Pandemie vor großen Aufgaben steht. Dazu braucht es einen starken Bundestag und harte politische Auseinandersetzungen.

Dass sich die drei heimischen Bundestagsabgeordneten aber einem Online-Format mit dem ironischen Titel „Knallhart nachgeha(r)kt“ verweigern, ist für mich nicht nachvollziehbar. Sie verschließen sich damit auch einem jüngeren Wählerkreis. Natürlich interessieren sich junge Leute auch für politische Inhalte.

Ihre parteipolitischen Ziele, sei es für den Landkreis Nienburg oder darüber hinaus, verbreiten sie in ihren wöchentlichen Pressemitteilungen. Wahlen sind aber immer auch Persönlichkeitswahlen. Das ist bei einer Bundestagswahl nicht anders. Ist mir die Bewerberin oder der Bewerber sympathisch oder sind sie es nicht? Worüber können sie herzhaft lachen und worüber nicht? Diese Chance, sich hier auch einmal von einer anderen, ja weniger politischen Seite zu zeigen, haben die drei Abgeordneten verpasst. Schade.

Aber sie und die anderen Kandidatinnen und Kandidaten, die sich, aus welchem Grund auch immer, nicht geäußert haben, haben ja in zwei weiteren Folgen noch die Möglichkeit, sich einem jüngeren (Online-)Publikum vorzustellen.

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Erstellt:
18. September 2021, 16:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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