Erinnerungen an die Heimat von Reber A. Privat

Erinnerungen an die Heimat von Reber A. Privat

Nienburg 21.07.2019 Von Die Harke

Den Kindern ein Jurastudium ermöglicht

CJD-Projekt „Willkommen in Nienburg“ / Heute: Reber A. aus dem Irak berichtet über sein neues Leben in Estorf

Mein Name ist Reber A.. Ich komme aus Sindschar/Irak. Ich bin 53 Jahre alt und wohne mit meiner Familie seit 30 Jahren in Estorf. Ich lebe mit meiner Frau und vier Kindern im Landkreis Nienburg. Drei Kinder von mir studieren Jura, der Jüngste macht momentan eine Ausbildung zum Elektriker. Meine Frau und ich sind in einer Firma in Uchte beschäftigt.

Wir sind vor etwa 33 Jahren nach Deutschland ausgewandert. Damals war es so, dass man ohne Probleme hier in Deutschland Asyl beantragen konnte. Natürlich mussten wir unsere Staatsangehörigkeit nachweisen. Knappe vier Monate nach unserem Antrag haben wir unseren Pass bekommen.

Unsere Kinder sind alle hier in Nienburg geboren. Diese hatten alle bis zum 16. Lebensjahr die türkische Staatsangehörigkeit. Danach durften sie den deutschen Pass beantragen und entscheiden, ob sie beide Staatsangehörigkeiten behalten oder sich für eine entscheiden. Alle Kinder haben nur die deutsche Staatsangehörigkeit behalten.

Verständlich, weil sie hier geboren sind. Wir mussten sie damals bei der Geburt in Deutschland in Syrien registrieren, weil wir selber zu diesem Zeitpunkt nicht eingebürgert waren. Mittlerweile haben wir Eltern auch die deutsche Staatsangehörigkeit.

Wir sind damals als Ehepaar nach Deutschland gekommen, weil unsere ganze Verwandtschaft das Dorf verließ. Die meisten sind auf Grund von religiöser Verfolgung geflüchtet.

Zwei Kinder von uns wohnen in Hannover und einer in Bielefeld. Alle drei sind dort wohnhaft, weil sie dort studieren. Am Wochenende kommen sie nach Hause. Um ehrlich zu sein bin ich sehr stolz auf meine Kinder. Manchmal gebe ich auch an und rede immer in der Runde, dass ich Kinder habe, die Jura studieren.

Allerdings haben sehr wenige aus meiner großen Familie Kinder, die sowas machen. Viele sind sogar ohne Schulausbildung. Mein Ziel war es, meinen Kindern ein Vorbild zu werden. Ich arbeite noch immer sehr hart, damit ich das Studium meiner Kinder unterstützen kann. Manchmal sagt meine Frau, dass ich weniger machen soll, aber ich höre nicht hin.

Sie selber kann auf Grund ihrer jetzigen Gesundheitsstörungen nicht mehr viel arbeiten. Dies macht aber nichts. Ich gehe dafür sehr viel arbeiten.

Meine Frau hat dann vor fünf Jahren angefangen, ihren Führerschein zu machen. Ich wollte nicht, dass sie von mir abhängig ist, weil ich immer unterwegs bin. So hat sie die Möglichkeit, einzukaufen und andere Sachen zu erledigen. Sie ist auch sehr viel ehrenamtlich tätig und unterstützt Migranten oder Flüchtlinge, die sich hier noch nicht gut auskennen oder auch kaum Deutsch sprechen können. Sie begleitet die zum Beispiel zu den Ärzten oder auch zu den Behörden. Übrigens heißt meine Frau Leyla. Sie ist 52 Jahre alt.

Wir haben uns sehr schnell eingelebt und fühlen uns immer sehr gut. Ich bin froh, dass ich heute hier bin. Ich glaube nicht, dass ich in der Heimat die Möglichkeit hätte, meinen Kindern eine schöne Zukunft zu schenken. Ich hätte dort niemals drei Universitätsausbildungen bezahlen können.

Bis zu meiner Rente möchte ich gerne noch arbeiten. Dann aber möchte ich gerne mit meiner Frau ein bisschen reisen, weil wir auf Grund ihrer Gesundheit momentan nicht viel machen können. Das hat aber bestimmt bald auch ein Ende.

Danke an das CJD, dass ich heute ein wenig über mich und meine Familie berichten durfte.

Und wie immer zum Abschluss der Hinweis: Das Begegnungscafe St. Martin findet am kommenden Dienstag ab 16 Uhr im Gemeindehaus am Kirchplatz in Nienburg statt. Alle sind herzlich dazu eingeladen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des CJD-Projekts „Willkommen in Nienburg“, das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert und von der HARKE am Sonntag begleitet wird.

Die kurdische Übersetzung des nebenstehenden Textes. DH

Die kurdische Übersetzung des nebenstehenden Textes. DH

Zum Artikel

Erstellt:
21. Juli 2019, 07:51 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.