05.01.2014

„Den Tagen mehr Leben geben“

Ehrenamtliche Hospizarbeit in der Region Hoya-Eystrup und Bruchhausen-Vilsen

Von Horst Achtermann

Hoya. „Dem Leben nicht mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben“, nach diesem Motto der britischen Ärztin Cicely Saunders, die 1967 die europäische Hospizbewegung ins Leben gerufen hat, handeln seit 2006 die Mitglieder des Hospizvereins „Dasein“ in Hoya. Ein gemeinnütziger Verein, der in der Region Hoya, Eystrup und Bruchhausen-Vilsen ehrenamtliche Hospizarbeit leistet. Vorbereitet wurde die Gründung von Anne Sophie Wasner, jetzige Bürgermeisterin in Hoya, Hassels Bürgermeister Günter Kesebom und Michael Albers aus Martfeld. Heute leitet der Hoyaer Rechtsanwalt Volker Köckritz den mittlerweile 75 Mitglieder zählenden Verein. Der Jahresbeitrag beträgt 30 Euro. „Unser Vorsitzender ist mit seinem juristischem Wissen und seiner ausgleichenden Art sehr wichtig“, bekennt Maria Schmoll (67), die Frau der Zahlen, im Hospizverein Dasein.

Nach einer umfassenden Ausbildung von 112 Stunden im Hospiz Horn in Bremen, sind mittlerweile elf Begleiterinnen und ein Begleiter rund um die Uhr zur Sterbebegleitung bereit. „An drei Wochenenden und einmal in der Woche abends wird nach dem ‚Celler Modell‘ unterrichtet“, erzählt Christel Neinhardt (68), ausgebildete Heilpraktikerin. Sie hat vor 20 Jahren ihre Hospiz-Ausbildung in Baden-Württemberg absolviert und ist nach siebenjähriger Pause im Jahr 2006 wieder in Hoya eingestiegen. Rita Grohmann (66) ist auch von Anfang an dabei. Sie „will den Schwerkranken ein hilfreiches Ohr sein“. Dazu musste sie – wie im übrigen allen anderen auch – Berührungsängste abbauen und lernen, sensible Gespräche zu führen.

Sich einfühlsam und mitfühlend auf einen anderen Menschen einzulassen, dazu müssen wir Fähigkeit und Bereitschaft zeigen, schildern Christel Neinhardt, Rita Grohmann und Karen Siepen (55) übereinstimmend. Alle sind als ehrenamtliche Koordinatoren im Verein tätig. „Unser Konzept heißt, zu Zweit eine Betreuung abwechselnd zu übernehmen.“ Maria Schmoll begründet das System mit mehr Zeit, mehr Belastbarkeit und mit der Möglichkeit, sich austauschen zu können. Zudem bliebe bei Krankheit einer Begleiterin die Kontinuität erhalten.

Die Begleiterinnen unterliegen der Schweigepflicht, sind unabhängig von Religion und Weltanschauung. „Wir sind konfessionsfrei, obwohl wir unser Büro im evangelischen Gemeindehaus der Martin-Luther-Kirche in der Von-Staffhorst-Straße 7 in Hoya haben“, sagt Christel Neinhardt. „Zu einem äußerst günstigen Mietpreis“, wie Maria Schmoll ergänzt. Der Verein hat Zugriff auf Küche, Räume für Begleitertreffen und den Saal für größere Veranstaltungen. Betreut werden die Altenheime in Hoya, Eystrup, Eitzendorf, Martfeld, Bruchhausen-Vilsen und natürlich auch private Familien.

Pflicht sind die Teilnahme an den Begleitersitzungen (alle vier Wochen) und an der Supervision (alle sechs Wochen bei Therapeutin Nora Römer in Magelsen).

„Fragen zur Begleitung sind an Christel Neinhardt und zum Verein an Maria Schmoll zu richten. Zu erreichen ist der Verein rund um die Uhr per Handy unter 0177/ 540 5929 oder im Internet www.hospizverein-hoya.de“, unterstreicht Edeltraut Güttler, im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Die Begleiterinnen vom Hospizverein wollen ‚Da-Sein‘, um Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt zu begleiten und deren Angehörige und Freunde im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu entlasten. „Wir hören zu und schweigen, wenn Schweigen gut tut“, ergänzt Rita Grohmann.

„Für unsere aufwendige ehrenamtliche Arbeit sind Spenden immer willkommen.“ Diesen Wunsch äußert Maria Schmoll zum Abschluss des Treffens mit der Harke am Sonntag.

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Erstellt:
5. Januar 2014, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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