Das derzeitige Überwachungsverfahren der Sonderabfalldeponie Münchehagen soll in ein Langfristmonitoring überführt werden. Foto: Reckleben-Meyer

Das derzeitige Überwachungsverfahren der Sonderabfalldeponie Münchehagen soll in ein Langfristmonitoring überführt werden. Foto: Reckleben-Meyer

Münchehagen 12.07.2021 Von Heidi Reckleben-Meyer, Von Die Harke

Deponie: Lücken in der Auswertung

Bewertungsgremium der SAD Münchehagen stellt die Ergebnisse der Überwachung 2019/20 vor und will Langfristmonitoring auf den Prüfstand nehmen

Wie entwickeln sich die Sonderabfalldeponie (SAD) in Münchehagen? Gibt es neue Hiobsbotschaften? Was wird genau überwacht, und können Aussagen darüber getroffen werden, ob ein Schadstoffaustrag auch lang- und mittelfristig auszuschließen ist? Werden irgendwann die Sicherungselemente verzichtbar sein? Antworten auf diese Fragen gab es jetzt im Rehburger Rathaus.

Die Ergebnisse der Überwachung der gesicherten Altlast Sonderabfalldeponie (SAD) Münchehagen im Monitoringzeitraum 2018/2019 stellte das Bewertungsgremium jetzt im Rathaus der Stadt Rehburg-Loccum den Vertragsparteien der Münchehagen-Sicherungsvereinbarung vor: Vertreterinnen und Vertretern der Anrainerkommunen, der Anwohnergemeinschaft sowie des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz.

Das Bewertungsgremium wurde 1999 aufgrund einer vertraglichen Vereinbarung eingerichtet. Es hat den Auftrag, die Leistungsfähigkeit des Monitoringsystems fortlaufend zu beurteilen und gegebenenfalls Maßnahmen zu dessen Weiterentwicklung zu empfehlen.

Weiterhin hat das Bewertungsgremium den Auftrag, die Wirksamkeit der 1999/2000 errichteten Sicherungselemente Dichtwand, Oberflächenabdichtung und Deponiegasfassung fortlaufend zu beobachten, zu bewerten, den Vertragsparteien darüber mindestens jährlich zu berichten und bei Bedarf Empfehlungen zur Erfordernis weitergehender Sicherungsmaßnahmen vorzulegen.

Die Überwachung der gesicherten Altlast besteht aus den Bausteinen hydraulisches und hydrochemisches Monitoring, Monitoring von Oberflächenwasser, Sedimenten, Deponieabluft sowie aus den Funktionskontrollen von Oberflächenabdichtung und Passiventgasung.

Das Gremium kommt zu folgenden Aussagen: Die aufgrund des letzten Statusberichtes abgegrenzten Beobachtungsschwerpunkte, in denen das Monitoring besonders detailliert durchgeführt wird, haben sich auch in diesem Jahr als wichtige Bereiche für die künftige Überwachung im Rahmen des Langfristmonitorings herausgestellt.

Die eigens hierfür verfeinerte Infrastruktur des Monitorings hat sich demnach bewährt. Die Sicherungselemente haben sich auch im Überwachungszeitraum 2019/2020 als tauglich erwiesen. Gestützt auf die durch die Überwachungsmessungen gewonnene breite Datenbasis ergeben sich folgende Schlussfolgerungen: ein Schadstoffaustrag aus der gesicherten Altlast ist weiterhin nicht erkennbar, eine Nachrüstung von Sicherungsmaßnahmen oder -bauwerken ist derzeit nicht erforderlich, wesentliche Veränderungen der Umweltsituation gegenüber den letzten Jahren sind im vorliegenden Berichtszeitraum nicht eingetreten.

„Und eine belastbare Prognose, dass ein umweltrelevanter Stoffaustrag auch mittel- und langfristig für die Zukunft mit Sicherheit auszuschließen sein wird, kann zurzeit wegen der sehr langfristigen Prozesse der Schadstoffverlagerung nicht gegeben werden. Damit ist es derzeit auch nicht möglich, eine endgültige Aussage über die Verzichtbarkeit weiterer Sicherungselemente zu treffen“, heißt es dazu in der Pressemitteilung.

Das Monitoringsystem wurde stufenweise weiterentwickelt. Die Überwachung der gesicherten Altlast SAD Münchehagen muss als „Ewigkeitsaufgabe“ angesehen werden. Gestützt auf die umfangreiche Datenlage und das schlüssige Systemverständnis empfahl und begründete das Bewertungsgremium in seinem Statusbericht 2018 die Weiterentwicklung des bisherigen Monitorings zu einem „Langfristmonitoring“.

Dafür war das Monitoring in drei näher definierten „Beobachtungsschwerpunkten“ zu fokussieren und weiter zu verdichten. Auf andere Teilbereiche des bisherigen Monitorings, deren Beitrag zum Erkenntnisgewinn sich erfahrungsgemäß als vernachlässigbar klein erwiesen hat, soll künftig verzichtet werden. Das Bewertungsgremium empfahl weiter, dieses Langfristmonitoring im Zeitraum von 2019 bis 2023 zunächst zu erproben und zu evaluieren, auf der Grundlage der so gesammelten Erfahrungen gegebenenfalls zu modifizieren und diese Version dann ab 2024 dauerhaft einzuführen.

Für die Evaluationsphase wurde vereinbart, dass bezüglich Beprobung und Auswertung in den beiden Monitoringzeiträumen 2019/20 und 2020/21 zu Vergleichszwecken das bisherige Monitoring zunächst noch weitergeführt wird und das Langfristmonitoring parallel dazu betrieben wird.

Diese vergleichende „Parallelauswertung“ soll eventuelle Erkenntnislücken aufzeigen. Ergeben sich keine Erkenntnis- oder Bewertungslücken, soll das Langfristmonitoring im Anschluss (also ab 2021/2022) bis zur nächsten Statusuntersuchung (2023) alleine durchgeführt werden.

Die Ergebnisse der Statusuntersuchung werden wiederum Grundlage für einen Statusbericht des Bewertungsgremiums (dann über den fünfjährigen Berichtszeitraum 2019 bis 2023) sein, in dem insbesondere auch die Tauglichkeit des Langfristmonitorings abschließend auf den Prüfstand genommen werden soll.

Zum Artikel

Erstellt:
12. Juli 2021, 19:33 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 49sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.