„Die Entscheidung ist uns wahrlich nicht leicht gefallen, aber das Wohl der Kinder steht für uns nach wie vor an erster Stelle“: Christian Wittenberg (links), stellvertretender Fraktionsvorsitzender von SPD und Bündnis 90/Die Grünen, und Matthias Hogrefe, Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat der Samtgemeinde Heemsen. Foto: Hagebölling

„Die Entscheidung ist uns wahrlich nicht leicht gefallen, aber das Wohl der Kinder steht für uns nach wie vor an erster Stelle“: Christian Wittenberg (links), stellvertretender Fraktionsvorsitzender von SPD und Bündnis 90/Die Grünen, und Matthias Hogrefe, Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat der Samtgemeinde Heemsen. Foto: Hagebölling

Heemsen 13.09.2020 Von Edda Hagebölling

„Der Bürgerentscheid geht uns alle an“

Fraktionssprecher Hogrefe und Wittenberg betonen: Das Wohl der Kinder muss an erster Stelle stehen

Matthias Hogrefe und Christian Wittenberg hoffen sehr, dass die große Mehrheit der rund 5000 Abstimmungsberechtigten am 4. Oktober mit „Nein“ stimmen. Die sind in der Samtgemeinde Heemsen aufgerufen, per Bürgerentscheid darüber abzustimmen, ob die Kinder aus Drakenburg auch künftig die Grundschule in Heemsen besuchen können oder ob die Grundschule Drakenburg zum Schuljahr 2021/22 wieder geöffnet werden muss.

Der Rat hatte im Frühjahr vergangenen Jahres mit großer Mehrheit beschlossen, die Grundschule in Drakenburg, deren Betrieb zu dem Zeitpunkt von rund 20 abgeordneten Lehrkräften aufrecht erhalten wurde, zu schließen, und bei der Grundschule Haßbergen abzuwarten, wie sich Vorgaben wie Inklusion und ähnliches auswirken werden.

Im Treffen mit der HARKE am Sonntag erläutern Hogrefe als Fraktionsvorsitzender der CDU im Samtgemeinderat und Wittenberg als stellvertretender Fraktionsvorsitzender von SPD und Bündnis 90/Die Grünen, warum sie nach wie vor überzeugt sind, dass das die richtige Entscheidung war.

Das A und O sind die Lehrkräfte


„Wir haben uns die Entscheidung wahrlich nicht leicht gemacht, zumal in den Jahren 2014 bis 2018 noch 240 000 Euro in die Sanierung der Grundschule Drakenburg geflossen sind“, so die beiden Fraktionsvorsitzenden. „Doch das A und O sind schließlich die Lehrer. Die Kinder brauchen feste Bezugspersonen“, so Christian Wittenberg. Und das sei bei bis zu 20 Abordnungen schwerlich möglich.

Zu bedenken gab der Grünen-Politiker außerdem, dass er nicht glaube, dass sich die 6000 Einwohner zählende Samtgemeinde Heemsen auf Dauer drei vernünftig ausgestattete Grundschulen leisten könne.

Dass man bei der Entscheidung, die Grundschule Drakenburg zu schließen, in erster Linie das Wohl der Kinder im Auge gehabt habe, unterstrich auch Matthias Hogrefe. Und die fänden nun einmal in der Grundschule Heemsen, die in die Räume der komplett sanierten ehemaligen Oberschule nahezu perfekte äußere Bedingungen vor.

Dass die personelle Situation in Heemsen momentan wenig befriedigend ist, räumten beide Fraktionssprecher ein. „Doch Schangerschaften sind ja irgendwann auch wieder vorbei“, so Wittenberg. Hinzu komme: Nach der Aussage der Interessengemeinschaft „Pro Grundschule“, wonach ihr drei Lehrkräfte bekannt seien, die gerne nach Drakenburg wechseln würden, hätte sich die Verwaltung der Samtgemeinde noch einmal bei der für die Samtgemeinde zuständigen Dezernentin bei der Landesschulbehörde nach dem aktuellen Stand erkundigt.

Mit dem Ergebnis: Die drei interessierten Lehrkräfte, von denen die Interessengemeinschaft permanent spreche, seien der Landesschulbehörde nicht bekannt. Um zu prüfen, ob diese Lehrkräfte zum Schuljahr 2021/2022 an die Grundschule Drakenburg versetzt werden könnten, wäre es vorteilhaft, wenn sie sich mit der Landesschulbehörde in Verbindung gesetzt hätten beziehungsweise in Verbindung setzen würden. So hätten die Wählerinnen und Wähler Gewissheit, ob die Möglichkeit einer Versetzung überhaupt realistisch ist.

Dörfer sind auch ohne Schule attraktiv

In einer gemeinsamen Stellungnahme von CDU, SPD und Grünen im Rat der Samtgemeinde Heemsen heißt es außerdem unter anderem:

Sollte die Grundschule Drakenburg zum nächsten Schuljahr wieder geöffnet werden, werden allein etwa 200000 Euro notwendig sein, um allein die völlig maroden Toiletten zu sanieren. Ein weiterer Ausgabepunkt ist die Mensa und die Einrichtung der Klassen, die wieder ausgestattet werden müssen.

Diese Gelder werden unter anderem bei der Realisierung von anderen kommunalen Projekten, wie dem Feuerwehrbedarfsplan fehlen. Eine private Initiative ist zwar löblich, ab bestimmten Summen muss die Samtgemeinde die Arbeiten aber öffentlich ausschreiben.

Zu einer ordentlichen Schule gehört auch ein Schulleitung. Diese Stelle war jedoch schon lange vor der Schließung vakant.

In puncto Schülerzahlen sind aus Drakenburg bisher folgende Zahlen: 2020: 21; 2021: 17; 2022: 18; 2023: 9; 2024: 14; 2025:12. Und weiter heißt es: Selbst wenn durch Zuzug noch weitere Kinder zu erwarten sind, so werden, wie in den vergangenen Jahren auch, einige Eltern ihre Kinder aufgrund der Entfernung und aufgrund der besseren Qualität ihre Kinder in Heemsen einschulen wollen.

Dann gäbe es spätestens ab 2023 Klassengrößen von zehn oder weniger Kindern. Das ist weder für die Kinder noch für die Lehrerversorgung von Vorteil.

Zum Thema „Kurze Beine, kurze Wege“ schreiben die Fraktionen: Die Kinder in Drakenburg, die den weitesten Schulweg nach Heemsen haben, legen 3,5 Kilometer zurück. Fahren sie mit dem Bus, wird die Fahrkarte wird von der Samtgemeinde bezahlt. Für die Anderter Kinder zum Beispiel ist die Entfernung erheblich größer, und selbst in Anderten ist Weg zur Bushaltestelle teils 400 Meter lang und mehr. Es gibt keinen Grund, warum die Drakenburger Kinder schlechter sein sollten, als Kinder anderer Dörfer in der Samtgemeinde.

Zur Aussage „Ohne Schule stirbt das Dorf“ heißt es: Anderten, Gadesbünden und Rohrsen hatten ebenfalls Grundschulen, die geschlossen wurden. Hier konnte keine negative Auswirkung auf die Kinder beobachtet werde, ganz im Gegenteil, durch das Aufwachsen der Kinder im Verbund mit Kindern aus anderen Ortschaften wird langfristig das viel zitierte Zusammenwachsen der Orte wesentlich unterstützt.

Weiter heißt es: Gadesbünden und Anderten sind gute Beispiele dafür, dass Neubaugebiete auch gefüllt werden können, ohne eine Schule direkt vor Ort anbieten zu können. Drakenburg ist sicherlich auch ohne Schule attraktiv, was die eigenen Neubaugebiete zeigen, denn diese sind entstanden, obwohl es schon lange ein Thema war, die Schule zu schließen.

Zum Vorwurf, die Schule Drakenburg wurde kaputtgespart, daher haben sich keine Lehrer mehr beworben, heißt es vonseiten der Fraktionen: Diese Aussage entbehrt jeglicher Grundlage. In der Schule Drakenburg wurde eine Ganztagsschule eingerichtet, es wurde eine Mensa eingerichtet, alles mit einem entsprechenden finanziellen Aufwand, weil die Schule gleiche Möglichkeiten erhalten sollte wie Haßbergen und Heemsen.

Trotzdem haben sich Lehrer wegbeworben, beziehungsweise haben auf eine Bewerbung verzichtet. Die Leiterstelle konnte gar nicht mehr besetzt werden. Als eine Schließung im Raum stand, wurde selbstverständlich auf Investitionen in die Toilettenanlage verzichtet, da nicht sicher war, wie das Gebäude weitergenutzt werden sollte. Sollte die Schule wiedereröffnet werden, müssen die jetzigen Nutzer wieder weichen, das heißt: die Kleiderkammer müsste neu untergebracht werden, die Außenstelle des Jugendtreffs würde ersatzlos wegfallen.

Schuldebatte hat viel Unruhe gebracht


Abschließend betonen Matthias Hogrefe und Christian Wittenberg: „Wir hoffen sehr, dass sich am 4. Oktober möglichst viele Abstimmungsberechtigte auf den Weg in eines der sechs Abstimmungslokale machen. Ein Bürgerentscheid ist ein hohes demokratisches Gut. Hinzu kommt: Die Frage, wieviel Grundschulen die Samtgemeinde Heemsen künftig haben wird, geht uns alle an, auch die Bürgerinnen und Bürger in Rohrsen, Heemsen, Gadesbünden, Anderten und Lichtenmoor.“

Dass der Abstimmungstermin näher rückt, wird von beiden ausdrücklicht begrüßt. „Die Schuldebatte hat viel Unruhe in die Samtgemeinde gebracht. Damit wieder Ruhe einkehrt, brauchen wir allerdings ein möglichst aussagekräftiges Ergebnis, das von allen akzeptiert werden kann.“

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Erstellt:
13. September 2020, 08:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 22sec

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