Edda Hagebölling Archiv

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Nienburg 25.03.2017 Von Edda Hagebölling

Der Geist von Andalusien

„Die Bahn will die Stromleitung von Hannover nach Rotenburg ertüchtigen.“ Zumindest bei denen, die diese Leitung ständig vor Augen haben, schrillten sämtliche Alarmglocken. „Ertüchtigen“. Was für ein merkwürdiger Begriff. Eher verniedlichend soll auf diese Weise in der Regel angekündigt werden, dass etwas verstärkt wird. Windräder zum Beispiel. Oder eben Stromleitungen.

Man könnte annehmen, dass es sich bei „ertüchtigen“ um eine Wortschöpfung der Energiekonzerne handelt. Die wiederum bezeichnen sich ja längst selbst lieber als Energieversorger. Ähnlich die Krankenkassen. Sie nennen sich mittlerweile Gesundheitskassen. Positiv denken, ist vermutlich die Devise.

Doch zurück zur Bahn. Ein Anruf im Rathaus in Rohrsen brachte Klarheit. Die Bahn wolle die Leitung lediglich sanieren, habe man auf Nachfrage erfahren. An eine Aufstockung sei nicht gedacht.

„Ob man die Leitung bei der Gelegenheit nicht wenigstens um die Wohnbebauung herumführen oder gar unter die Erde legen könne“, wollte ich Verwaltung dieser kleinen Samtgemeinde irgendwo in Niedersachsen wissen. „Keine Chance“, so die Antwort der Bahn. Dafür sei kein Geld da.

„Hier würde ich ja nie bauen. Hier gibt‘s ja nur Stromleitungen.“

Nur zu gut erinnere ich mich an eine Begegnung, die schon ein paar Jahre zurückliegt. Ich war zufällig vor Ort, als es darum ging, den vom Windrad in Rohrsen erzeugten Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen. Ob die Bemerkung des damit betrauten Fachmanns auch gefallen wäre, wenn er gewusst hätte, dass ich „von der Zeitung“ bin?

Doch es gibt natürlich auch ganz viel Positives zu berichten an diesem letzten Wochenende im März.

Anfang der Woche hat das Frühjahr begonnen. Ab heute ist es abends eine Stunde länger hell. Die leuchtend gelben Hornveilchen sind längst gepflanzt. Natürlich unter Verwendung torffreier Blumenerde. Die Forsythien fangen an zu blühen.

Blutjohannisbeere und Felsenbirne auch. Wie schön. Der Winterschlaf ist endgültig zu Ende.

Auch bei uns Zweibeinern. Laufschuhe und Walkingstöcke sind längst im Einsatz. Und auch die 40 Teilnehmer zählende „Walkinggruppe Illguth“ ist wieder wohlbehalten und gut erholt aus Andalusien zurückgekehrt.

Und wieder hatte man Sachen gemacht, auf die man zuhause nie käme.

Die erste Sporteinheit mit Blick auf den Atlantik fand morgens um 8 – und damit quasi noch vor dem Wachwerden – statt. Flottes Walken war jeden Tag um 11 angesetzt. Mal in die eine, mal in die andere Richtung. Aber immer am Strand entlang. Natürlich mit Einkehrmöglichkeit. Ne „kleine Clara“ musste schon sein. Mal gucken, wie lange der Geist von Andalusien nachwirkt ;-)

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Erstellt:
25. März 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 16sec

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