Dr. med. Dr. dent. Stefan Hartwig (37), Facharzt für Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie am
Universitätsklinikum Minden, untersucht in einer medizinischen Studie die Atemluft um Krebszellen
zu detektieren. Das Forschungsvorhaben wird in Kooperation mit der Charité in Berlin und dem Cebitec in Bielefeld durchgeführt. Mühlenkreiskliniken

Dr. med. Dr. dent. Stefan Hartwig (37), Facharzt für Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Minden, untersucht in einer medizinischen Studie die Atemluft um Krebszellen zu detektieren. Das Forschungsvorhaben wird in Kooperation mit der Charité in Berlin und dem Cebitec in Bielefeld durchgeführt. Mühlenkreiskliniken

Minden 18.02.2019 Von Die Harke

Der Geruch von Krebs

Mindener Wissenschaftler plant Forschungsprojekt zur Früherkennung von Krebs mittels Atemtest

Durch einen einfachen Atemtest Krebs erkennen – das ist die Vision von Dr. Dr. Stefan Hartwig (37). Der Mediziner und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Minden will diesen Traum wahr werden lassen. Dass Krebszellen über den Atem nachweisbar sind, hat er in einem Projekt an der Charité in Berlin nachgewiesen. Jetzt will er am Johannes-Wesling-Klinikum (JWK) Einzelheiten über den Geruch von Krebs herausfinden. „Wir sprechen von Grundlagenforschung. Von einem in der Praxis anwendbaren Test sind wir noch weit entfernt. Aber ich bin mir sicher, dass es in der Zukunft einen Atemtest geben kann, mit dem man einfach, zuverlässig und ohne Nebenwirkungen Krebszellen im Körper nachweisen kann“, sagt Hartwig. Doch wie kommt der Mediziner auf die Idee, Krebs über die Atemluft nachzuweisen? Ganz einfach: durch die Beobachtung der Natur.

„Wir wissen, dass verschiedene Krankheiten durch bestimmte Gerüche auffallen. Bekannt ist das Phänomen beispielsweise bei einem Zuckerkranken kurz vor einem diabetischen Koma. Schon im Erste-Hilfe-Kurs lernt man, dass ein säuerlicher Atem darauf hinweist. Auch Krebszellen haben einen eigenen Stoffwechsel. Die ins Blut abgegebenen Abbaustoffe dieses Stoffwechsels werden über die Luft in geringen Mengen abgeatmet.

Die kann man nachweisen. Wir wollen verstehen, welche Stoffe in welchem Entwicklungsstadium des Krebses über die Luft abgeatmet werden“, erklärt Hartwig.

In der Pilotstudie an der Charité in Berlin, an der er bis vor einem Jahr gearbeitet hat, haben die Wissenschaftler bei Krebspatienten acht Geruchsmoleküle nachgewiesen, die sich auf Krebszellen zurückführen ließen.

„Insgesamt haben wir etwa 2000 flüchtige Organische Verbindungen, sogenannte VOCs, in der Atemluft. Wir haben bei zehn Patienten mit Mundhöhlenkrebs vor und nach der Operation Atemtests gemacht. Wir konnten bei allen zehn Patienten acht verschiedene VOCs feststellen, die beim Vorher-Test in der Atemluft nachweisbar waren und beim Nachher-Test nicht oder nur in sehr, sehr geringen Konzentrationen. Wir gehen davon aus, dass genau diese VOCs die Abbauprodukte der Stoffwechsels der Krebszellen bei Mundhöhlenkrebs sind“, berichtet Dr. Dr. Hartwig.

Noch wissen die Wissenschaftler aber zu wenig über diese spezifischen VOCs und deren Zustandekommen. Auch ist keinesfalls ausgeschlossen, dass es weitere VOCs gibt, die auf andere Entwicklungsstände der Tumore hindeuten. „Wir brauchen Daten von mehr Patienten und wir müssen verstehen, wie der Stoffwechsel der Krebszellen genau funktioniert. Daher planen wir nun die zweite Studie am Johannes-Wesling-Klinikum“, sagt Hartwig.

Neben dem Wissenschaftler aus der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des JWK arbeiten weitere Mediziner an dem Forschungsvorhaben. In der zweiten Stufe sollen neben Atemtests vor und nach Krebsoperationen Tumore untersucht werden. Was noch fehlt, ist die Finanzierung. Schätzungsweise 100.000 Euro wird die Studie kosten. Bis es einen einzigen Atemtest für alle Krebsarten gibt, werde es noch Jahrzehnte dauern.

Doch Hartwig hofft: „In einigen Jahren könnte es einen Atemtest für Mundhöhlenkrebs geben. Dann könnten wir Gefahrengruppen wie starke Raucher oder ehemalige Patienten mit Mundhöhlenkrebs standardmäßig mit einem schmerzfreien und nebenwirkungsfreien Verfahren auf einen Rückfall testen“, berichtet Hartwig.

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Erstellt:
18. Februar 2019, 09:00 Uhr
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