16.06.2013

„Der Kunde hat‘s kaum gemerkt“

Auch BAWN-Chef Dieckmann steckt der Schreck nach dem Brand noch in den Gliedern

Von Edda Hagebölling

Nienburg. Die Öffentlichkeit ist längst wieder zur Tagesordnung übergegangen, über den Großbrand auf dem Gelände des Entsorgungszentrums Nienburg (EZN) in der „Krähe“ vom vergangenen Wochenende wird kaum noch gesprochen. Den Mitarbeitern des EZN steckt der Schreck jedoch noch in den Knochen. Sie haben zurzeit alle Hände voll damit zu tun, die Spuren des Feuers zu beseitigen. Und den Betrieb aufrecht zu erhalten. Mit Erfolg. Der Kunde hat von dem Brand so gut wie gar nichts mitbekommen. Die Tonnen wurden wie gewohnt geleert. „Wäre es nach mir gegangen, hätten wir die Bürger um Verständnis dafür gebeten, dass die Tonnen zumindest am Montag, dem ersten Tag nach dem Brand-Wochenende, nicht geleert werden können“, so Frido Dieckmann, Chef des Betriebes Abfallwirtschaft Nienburg (BAWN). Er hätte den Mitarbeitern, die das ganze Wochenende über im Einsatz waren, die Feuerwehr unterstützen und zum Teil auch die Brandwache übernommen hatten, gerne eine kleine Verschnaufpause gegönnt. Doch das sahen die Mitarbeiter um Heiko Lehner, Jürgen Sievers und Fritz Meyer ganz anders. Zusammen mit ihrem Chef telefonierten sie so lange mit den EZN-Vertragspartnern, bis klar war, wo die „frischen“ Abfälle gelagert werden können.

Das EZN kommt dafür bis auf weiteres nicht in Frage. Dort muss erst einmal geklärt werden, was aus dem Brandgut wird. Die komplett abgebrannte 100 Meter lange und 30 Meter tiefe Halle diente als Zwischenlager für Wertstoffe, Sperrmüll, Biomüll und Altpapier.

Das Altpapier wird vorerst direkt zu Smurfit Kappa und zur WWG nach Hoya gebracht, zum Teil aber auch auf dem Gelände der Firma Mercedes umgeschlagen. Der Sperrmüll wird bei der RWG Leese zwischengelagert, der Biomüll wird direkt zur Kompostierungsanlage nach Bassum gefahren.

Tag für Tag fallen in der „Krähe“ rund 25 Tonnen Wertstoffe, 40 Tonnen Restmüll, 18 Tonnen Sperrmüll, 55 Tonnen Bioabfall, 22 Tonnen Bauabfälle und 33 Tonnen Grünabfälle an. Im Normalfall werden die Abfälle täglich von den jeweiligen Vertragspartnern abgefahren.

Die Brandermittler gehen davon aus, dass sich die Wertstoffe selbst entzündet haben. Dank der Kameras, die auf dem Gelände des EZN installiert sind, konnte die Entwicklung des Feuers genau nachvollzogen werden. Und auch die Mitarbeiter des Entsorgungszentrums erkannten sofort, dass sie gegen die rasend schnell um sich greifenden Flammen nichts ausrichten konnten. Sie alarmierten umgehend die Feuerwehr und brachten gleich im Anschluss trotz der sengenden Hitze die Fahrzeuge in Sicherheit, die ebenfalls in der Halle abgestellt waren.

Absolute Anerkennung zollte Dieckmann in diesem Zusammenhang auch Helmut Schäfer und seinen Fahrerkollegen. Während des Feuerwehreinsatzes hatten diese mit ihren Radladern und dem Baggereinsatz immer wieder brennenden Müll aus der Halle herausgeholt und damit die Löscharbeiten wesentlich erleichtert.

„Dadurch, dass das Feuer während der Arbeitszeit ausgebrochen ist und nicht am Wochenende oder nachts hatten wir im Grunde noch Glück im Unglück“, so Frido Dieckmann. Für ihn steht aber bereits fest, dass unbedingt über ein Brandschutzkonzept für das EZN nachgedacht werden muss.

Und er nutzt das Treffen mit der HamS, um auf ein weiteres Problem aufmerksam zu machen: Nach Angaben des BAWN-Chefs kommt es immer wieder vor, dass aus den Müllfahrzeugen Rauch aufsteigt, weil die Mülltonnen Holzkohle- oder Aschereste enthielten, die noch nicht komplett abgekühlt waren. „Für diesen Fall sind die Müllwerker angewiesen, ihre Ladung sofort abzukippen und die Feuerwehr zu alarmieren“, so Dieckmann. Zum einen, um den Fahrer nicht zu gefährden, zum anderen aber auch, weil ein Müllfahrzeug mit rund 250 000 Euro zu Buche schlägt.

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Erstellt:
16. Juni 2013, 00:00 Uhr
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