Der Kuttrolf - ein Scherzglas

Der Kuttrolf - ein Scherzglas

Großer Kuttrolf, olivgrünes Waldglas, norddeutsch, Hütte unbekannt, Anfang 19. Jahrhundert. Foto: Museum nienburg

Vor wenigen Tagen haben viele den Jahreswechsel mit einer mehr oder weniger fröhlichen Silvesterparty gefeiert. Vor rund 200 Jahren war es sehr beliebt, die Partygäste mit Trinkspielen bei Tisch zu unterhalten. Dazu gehörten auch besonders geformte Trinkgefäße wie dieser so genannte „Große Kuttrolf“.

Der vierkantige Gefäßkörper mit mittig konvex eingezogener Wandung hat durch eine spezielle Herstellungstechnik eine mittlere und vier äußeren Röhren, über die sich das darin enthaltene Getränk ausgießen lässt. Die Handhabung dieses Scherzgefäßes erfordert Geschicklichkeit.

Kleckereien lassen sich nur mit viel Vorsicht und Übung vermeiden. Außerdem wird beim Ausschenken der Flüssigkeit ein gluckerndes, gurgelndes Geräusch erzeugt, das für zusätzliche Erheiterung an der Tafel gesorgt haben dürfte.

Die Bezeichnung Kuttrolf, auch Guttrolf, lässt sich zurückführen auf das lateinische Wort „gutta“ für Tropfen, weil es eben schwierig war, das Gefäß zu entleeren. Man findet diese Flaschen vor allem in Deutschland. Das Verbreitungsgebiet war das Mittel- und Oberrheingebiet, aber auch Norddeutschland.

Die Flasche, die als Objekt des Monats Januar 2020 im Museum Nienburg ausgestellt wird, ist aus olivgrünem Waldglas hergestellt, ein durch Eisenoxide grünlich gefärbtes Glas, das vom Hochmittelalter bis zur frühen Neuzeit nördlich der Alpen in Waldglashütten hergestellt wurde.

Die Waldglasherstellung fand mit dem Ansteigen der Holzpreise im 19. Jahrhundert ihr Ende. Grund dafür war der Rückgang an Waldflächen und der dadurch entstandene Mangel an Brennmaterial zum Betreiben der Schmelzöfen. In dieser Zeit endete auch die Verwendung des Kuttrolfs als Scherzgefäß bei feuchtfröhlichen Trinkgelagen.

Der Kuttrolf wird ab 7. Januar im Schaumagazin im Fresenhof gezeigt.