David Sarkar DH

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Kolumne 14.01.2018 Von David Sarkar

Der Mann ohne Smartphone

Eine Sitzecke in der Berliner S-Bahn, in der ich neulich mal wieder saß, weil ich zu Besuch in der Hauptstadt war. Laut scheppernd schob sich das gelbe Gefährt durch die Dunkelheit in Richtung Messe ICC. Vor mir saß ein etwa 40-jähriger Mann. Er wurde nervös, seine Hände wanderten durch seine Jackentaschen. Dann atmete er erleichtert

auf und holte sein Handy heraus. Es war ein Handy mit Tasten. Ohne WLAN. Ohne Touch-Funktion. „Puh, da haben Sie aber nochmal Glück gehabt!“, sagte ich. Er lächelte mich an. „Ja, das Ding ist mir heute schon drei mal aus der Tasche gefallen“, antwortete er. Das sei aber noch ein altes Gerät“, bemerkte ich. Er wolle kein Smartphone, sagte er mir. „Ich gucke mir das Leben lieber in Echt an“, erzählte er. Er bewegte seine Finger in Richtung seiner Augen.

Die Leute in der Bahn würden doch gar nichts mehr von ihrer Welt mitbekommen. Alle seien isoliert. Das würde ihn traurig machen. Wir redeten über Facebook, über das digitale Leben. Alles werde immer oberflächlicher. Da waren wir uns einig.

Dass man Menschen bei Facebook blocken könne, erzählte ich ihm. „Das finde ich schlimm. Auf der anderen Seite sitzt doch ein Mensch, den kann ich doch nicht ausradieren“, antwortete er.

Die Berliner würden Begegnungen wie diese nicht mehr zulassen –„So etwas passiert mir nur mit Touristen.“ Dann stieg er aus. Sein letzter Satz: „Wahrscheinlich werden wir uns nie wiedersehen, aber ich bin mir sicher, dass wir einander etwas mitgegeben haben“. Im

Leben ohne Off-Schalter. Im Leben ohne Blockfunktion.

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Erstellt:
14. Januar 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 49sec

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