Der Nienburger Schloßplatz im Wandel der Zeit

Der Nienburger Schloßplatz im Wandel der Zeit

Der Nienburger Schloßplatz im Jahr 1971. Foto: Archiv

Wohl jeder Bewohner des Landkreises Nienburg kann mit dem Begriff „Schloßplatz“ etwas anfangen. Jahrmarkt, Parkhaus, Fahrgeschäfte-Standort beim Altstadtfest, Media Markt: all das wird mit dem Platz am Rande von Nienburgs Altstadt verbunden.

Dass der Schloßplatz vor dem Bau des Elektrofachmarktes einmal ganzflächig als Parkplatz und Busbahnhof diente, wissen auch noch viele – ebenso, dass die Namensgebung ganz offensichtlich irgendetwas mit dem ehemals in Nienburg beheimateten Schloss zu tun haben muss.

Die genauen Eckdaten geraten aber oftmals in Vergessenheit, daher wollen wir im sechsten „Historischen Freitag“ die Geschichte des Nienburger Schloßplatzes ergründen und haben uns auf die Suche nach seinen adeligen Ursprüngen begeben.

Adelige Anfänge und militärische Nutzung

Schloss Nienburg wurde im 16. Jahrhundert von den Grafen von Hoya zunächst als Wasserburg erbaut. Nach dem Tod des letzten Grafen von Hoya, Otto VIII., im Jahr 1582 fiel die Grafschaft samt Nienburger Schloss an den welfischen Herzog Wilhelm der Jüngere. Da dieser jedoch in Celle residierte, setzte er in Nienburg einen Drost zur Verwaltung ein.

Auf einem Plan von Johann Hamelmann aus dem Jahr 1634 ist der heutige Schloßplatz als Wasserfläche erkennbar, in deren Mitte das zum repräsentativen Schloss ausgebaute Gebäude thront. Laut Abbildungen aus dem 17. Jahrhundert war das Schloss Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung Nienburgs und bestand aus einem Haupt- sowie mehreren Nebengebäuden, die von einer gemeinsamen Mauer umgeben waren.

Während des Dreißigjährigen Krieges erlitten auch die Gebäude des Schlosses Beschädigungen, sodass nach Kriegsende 1648 einzig der Stockturm erhalten geblieben ist, der bis heute an das Nienburger Schloss erinnert. Auf dem durch den Abriss frei gewordenen Gelände entstanden anschließend Militärgebäude der Festung Nienburg und der Schloßplatz, der bis 1860 als Exerzierplatz genutzt wurde. Von der einstigen großen Wasserfläche waren nur noch zwei Kuhlen im Süden des Schloßplatzes übrig geblieben. Stein- und Schlossbaracken, die im 17. und 18. Jahrhundert auf dem Platz standen, wurden Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen.

1824 wurde unter Stadtbaumeister Emanuel Bruno Quaet-Faslem im Nordteil ein Gebäude errichtet, das die Bürger-/Volksschule beheimatete. Unter dem Namen Schloßplatzschule zog diese 1908 in ein neues Backsteingebäude im Westen des Platzes und wurde 1925 offiziell in Friedrich-Ebert-Schule umbenannt. Der prominente Quaet-Faslem-Bau nahm in der Folge die Haushaltungsschule, das Eichamt und das Arbeitsamt auf, bevor er 1945 eigenen Fliegerbomben zum Opfer fiel und zerstört wurde.

Umstrukturierungen im 20. Jahrhundert

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Schloßplatz hauptsächlich für Jahrmärkte, Aufmärsche aller Art und sportliche Betätigung genutzt. Große Linden säumten den Platz, als Zuschauer dort unter anderem die Anfänge des 1911 als SC und später ATSV gegründeten ASC Nienburg verfolgten. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Bäume weichen, um Platz für einen Lehmbauhof, Parkflächen und die Möglichkeit eines neuen Omnibusbahnhofes zu schaffen.

In den 1960er-Jahren bestimmten der Spiel- und Sportplatz der Friedrich-Ebert-Schule, die damalige Baugewerkschule (später Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen), der Autoparkplatz und der Busbahnhof samt Wartehalle das Bild des Schloßplatzes. Zwei Jahrzehnte später stand im Rahmen der Altstadtsanierung die Neugestaltung des Schloßplatzes an – Lösungsvorschläge hierzu wurden in einem städtebaulichen Wettbewerb 1989/90 gesammelt.

Architekt Dietrich Klose aus Hildesheim, der bereits als Planer des Nienburger Kreishauses tätig gewesen war, legte beispielsweise einen Entwurf mit einer abgesenkten Parkfläche für 200 Autos, einem Bushalteplatz, einer Verbindungsplattform mit Pavillon, Spielgeräten und Parkbänken sowie einem Arkadengang für Fußgänger vor. Generell umfassten die Vorstellungen des Planungsausschusses und der Teilnehmenden den Erhalt der nicht umsetzbaren Bäume, die Weiternutzung als (eventuell reduzierte) Parkfläche und die Option als Austragungsort für Jahrmärkte.

Insgesamt wurde dem Schloßplatz die Funktion eines Stadtplatzes zugeschrieben, der grundsätzlich von Bebauung freizuhalten sei. Nach dem Rückzug des Büros Klose und Partner aufgrund von Arbeitsüberlastungen im Hildesheimer Bereich wurden fünf Architekturbüros mit Planungen beauftragt.

Obwohl der Entwurf des Büros Lampmann aus Nienburg im Jahr 1990 überzeugte, konnten die Pläne durch in die Höhe schnellende Sanierungskosten schlussendlich jedoch nicht realisiert werden.

Lösung für das städtebauliche Problem

Die Lösung des städtebaulichen Problems brachte 2002 die Anfrage eines Investors zur Ansiedlung eines Fachmarktes auf dem Schloßplatz. Seit 2004 befindet sich auf dem südlichen Teil ein Gebäude, das der Media Markt langfristig gepachtet hat, und ein angrenzendes Parkhaus mit 260 Stellplätzen.

Die Parkfläche vor dem Gebäude bietet noch einmal 120 Plätze und wird daneben auch zeitweise, ganz wie in alten Tagen, für Veranstaltungen und Märkte genutzt. Noch immer erinnert der Stockturm als eines der letzten Überbleibsel an die royalen Kapitel der Nienburger Geschichte.