21.04.2013

„Der Radfahrer möchte selbst entscheiden“

Weserradweg-Kenner Vahlsing: Bei der Zertifizierung sollten mindestens vier Sterne angestrebt werden

Von Edda Hagebölling

Nienburg. Gerade in letzter Zeit ist viel zu lesen über den knapp 500 Kilometer langen Weserradweg von Hann. Münden bis Bremerhaven. Lange Zeit galt er als die Nummer 1 unter den Fernradwegen in Deutschland. Doch sein Glanz droht zu verblassen. Die Besucherzahlen sinken, die Kritik an der Qualität der Wege und der Streckenführung nimmt zu. Um den Abwärtstrend zu stoppen, will man, wie berichtet, auch im Landkreis Nienburg eine Qualitätsoffensive starten. Geplant sind Verbesserungsmaßnahmen, die inklusive Planung rund 630 000 Euro kosten. Die Hälfte davon – 315 000 Euro – hat das Land als Förderung bewilligt. Die Verbesserungen sollen noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Einer, der den Weserradweg – zumindest zwischen Stolzenau und Hoya – kennt wie seine Westentasche, ist Berthold Vahlsing, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) im Landkreis Nienburg. Das Treffen mit ihm fand am Montag am Nienburger Hafen statt. Aus gutem Grund. Höchst erfreut hat Vahlsing registriert, dass man in Nienburg bereits reagiert und die Beschilderung geändert hat. Der Weserradweg führt – aus südlicher Richtung kommend – ab sofort nicht mehr durch die Lange Straße und über die Film-Eck-Kreuzung, sondern biegt gleich hinter dem „Weserschlößchen“ auf den Weserwall ein. Damit sind gleich zwei wesentliche Forderungen erfüllt. Zum einen die aus der Qualitätsoffensive des Landkreises („Das Thema eines Flussradweges ist der Fluss“), aber auch die des ADFC.

Vahlsing und seine Mitstreiter hatten gerade in den letzten Wochen massiv gefordert, den Radweg von der gefährlichen Kreuzung zu nehmen und stattdessen endlich über die neue Rampe unter der Weserbrücke zu führen.

Der Radler kann damit jetzt – zumindest im Bereich der Stadt Nienburg – so nah an der Weser entlang fahren, wie sonst nur selten. Doch es gibt nach wie vor genügend Schwachstellen. Eine beispielsweise gleich am Nienburger Hafen, wo der Weg wegen der Baumwurzeln immer unebener wird und an einer Stelle sogar eine gefährliche Steigung aufweist. Oder in der Drakenburger Marsch, wo der Radfahrer auf unebenen Panzerplatten bzw. auf grobem Kopfsteinpflaster entlang rumpelt. Letzteres soll allerdings in Kürze abgestellt werden. Als wenig glücklich empfindet Vahlsing außerdem, dass der Radler – aus Richtung Nienburger Bruch kommend – gleich am Ortseingang von Nienburg durch ein Solarfeld geführt wird. „Das Ziel aller Beteiligten sollte schon darin bestehen, bei der bevorstehenden Zertifizierung mit mindestens vier Sternen abzuschneiden“, so der ADFC-Sprecher.

Um diese Kriterien zu erfüllen, sollte der Weserradweg auch im Landkreis Nienburg zu beiden Seiten der Weser gleich attraktiv sein. Wo das nicht der Fall ist, wird eine Hauptroute festgelegt. Diese führt im Landkreis Nienburg – linksseitig aus Stolzenau kommend – in Landesbergen auf die rechte Weserseite, biegt in Nienburg gleich hinter der Weserbrücke Richtung Marklohe wieder auf die linke Weserseite ab, kommt in Drakenburg erneut auf die rechte Weserseite, um dann in Schweringen wieder auf die linke Weserseite und von dort bis Hoya zu führen.

Wie ebenfalls bereits berichtet, unternehmen alle Gemeinden – ganz gleich, ob an der Haupt- oder an der Alternativroute gelegen – große Anstrengungen, die Schwachstellen auszumerzen.

Den größten Diskussionsbedarf gibt es zurzeit in Bücken. In der Hoffnung, einen Konsens zu erzielen zwischen den wirtschaftlichen Interessen und den Anforderungen, die im Rahmen einer Zertifizierung an den Weserradweg gestellt werden, hat Hoyas Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer dort am 24. April zu einem Runden Tisch eingeladen. Berthold Vahlsing ist einer der Teilnehmer.

Dieser macht noch einmal deutlich, dass der Radtourist, der auf dem Weserradweg unterwegs ist, möglichst auch etwas von der Weser sehen möchte. Und selbst entscheiden will, welche Sehenswürdigkeit er ansteuert und welches gastronomische Angebot er in Anspruch nimmt. Ein Umweg von drei, vier Kilometern sei ihm das dann durchaus wert.

„Es ist schon so, dass der Radwanderer, der auf einem Fernweg unterwegs ist, irgendwann auch gerne am Ziel ankommen will“, gibt der ADFC-Sprecher zu bedenken. In der Hauptsaison habe er auch das Quartier vorgebucht. „Die durchschnittliche Tagesetappe liegt bei 40, 50 Kilometern“, berichtet Bertold Vahlsing weiter. Das entspreche beispielsweise der Entfernung Stolzenau – Hoya oder Nienburg – Verden.

Auch wirbt er um Verständnis dafür, dass sich auch der interessierteste Tourist nicht jede Kirche ansehen und selbst der großzügigste nicht in jedes Lokal einkehren kann.

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Erstellt:
21. April 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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