Die geborgenen Fragmente einer mittelalterlichen Handschrift aus dem Einband des Sachsenspiegels werden derzeit genauer untersucht. Regina Steudte

Die geborgenen Fragmente einer mittelalterlichen Handschrift aus dem Einband des Sachsenspiegels werden derzeit genauer untersucht. Regina Steudte

Nienburg 23.06.2017 Von Die Harke

Der „Sachsenspiegel“ von 1560

Neuigkeiten aus der Restaurierungswerkstatt: Fragmente geborgen

Das [DATENBANK=1633]Museum Nienburg[/DATENBANK] hat viele alte Kostbarkeiten in seiner Sammlung. Eine davon ist eine Ausgabe des Sachsenspiegels aus dem 16. Jahrhundert. Der Sachsenspiegel ist ein Rechtsbuch, das auf Eike von Repgow zurückgeht und in der Zeit zwischen 1220 und 1235 entstanden ist. Ursprünglich war im Sachsenspiegel nur das sächsische Gewohnheitsrecht festgehalten und war für den Privatgebrauch gedacht. Im Laufe der Zeit gewann das Werk aber derart an Popularität, dass es im norddeutschen Raum bis in die Neuzeit ein wichtiges Nachschlagewerk für die Rechtsprechung blieb. Inhaltlich sind Beispiele aus dem Landrecht, dem Lehnrecht und dem Strafrecht aufgeführt; von Repgow berichtet anhand von tatsächlichen Gerichtsverhandlungen, wie jeweils das Recht gesprochen wurde. Der Sachsenspiegel ist neben der schriftlichen Fixierung des Gewohnheitsrechts auch deswegen von großer Bedeutung, weil er die erste Prosaliteratur in mittelniederdeutscher Sprache ist. Entsprechend seiner Wichtigkeit fand der Sachsenspiegel weite Verbreitung und wurde immer wieder vervielfältigt, erst per Hand abgeschrieben, mit Erfindung des Buchdrucks war dann auch eine höhere Auflage möglich.

Eine solche frühe, gedruckte Ausgabe aus dem Jahr 1560 ist in den Bestand des Museums Nienburg gelangt. Das Buch ist jedoch stark in Mitleidenschaft gezogen worden, es wies deutliche Spuren des Verfalls auf – in der Vergangenheit muss es einmal nass geworden sein, und Schimmelsporen hatten sich ans Werk gemacht. Das Buch lag die letzten Jahre in Quarantäne in der Museumsbibliothek. Aber es wurde nicht vergessen, und über mehrere Jahre wurden private Spenden gesammelt, um das kostenintensivste und umfangsreichste Restaurierungsprojekt der Museumsbibliothek umzusetzen.

Die Restaurierungswerkstatt „gut gebunden – Buchklinik Stefan Schubert“ wurde mit der Mammutaufgabe betraut, den Sachsenspiegel zu retten und Seite für Seite zu erhalten. Die Restaurierung ist noch nicht abgeschlossen. Das Ziel ist es, ihn bei der kommenden Bücherbörse im September der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Aber über einen überraschenden Fund möchte das Museum schon jetzt berichten: Während der Restaurierung des Einbandes kamen nämlich viel ältere Fragmente einer Handschrift zutage. Sie waren unter dem Vorsatzblatt direkt auf den hölzernen Einband geklebt worden. Nach der ersten Begutachtung scheint es sich um Fragmente einer hochmittelalterlichen Handschrift zu handeln, sie sind also deutlich älter als der Sachsenspiegel selbst. Es gilt nun, diese Fragmente genauer zu untersuchen, ihr Alter zu bestimmen, und das Museum hofft, vielleicht auch eine Zuordnung zu einer Handschrift erkennen zu können.

Die Restaurierung eines solchen Werks ist immer eine spannende Reise, und umso schöner sind solche außergewöhnlichen Höhepunkte, meint Bibliotheksleiterin Regina Steudte glücklich. Auch die [DATENBANK=354]Leiterin des Museums, Dr. Kristina Nowak-Klimscha[/DATENBANK] ist begeistert: „Mit einem solchen Fund war nicht zu rechnen – und ohne die privaten Spenderinnen und Spender wäre die Erhaltung des Sachsenspiegels nicht möglich gewesen.“

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Erstellt:
23. Juni 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 25sec

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