Verden 06.07.2019 Von Wiebke Bruns

Der Tag des Mordes jährte sich jetzt zum 35. Mal

Prozess zur Tötung des Hobbyanglers Wilhelm Rettberg wird fortgesetzt

Zum 35. Mal jährte sich diese Woche der Todestag von Wilhelm Rettberg. Der gewaltsame Tod des 49-Jährigen aus Nienburg blieb über Jahrzehnte unaufgeklärt, beschäftigt aber seit Mai 2019 das Landgericht Verden. Am siebten Verhandlungstag in dem Mordprozess ging es am Landgericht um eine Vernehmung des heute 55 Jahre alten Angeklagten im Jahr 2017. Kurz zuvor hatten die Ermittler den aus ihrer Sicht entscheidenden Hinweis nach einem Bericht über den Fall in der Fernsehsendung „Aktenzeichen xy“ bekommen. Suchen mussten die Ermittler nicht nach dem Angeklagten. Er verbüßt seit 30 Jahren eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Im Jahr 1989 wurde der damalige Umschüler des Mordes in Tateinheit mit Vergewaltigung, Diebstahl und versuchter Brandstiftung schuldig gesprochen.

In Stöckse, unweit seines Elternhauses, war er im Juni 1988 in das Haus einer 78 Jahre alten Frau eingebrochen. Als die Witwe ihn beim Durchsuchen ihres Hauses ertappte, fesselte, knebelte und vergewaltigte er die Frau. Dann tötete er sie mit einem gezielten Messerstich ins Herz. Anschließend hatte er versucht, das Haus in Brand zu stecken, was jedoch nicht gelang. Zur Überzeugung der damals zuständigen Richter war es ein Verdeckungsmord. Der damals 26-Jährige stand unter laufender Bewährung.

Wenn die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zutreffen, dann mordete der mehrfach vorbestrafte Angeklagte vor und nach seiner Inhaftierung.

In der Justizvollzugsanstalt Celle hatte er am 26. September 2017 Besuch von der zuständigen Staatsanwältin und dem Vernehmungsbeamten, der am siebten Verhandlungstag in dem aktuellen Mordprozess als Zeuge gehört wurde, bekommen. „Es war keine alltägliche Vernehmung“, begann der Beamte seine Aussage vor Gericht und seinen Schilderungen zufolge dürfte sich der Angeklagte bei der damaligen Vernehmung genauso entspannt gegeben haben, wie in dem aktuellen Prozess. „Er wollte sich die ganze Sache anhören“, so habe er es der Angeklagte damals gesagt.

„Er meinte, dass die Indizienlage gut für ihn aussieht und sagte sinngemäß: es müsse ihm erstmal nachgewiesen werden“, berichtete der Beamte aus der Vernehmung. Diese habe der Angeklagte abrupt abgebrochen als er darauf hingewiesen worden sei, dass parallel dazu seine Zelle durchsucht werde.

Laut dem Zeugen hatte der Angeklagte bereits im Alter von neun Jahren das erste Mal Kontakt zur Polizei. Als Jugendlicher habe er schon Eigentumsdelikte begangen. Bei dem entscheidenen Hinweis im Mordfall Rettberg soll es um „exklusives Täterwissen“ gehen, das der Angeklagte damals gehabt haben soll. Davon soll er einem Cousin am Morgen nach der Tatnacht berichtet haben.

Vorbestraft ist der 55-jährige Angeklagte nicht nur wegen des Mordes im Jahr 1988, sondern auch wegen diverser Eigentumsdelikte. Wenn die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zutreffen, dann mordete der mehrfach vorbestrafte Angeklagte vor und nach seiner Inhaftierung. Der Prozess wird fortgesetzt.

Zum Artikel

Erstellt:
6. Juli 2019, 11:21 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 23sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.