Der Wald als Medizin und Rückzugsort

Der Wald als Medizin und Rückzugsort

Sie setzten sich mit unterschiedlichen Aspekten des Waldes auseinander: angehende Erzieher aus der Nienburger Sozialpädagogikschule. Weidenherz-Dojo

Zum Ende ihrer Ausbildung setzten sich 15 Schüler der Sozialpädagogikschule Nienburg im Harrienstedter Weidenherz-Dojo mit unterschiedlichen Aspekten des Waldes auseinander. Im praktischen Teil wurden die Schüler von Rolf Patermann in die Grundlagen des Shinrin-yoku (Waldbaden) eingeführt. Shinrin-yoku geht zurück auf den japanischen Medizinprofessor Qing Li. Der veröffentlichte im Jahr 2013 die Ergebnisse mehrerer Studien, aus denen hervorgeht, dass die von Bäumen ausgeschütteten Gase, die sogenannten Phytonzide, auch eine positive Wirkung auf das menschliche Immunsystem haben.

Während des dreitägigen Kurses entwickelten die zukünftigen Erzieherinnen und Erzieher ein Programm aus einfachen Atem- und Bewegungsübungen mit dem Ziel diese „Medizin zum Einatmen“ für Klienten unterschiedlicher Altersgruppen zugänglich zu machen. Im theoretischen Teil, der zwischen den Übungen eingeflochten wurde, ließen sich die Teilnehmer von Texten des amerikanischen Naturphilosophen und „Taugenichts“ Henry David Thoreau inspirieren.

Darüber hinaus begleiteten sie den deutschen Schriftsteller Ernst Jünger auf seinem „Waldgang“, einem Essay aus dem Jahr 1951, der noch heute hohe Aktualität besitzt. Im Gespräch erarbeiteten sie eigene Positionen zur Tauglichkeit der vorgestellten Entwürfe und kamen zu der Erkenntnis, dass ihr persönliches Bild vom Wald zwischen den Polen Wirtschaftsfaktor und Verwilderungsraum (Stichwort: Rückkehr der Wölfe) variiere und damit exemplarisch für die Zerrissenheit der modernen Gesellschaft sei.