In zwei Spielen nach der Coronavirus-Pause hat Bruno Labbadia (M.) ein intelligent agierendes Bundesliga-Team geformt. Foto: Stuart Franklin/Getty Images Europe/Pool/dpa

In zwei Spielen nach der Coronavirus-Pause hat Bruno Labbadia (M.) ein intelligent agierendes Bundesliga-Team geformt. Foto: Stuart Franklin/Getty Images Europe/Pool/dpa

Berlin 23.05.2020 Von Deutsche Presse-Agentur

Derby-Sieger Labbadia duldet keine Träume

Der La-Ola-Jubel der Hertha-Spieler vor der leeren Osttribüne hatte einen Hauch von Stolz und Trotz. Nach dem rauschenden 4:0 im Hauptstadt-Derby gegen den 1. FC Union blieb auch bei Bruno Labbadia die Sehnsucht nach den eigenen Fans als einziger Makel hängen.

Für die wundersame Wandlung vom Fettnapf-Kandidaten der Bundesliga zum zielstrebigen Gewinner-Team hatte der neue Hertha-Trainer eine einfache Erklärung parat: Harte Arbeit in der Zeit, als an Fußball nicht zu denken war. In der Corona-Pause sei mit Analysen der Grundstein für den Aufschwung gelegt worden.

Überrascht zeigte sich Labbadia nach dem für ihn perfekt verlaufenen Derby-Abend allerdings über die steile Lernkurve. „Es war nicht zu erwarten, dass wir schon so weit sind, dass wir die Geduld aufzeigen und so überzeugend den Ballbesitz-Fußball zeigen. Das war super“, sagte Labbadia nach dem Geister-Duell.

Zum sportlichen Aufschwung passt, dass Finanzchef Ingo Schiller bei der virtuellen Mitgliederversammlung am Sonntag wirtschaftlich solide Zahlen präsentieren kann. Einen operativen Gewinn wird es wegen der Corona-Pandemie nicht geben. Aber das Eigenkapital ist zum Jahresende 2019 von 12,6 Millionen Euro auf 182,5 Millionen Euro gestiegen. Der Hertha-Konzern verfügte auch dank der Zahlungen von Investor Lars Windhorst über liquide Mittel in Höhe von 109 Millionen Euro. Hertha BSC stehe in der Krise auf der „Chancenseite“, meinte Schiller.

Sportlich deuten sich für Labbadia auch ganz neue Möglichkeiten an. Nach dem Auftakt des 27. Spieltages war der Vorsprung auf den Relegationsrang 16 mehr als dreimal so groß wie der Rückstand auf einen möglichen Europacup-Startplatz. Mit dieser Thematik wird sich Labbadia angesichts der Berliner Reflexe in den kommenden Tagen beschäftigen müssen. Der 54-Jährige baute vor und redete sein Team noch in den Abstiegskampf hinein. Labbadia weiß natürlich, dass die nächsten Auswärtshürden bei RB Leipzig am Mittwoch und bei Borussia Dortmund in zwei Wochen andere Anforderungen bringen werden.

„Wir haben noch nicht genug Punkte, keine Frage. Wir sind uns unserer Situation sehr bewusst. Wir haben die Situation extrem verbessert damit, sechs Punkte sind ein Topstart, aber dafür bin ich zu lange dabei, und ich weiß einfach, dass man immer Respekt haben muss im Abstiegskampf, und deshalb bin ich sehr froh, dass wir das erstmal hinbekommen haben“, sagte der Hertha-Coach.

Die trübe November-Stimmung nach dem 0:1 im Hinspiel-Derby erscheint wie aus einer vergangenen Zeit. Wie weggeblasen sind die Turbulenzen der Klinsmann-Ära und der Video-Affäre um den Corona-Clip von Salomon Kalou. Die Hertha macht wieder Laune. „Mit dem Fußball, den wir heute gespielt haben, haben wir die Leute für uns gewonnen“, meinte Labbadia. „Die Art und Weise wie wir die Tore gemacht haben, das hat echt Spaß gemacht.“ Wie schön wäre die blau-weiße Party erst in einem vollen Olympiastadion gewesen?

Zum Spaßgaranten wurde wie beim 3:0 bei 1899 Hoffenheim Routinier Vedad Ibisevic - einem Gewinner der noch jungen Labbadia-Zeit in Berlin. „Er hat mir eine faire Chance gegeben, die habe ich genutzt. Wir haben eine gute Mannschaft mit vielen Qualitäten“, sagte der Bosnier. Sein Führungstor gab Union einen moralischen Punch, an den Treffern von Dodi Lukebakio und Matheus Cunha war er beteiligt. Als Dedryck Boyata den Endstand markierte, genoss Ibisevic schon den Feierabend auf der Bank.

Labbadias Union-Kollege Urs Fischer musste sich spürbar sammeln, um das kollektive Versagen seiner Mannschaft begreifen zu können. Ein intensives Videostudium kündigte er an, um den Eisernen die Fehler aufzuzeigen. „Wir werden uns zusammensetzen, um gerade zu besprechen, was in der zweiten Halbzeit passiert ist“, sagte der Schweizer. Null Punkte und null Tore in zwei Spielen nach der Corona-Zwangspause lassen die Sorgen des Aufsteigers wachsen. Fast trotzig wies Fischer auf erreichte 30 Punkte hin: „Ich meine, unser Ziel können wir immer noch erreichen. Es gilt, alles dran zu setzen, dafür zu arbeiten.“

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Erstellt:
23. Mai 2020, 11:39 Uhr
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