28.04.2013

„Des Campers größter Fluch...“

In Drakenburg will man auch Jüngere für das Campingplatz-Leben begeistern

Von Edda Hagebölling

Drakenburg. Er liegt direkt an der Weser, steht besonders bei Radwanderern und Wohnmobilisten aus ganz Europa hoch im Kurs, verfügt über einen Spielplatz, vernünftige sanitäre Anlagen, zwei Mietwohnwagen und Stellplätze zwischen 100 und 200 Quadratmetern Größe, und doch beschleicht die rund 90 Mitglieder des Vereins Wasser-Sport-Weser Drakenburg hin und wieder das ungute Gefühl, dass ihr schöner Campingplatz eines Tages aussterben könnte. Peter Winkelmann ist die Seele des Vereins. Zusammen mit Volker Laaser baute der gelernte Tischler am Sonntagmorgen bei schönstem Sonnenschein gerade die Bootsstege wieder auf. Denn Boote ankern in der Saison reichlich an dem etwa 33 Hektar umfassenden Areal unweit des Weserwehres. Zum größten Teil Boote der Mitglieder, zum Teil aber auch Boote von Touristen, die für zwei, drei Tage anlegen und in ihren Booten übernachten oder von Tagesgästen, die für ein paar Stunden an Land gehen und dann wieder weiterzufahren.

Auf diesem Wege ist beispielsweise auch Peter Siepel aus Nienburg vor einiger Zeit zum Freund des Drakenburger Campingplatzes geworden. Doch er ist bei weitem nicht der einzige Nienburger. Andere kommen bereits seit 40 Jahren von weither nach Drakenburg. Meistens am Wochenende. Weitere Stammgäste reisen schon seit Jahren mit Auto und Wohnwagen aus Neustadt, Hannover, Braunschweig oder – zumindest bis zum Fall der Mauer – aus Berlin an. Sie schätzen die Ruhe und die idyllische Lage. „Das ist hier wie Urlaub“, sind sich alle einig.

Bleiben können sie jedoch immer nur bis Mitte Oktober. Da der Campingplatz hochwassergefährdet ist, müssen Wohnwagen und Vorzelt und was sonst noch weggeschwemmt werden könnte, spätestens am 15. Oktober komplett abgebaut werden. Um im nächsten Jahr nach dem 1. April wieder zum Vorschein zu kommen. Dieses Spielchen wiederholt sich Jahr für Jahr, ist aber für die Camper überhaupt kein Problem, denn jeder fasst bei jedem mit an.

Unterstützt wird Peter Winkelmann von den Platzwarten Kai Laaser, Willi Schmidt und Klaus Hermann. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass sich der Platz immer von seiner besten Seite präsentiert. Nicht nur der Rasen will gemäht sein, auch die Bäume und Sträucher müssen immer mal wieder gestutzt werden, die Spielgeräte sind zu warten.

Da darüber hinaus – zumindest bei schönem Wetter – kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein Radwanderer einkehrt, um auf dem Campingplatz sein Zelt aufzuschlagen, soll auch der separate und unter anderem mit Wäschespinnen ausgestattete Zeltplatz immer tiptop sein.

Um die Gäste kümmert sich eine weitere Seele des Platzes: Conny Hermann. Mit ihrem Wohnwagen direkt gegenüber der Einfahrt positioniert, weist sie Neuankömmlingen die Plätze zu, sorgt für eine erste Orientierung, steht aber auch sonst mit Rat und Tat zur Seite. Beispielsweise kann sie bei Bedarf mit der Nummer eines Pizza- oder China-Bringdienstes aushelfen, weiß aber auch, wo auf dem Platz gegrillt werden kann oder bei wem es die frisch geräucherten Aale gibt, die die Angler vom Ufer aus fangen.

Meistens befindet sie sich in gut gelaunter Gesellschaft. „Regen und Besuch sind des Campers größter Fluch“ schallte es der kleinen Besuchergruppe am Sonntagmorgen beim Näherkommen entgegen.

Auf einen Kaffee noch einmal wiederkommen darf sie dennoch ...

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Erstellt:
28. April 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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