Integration mit Ketchup und Mayo: Der Iraker Khudhur Al-Dawoodi lernt Deutsch, wo es am lebendigsten ist – an Cunows Imbiss in Marklohe. Später will er Fitness-Kaufmann werden. Jobcenter

Integration mit Ketchup und Mayo: Der Iraker Khudhur Al-Dawoodi lernt Deutsch, wo es am lebendigsten ist – an Cunows Imbiss in Marklohe. Später will er Fitness-Kaufmann werden. Jobcenter

Marklohe 09.03.2018 Von Die Harke

Deutsch lernen an der Imbiss-Theke

Der Iraker Khudhur Al-Dawoodi arbeitet an seinen Sprachkenntnissen, um Fitness-Kaufmann werden zu können

Der 26-jährige Iraker Khudhur Al-Dawoodi hat nach gut zwei Jahren in Deutschland ein Sprachniveau erreicht, das ihn zu einer beruflichen Ausbildung befähigen würde. Er will Fitness-Kaufmann werden. Viel gelernt hat der Flüchtling bei seiner Arbeit am Tresen eines Markloher Imbiss’. Ellen Mühlenhof-Rabe von der Arbeitsagentur sieht in Al-Dawoodi ein Musterbeispiel für die Umsetzung des Fahrplanes ihrer Behörde. „Augenzwinkern“ klingt komisch bei ihm. Das Wort „Straßenverkehrsamt“ genauso; und das „Nackensteak“ will ihm auch nur ganz schwer über die Zunge. Aber ansonsten sitzt die deutsche Sprache so gut, dass er sich in den meisten Alltagssituationen sicher verständigen kann: Al-Dawoodi hat fast schon das B1-Niveau in Deutsch nachgewiesen, und das würde ihm dann die Tür öffnen für eine berufliche Ausbildung.

Seine Chancen, Fitness-Kaufmann zu werden, stehen richtig gut, denn der 26-Jährige weiß längst, dass von ihm selbst abhängt, wie erfolgreich er in Deutschland Fuß fassen wird.

Auf bis zu zwei Jahre schätzt die Bundesagentur für Arbeit die Zeit, die geflüchtete Menschen brauchen, um sich in Deutschland zu akklimatisieren. „Danach sollten sie das Sprachniveau B1 erreicht haben, sich also einigermaßen flüssig mit Einheimischen austauschen können; das ist ja auch die Grundlage dafür, um beruflich die entscheidenden Schritte zu gehen“, sagt [DATENBANK=930]Ellen Mühlenhof-Rabe[/DATENBANK] vom Integrationsbüro des Jobcenters Nienburg. Sie sieht in Khudhur Al-Dawoodi den besten Beweis dafür, dass dieser Fahrplan realistisch ist – vorausgesetzt, die Einstellung stimmt. „Ich bin selbst nur bis zur sechsten Klasse zur Schule gegangen und habe mit 13 Jahren angefangen zu arbeiten“, sagt der junge Iraker, der eifrig um Integration bemüht ist.

Integrationskurse und die ersten Gehversuche auf dem hiesigen Arbeitsmarkt sollten parallel verlaufen.

Ellen Mühlenhof-Rabe, Arbeitsagentur

Sein Deutsch verfeinert er beispielsweise am Tresen des „Snick-Snack“-Imbiss’ in Marklohe. „Das war natürlich schon ein gewagtes Experiment“, sagt Geschäftsführer Werner Cunow. Aber er sieht sich bestätigt: Khudhur Al-Dawoodi gewinnt Gesprächspartner mit seiner offenen Art und fühlt sich in der Gesellschaft von Deutschen gut aufgehoben. „Das hat sich der Gesetzgeber auch genauso vorgestellt – Integrationskurse und die ersten Gehversuche auf dem hiesigen Arbeitsmarkt sollten parallel verlaufen, das beschleunigt den späteren Umstieg in eine berufliche Qualifizierung“, sagt Ellen Mühlenhof-Rabe.

Diesen dualen Weg hat Al-Dawoodi von Anfang an beschritten. Seit Januar 2016 lebt er in Deutschland, im November hatte er sich um den Job bei Cunow bemüht. Davor war er bereits Küchenhilfe im Freibad Marklohe gewesen. Alles auf eigene Initiative.

„Einen Dolmetscher habe ich dazu nie gebraucht“, sagt er. Seine Selbstständigkeit hat er auch in seiner ersten B1-Prüfung bewiesen: Sprechen kann er fehlerfrei.

Durchgefallen ist er trotzdem, weil das Briefeschreiben ihm schwerer fiel, als er das befürchtet hatte – Kündigung, Bewerbung, Wohnungssuche, auf all das will ihn die schriftliche Sprachprüfung vorbereiten; mündlich bekommt er das längst gemeistert.

Dennoch hat er auf einen zusätzlichen Kurs auf Kosten des Jobcenters verzichtet und lieber für das eigene Geld gleich eine zweite Prüfung absolviert. Das Ergebnis steht noch aus, aber er ist guten Mutes. Begrüßungen, Floskeln, Redewendungen, Al-Dawoodi sucht sich sein Deutsch, wo es am lebendigsten ist – und das kann ein Imbiss allemal bieten.

„Das Imbiss-Engagement zeigt deutlich, wie sehr auch geflüchtete Menschen hier gebraucht werden, aber der Einzelne muss natürlich mutig sein Schicksal in die eigene Hand nehmen“, sagt Mühlenhof-Rabe: „Unsere Unterstützung wird nur so erfolgreich sein können, wie die Bemühungen des Einzelnen ernsthaft sind“.

Die Arbeitsagentur möchte nach eigenen Angaben aus möglichst jedem Geflüchteten eine Fachkraft machen; aber viele werden als Helfer in den Arbeitsmarkt einsteigen müssen, um dort Berufserfahrung zu sammeln. Für Al-Dawoodi führt der Weg zum Fitness-Kaufmann eben über die Currywurst mit Pommes rot-weiß. Das ist ein Weg von vielen möglichen – der junge Iraker nimmt ihn mit einem Augenzwinkern.

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Erstellt:
9. März 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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