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19.04.2016 Von Alan Smithee

Deutsche Schnäppchenjäger shoppen in ausländischen Online-Shops

Die Deutschen gelten allgemein als sparsam. Dass dieses Vorurteil nicht gänzlich frei erfunden ist, belegt das Kaufverhalten der Deutschen im Internet. Der Preis gilt als wichtigstes Kriterium beim Shoppen. [MELDUNG=420767]Die Entwicklung der sich expansiv erweiternden Einkäufe in Online-Geschäften[/MELDUNG] ist keine Neuheit im Trendbarometer. Der massive Anstieg von Käufen deutscher Schnäppchenjäger in ausländischen Online-Shops überrascht bei der Betrachtung der Preisentwicklung ebenfalls nur bedingt. Aber auch andere Faktoren spielen bei ausländischen Anbietern eine wichtige Rolle.

Die Art und Weise des Einkaufens hat sich durch die Entwicklung des Online-Marktes extrem verschoben. Viele Einkaufsläden haben branchenübergreifend mit starken Umsatzeinbußen zu kämpfen, da sich das Shopping-Verhalten der Deutschen in den letzten zehn Jahren drastisch verändert hat. Der Kauf im Internet ist keine Randerscheinung mehr, sondern hat sich zum zentralen Einkaufsort für den Kunden entwickelt. Online-Shops boomen, weswegen die meisten Geschäfte, Ketten oder Einzelhändler ihr Sortiment auf einer Online-Plattform anbieten. Die Vorteile beim Internet-Shopping überwiegen für Kunden, aber auch für Shop-Betreiber sehr häufig.

Der Dienstleister, Verkäufer oder Hersteller besitzt die Möglichkeit, auf seiner eigenen Homepage Waren oder Leistungen individuell und ansprechend zu präsentieren. Ebenso lässt sich eine schier unendliche Angebotsbreite kreieren, welche in einem Geschäft aufgrund von Platzmangel und Folgekosten nicht denkbar und wirtschaftlich oder überhaupt umsetzbar wäre. Der Bestellvorgang fällt leicht, die Paketdienste sind schnell und das Zurücksenden von nicht passenden Artikeln ist zumeist kostenfrei. Dies führte zu einer enorm angestiegenen Akzeptanz in der Gesellschaft für die Online-Variante des Einkaufens.

Die besten Deals, Boni und Schnäppchen gibt es im Internet

Die Deutschen gelten allgemein als sparsam und kostenorientiert. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass deutsche Internetnutzer nicht nur beim Einkaufen im Supermarkt, sondern genauso beim Shoppen im Netz auf die Jagd nach Schnäppchen gehen. Es gibt verschiedene Varianten, um günstig an ein gewünschtes Produkt zu gelangen. Zum einen können besonders günstige und lukrative Rabatte oder Angebote auf speziellen Seiten wie Ebay, Ebay Kleinanzeigen, in einem Deal Forum oder auf ähnlichen Auktionsplattformen gemacht werden. Verkauft wird auf diesen Portalen hauptsächlich von Endverbraucher an Endverbraucher. Oftmals wird auch mit gebrauchten Waren gehandelt oder die Nutzer informieren sich gegenseitig, auf welchen Webseiten und Online-Shops es aktuell attraktive Vergünstigungen zu finden gibt.

Zum anderen können Schnäppchen bei Sonderangeboten, Restpostenverkäufen oder besonderen Rabattaktionen geschossen werden. Um Kenntnis von diesen Vergünstigungen zu erlangen, kommen heutzutage vor allem Vergleichs-Applikationen zum Einsatz, die es noch vor ein paar Jahren nicht gab. Diverse Apps für das mobile Telefon weisen auf besondere Aktionen hin und dienen gleichzeitig als Gutscheinersatz. Jeder Zweite besitzt mittlerweile eine derartige Vergleichsmöglichkeit auf seinem Handy. Derartige Programme lassen sich in folgende Gruppen unterteilen:

- Preisvergleich: Preise für bestimmte Waren werden in unterschiedlichen Online-Shops miteinander verglichen.

- Bonussysteme: Beim Kauf bestimmter Produkte in spezifischen Shops gibt es für Nutzer Bonuspunkte, die Rabatte oder ähnliche Vergünstigungen gewähren.

- Cashback: Pro Einkauf erhalten Nutzer einen bestimmten Prozentsatz des Kaufpreises als bares Geld oder Gutschrift zurück.

- Schnäppchenangebote: Nutzer werden über aktuelle Rabattaktionen informiert.

Eine Studie der Tradedoubler Insight Unit zeigt, dass das Verhalten der deutschen Online-Shopper konformgeht mit dem Kaufverhalten von Schnäppchenjägern in anderen europäischen Staaten und im Durchschnitt circa 75 Prozent aller Online-Shopper das mobile Telefon zum Preisvergleich und zur Angebotsrecherche nutzen. 45 Prozent der Befragten nutzen ebenfalls Boni-, Gutschein- oder Cashback-Systeme, um weitere Vergünstigungen zu ergattern.

„Die Schnäppchen-Jagd findet heute mobil statt. Marken laufen Gefahr, Kundschaft zu verlieren, wenn sie den mobilen Verbraucher nicht mit relevanten Kampagnen und Performance-Marketing-Modellen erreichen. Gerade bei mobilen Apps gibt es noch viel Nachholbedarf, weil der Verbraucher diese Anwendungen heute erwartet und nachfragt“, kommentierte Björn Hahner, Country Manager Deutschland bei Tradedoubler, die Studie. Die Entwicklung hin zum Online-Einkauf spiegelt sich in weiteren Studien ebenfalls wider. Der Anteil an Bestellungen im Internet bei ausländischen Anbietern steigt im Vergleich zu den deutschen Anbietern überproportional an. Das hat verschiedene Gründe.

Vor- und Nachteile der ausländischen Anbieter

Die Ergebnisse von verschiedenen Umfragen belegen die hohe Anzahl an Käufen von Schuhen und Kleidung bei ausländischen Anbietern. Ebenso sind Bücher, Musik, Filme und Videospiele sehr beliebt. Der wichtigste Grund für den grenzüberschreitenden Einkauf ist der günstigere Verkaufspreis bei den im Ausland sitzenden Bereitstellern von Waren und Handelsgütern. Zusätzlich ist das Angebot meist größer und die Verfügbarkeit der angebotenen Waren ist uneingeschränkt gegeben. Abschreckend wirken auf deutsche Schnäppchenjäger indes längere Lieferzeiten und Unsicherheiten über die Qualität der Ware. Die Vor- und Nachteile im Überblick:

Vorteile von ausländischen Anbietern

- Bessere Preise

- Ständige Verfügbarkeit von Waren

- Riesiges Angebot

Nachteile von ausländischen Anbietern

- Garantieleistung

- Gewährleistung und Widerruf

- Keine oder geringe Kenntnis über Produktqualität

- Unklarheit bei Zollgebühren

- Längere Lieferzeit

- Hohe Versandgebühren

Besonders die Unsicherheit über die Qualität ausländischer Waren könnte laut Umfrage mit einer Einführung eines europäischen Gütesiegels, welches die Qualität der Online-Anbieter überprüfe, gemindert werden und das Bestellen bei ausländischen Anbietern attraktiver und sicherer gestalten. Das bestätigten 77 Prozent der Befragten. Grundsätzlich herrscht aber eine weitgehende Zufriedenheit beim Auslands-Shopping. Circa ein Drittel der Befragten klagte allerdings über Mängel und schlechte Qualität der Produkte. Überraschend waren viele Käufer über die teilweise stark verzögerte Lieferzeit und die extrem hohen Zollgebühren, welche vorher unbekannt waren oder wenig transparent vom Anbieter dargestellt wurden.

Die ausländische Konkurrenz ist nach Einschätzung von PwC-Handelsexperten hoch, kann aber von den deutschen Online-Händlern mit eigenen Waffen geschlagen werden. Diese bestehen vor allen Dingen aus wettbewerbsfähigen Preisen, die den Hauptvorteil der ausländischen Verkäufer stark einschränken würden. Noch wichtiger sei jedoch ein breites und attraktives Produktangebot, da die große Mehrheit der Käufer in nicht deutschen Online-Geschäften gar nicht gewillt ist, außerhalb Deutschlands ihre Ware zu erstehen. Bei gleichwertigen Angeboten aus dem Innenland würde der Kauf in inländischen Online-Geschäften den im Ausland ansässigen Shops vorgezogen werden.

Neue Chance durch Markterweiterung

Das Käuferpotenzial ist theoretisch vorhanden. Die deutschen Anbieter müssen sich nur auf die veränderten Marktgegebenheiten einlassen. Die Vorteile der ausländischen Anbieter sollten zu den eigenen gemacht werden. Zudem lässt sich das Spiel aus Sicht der deutschen Händler umdrehen. Der Kauf im Internet ist nicht nur in Deutschland sehr erfolgreich, sondern boomt weltweit. Die eigenen Waren können ebenso auf ausländischen Märkten feilgeboten werden, wodurch ein neuer Kundenstamm erreicht würde. Einer Markterweiterung stehen wenige Einwände entgegen.

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Erstellt:
19. April 2016, 16:24 Uhr
Lesedauer:
ca. 4min 15sec

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