Nikias Schmidetzki DH

Nikias Schmidetzki DH

Kolumne 09.09.2017 Von Nikias Schmidetzki

Die Angst

Erleichterung machte sich breit – sowohl bei mir als auch bei der Kassiererin. Minutenlang – wirklich minutenlang – hatte ein Kunde, zwei Autos vor mir in der Schlange stehend, versucht, mit der Karte den fürs Tanken fällig gewordenen Betrag zu bezahlen. Am Ende sollte es klappen und der Zeitpunkt, an dem ich selbst an der Reihe war, näherte sich unaufhaltsam. Klar war: Auch ich hatte nicht genug „Bares“ dabei. Als es weiterging machte der Tankstellenkunde vor mir „kurzen Prozess“: Er hatte das Geld sehrwohl nicht nur parat, er hatte es anscheinend sogar abgezählt und war innerhalb von Sekunden verschwunden. Ein Blick in den Rückspiegel: Mein Auto war nicht mehr das letzte in der Reihe. Wenn das Problem nicht an der Karte sondern am Lesegerät, am Computer, an der Leitung, am Wetter, woran auch immer lag, dann würde ich in den kommenden Minuten mit Sicherheit die geballte Wut einiger Mitmenschen auf mich ziehen.

Also: So tun, als sei alles gut. „Mit Karte, bitte.“ Kurz konnte ich in den Augen der Kassiererin eine ähnliche Angst erkennen, wie ich sie auch durchstand. Das Gerät spinne irgendwie. Irgendwie. Naja. Geheimzahl eingeben. Warten. Hoffen. Bangen. Und? Alles gut. Das Zettelchen kommt raus, und das Geld ist – leider – mittlerweile auch abgebucht. Hat also alles reibungslos geklappt.

Angst vor Technik habe ich seither nicht. Dennoch ist mir einmal mehr klar geworden, wie sehr abhängig wir häufig von ihr sind. Dann ist der ganze Fortschritt mit einem Mal dahin – und nichts geht mehr. Das war nun gerade nicht der Fall. Aber vielleicht ja beim nächsten Mal. Dass ich dann klüger bin und ausreichend Bargeld dabei haben werde, wage ich aber bei aller Selbstreflexion zu bezweifeln.

Einen schönen Sonntag!

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Erstellt:
9. September 2017, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 1min 56sec

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