Das Online-Rollenspiel „World of Warcraft“ von Entwickler Blizzard Entertainment wird gerne als Spiel mit hoher Suchtgefahr ins Feld geführt. Blizzard Entertainment

Das Online-Rollenspiel „World of Warcraft“ von Entwickler Blizzard Entertainment wird gerne als Spiel mit hoher Suchtgefahr ins Feld geführt. Blizzard Entertainment

TGIF 24.03.2017 Von Oliver Hartmann

Die Angst vor Computerspielen

Die Online-Kolumne zum Wochenende: Online-Redakteur Oliver Hartmann sinniert über die Angst vor Spielen

Als ich Kind war, ließen anstehende Elternabende meist wenig positive Hoffnungen in mir aufkeimen. Ich war mir sicher, dass sich das als Elternteil ändern würde, doch das stellte sich als Irrtum heraus. Spätestens wenn es um digitale Inhalte im Allgemeinen oder Computer- und Videospiele im Speziellen ging, wurde ich schnell als schwarzes Schaf der Elterngemeinde ausgemacht. Eltern haben erstaunlich viel Angst vor diesen neuen Medien. Oft heißt es dann in etwa, „das ist bei uns gar kein Problem, das wird einfach auf 20 Minuten am Tag reglementiert." Ich bin perplex... 20 Minuten, ernsthaft? In welchem Spiel lässt sich in 20 Minuten denn irgendetwas erreichen? Ein Level beenden? Einer komplexen Handlung folgen? Freunde für Mehrspieler-Partien organisieren? Wieso sollte man Spiele auf der einen Seite stark reglementieren, auf der anderen Seite stundenlanges Lesen sogar befürworten? Warum nicht eingreifen und auffordern, nach 20 Minuten die Legosteine doch bitte zur Seite zu legen. Ich kenne die Antwort, sie heißt in den meisten Fällen: „Das ist doch etwas vollkommen anderes!". Es folgt eine Belehrung, dass Bücher und Lego schließlich die Fantasie und Kreativität anregen. Und Spiele? „Dieses Geballer kann doch nicht gut sein für die Kinder", höre ich gebetsmühlenartig.

Warum haben Eltern also Angst vor diesem Medium? Die Angst beruht in den meisten Fällen auf einer Mischung aus Vorurteilen und falschen Informationen. In den Medien wird suggeriert, dass Computerspiele entweder süchtig machen (z.B. „World of Warcraft“) oder die Gewaltbereitschaft fördern (z.B. „Counter-Strike“). Zu selten lassen sich Eltern von ihren Kindern vorführen, was sie da eigentlich spielen (wollen) und worin der Reiz des Spiels liegt. Ich bezweifle, dass Eltern sich ein „Let's Play“ eines Spieles auf YouTube ansehen (siehe Video in diesem Beitrag) oder sogar selbst mal eine Runde probieren. Ganz anders sieht die Sache jedoch aus, wenn wir auf Spiele wie „Candy Crush“ zu sprechen kommen. Die kennt jeder, hat sie auf seinem Smartphone und auf einmal erklärt jeder im Brustton der Überzeugung, dass die paar Klicks ja kaum ein Problem sein könnten.

Sprechen Sie mit ihren Kindern doch einfach über die sinnvolle Verwendung und den maßvollen Konsum von Spielen. Verstehen Sie den Reiz der Spiele und die Motivation ihres Kindes, diese konsumieren zu wollen. In Deutschland haben alle Spiele, wie Filme auch, eine Alterskennzeichnung, die bei Spielen von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) vergeben wird und gesetzlich bindend ist. Für Kinder besonders empfehlenswerte Spiele werden jedes Jahr mit dem Deutschen Kindersoftwarepreis Tommi ausgezeichnet. Der Deutsche Computerspielepreis, der zusammen von den beiden Branchenverbänden BIU und G.A.M.E. sowie dem Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur getragen wird, kürt jedes Jahr empfehlenswerte Spiele, darunter auch Kinderspiele. Dort sind nur Titel nominiert, die Jugendschutz sicherstellen und von künstlerischen bzw. kulturellen Wert sind.

Versuchen Sie doch einfach mal selbst, die Faszination von „Minecraft“ zu entdecken. Erleben Sie das entspannte Farmleben eines „Stardew Valley“ oder tauchen Sie in die atemberaubende Rätselwelt eines „The Witness“ ein. Das Medium ist wie Musik oder Film sehr facettenreich. Umso wichtiger ist es, sich entsprechend zu informieren.

Über die Online-Kolumne #TGIF

Jeden Freitag veröffentlicht die Online-Redaktion der HARKE getreu dem beliebten Internet-Motto „Thank God it's Friday“ die Web-Kolumne #TGIF. Die Themen variieren und spiegeln vor allem die Interessen der jeweiligen Online-Redakteure wieder.

„Counter-Strike“ von Valve Software steht nach jedem Amoklauf erneut im Fokus der Berichterstattung. Valve Software

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„Minecraft“ von Mojang ist in einigen Punkten einer Kiste voller Legosteinen nicht unähnlich. Mojang / Microsoft

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In „Stardew Valley“ von Chucklefish Ltd. managen Sie eine kleine Farm und kümmern sich um die Felder. Chucklefish Ltd. / 505 Games

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Das Puzzle-Spiel „The Witness“ von Entwickler Jonathan Blow ist bei Kritikern und Endkunden gleichermaßen beliebt. Jonathan Blow / Thekla Inc.

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Online-Redakteur Oliver Hartmann ist passionierter Gamer. Hartmann

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Erstellt:
24. März 2017, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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