Heidi Knust und Volker Dubberke.

Heidi Knust und Volker Dubberke.

05.01.2014

Die Armut vor der Haustür lindern

Die Bürgerstiftung unterstützt zurzeit auch 86 Familien / Zahl der Spender steigt

Von Edda Hagebölling.

Nienburg. Die Bürgerstiftung ist ein Indikator dafür, wie es um die Menschen in Stadt und Kreis Nienburg bestellt ist. Vor rund zwölf Jahren unter anderem in der Absicht gegründet, die Armut vor der eigenen Haustür zu lindern und sich für die Bildung der Menschen, die im Landkreis leben, stark zu machen, ist sie gefragter denn je. Heidi Knust ist die 2. Vorsitzende der Stiftung. Für sie vergeht kein Tag, an dem sie nicht angerufen oder direkt angesprochen und um Hilfe gebeten wird. Das Büro der Bürgerstiftung befindet sich in den Räumen der Sparkasse am Goetheplatz. Vor Ort ist Heidi Knust montags bis donnerstags von 10 bis 12 Uhr. Die Bürgerstiftung unterstützt zurzeit 86 Familien. Zwischen Warpe und Stolzenau ebenso wie zwischen Liebenau und Heemsen. Insgesamt waren es bisher 206. „Zum Glück gibt es immer wieder Familien, denen es aus eigener Kraft gelingt, sich aus ihrer finanziellen Notlage zu befreien. Meistens, weil der Vater, der vorübergehend seine Arbeit verloren hatte, wieder eine neue Anstellung gefunden hat“, berichtet Heidi Knust. „Es gibt aber auch Familien, die die Arbeitslosigkeit so sehr zermürbt hat, dass sie einfach keine Kraft mehr haben, an ihrer Situation etwa zu ändern“, fährt die stellvertretende Vorsitzende fort.

Die Familien, die sich an die Bürgerstiftung wenden bzw. über den Landkreis, den Weißen Ring oder die Diakonie vermittelt werden, sind auf das Arbeitslosengeld II angewiesen. „Zu glauben, diese Familien könnten Geld zurücklegen für eine Waschmaschine oder einen Kühlschrank, der irgendwann garantiert kaputt geht, ist illusorisch“, verdeutlicht Volker Dubberke, bei der Bürgerstiftung seit vielen Jahren für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Und Arbeitslosengeld II gibt es bereits nch einem Jahr“, gibt er zu bedenken.

In diesen Familien fehlt es auf kurz oder lang an allem. In der Regel sind es die Familienpfleger, denen Heidi Knust den Gutschein über ein gebrauchtes Kinderbett oder für warme Winterkleidung aushändigt. Oder für eine Erstklässler-Ausstattung. „Oft genug fragen wir uns aber, ob die Lehrer gar nicht merken, was mit ihren Schützlingen los ist“, so Knust und Dubberke. Richtig verärgert waren beide beispielsweise, als die Bürgerstiftung die Kinder mit von der Firma Faber gestifteten Tuschkästen ausgestattet hatte, diese aber von den Lehrern nicht für den Unterricht zugelassen wurden. Tuschkästen der Marke „Pelikan“ mussten es sein.

Ein wenig in Sorge ist man im Vorstand der Bürgerstiftung auch darüber, wie es nach dem Wegfall des sogenannten Bildungs- und Teilhabepaketes (BuT) weitergehen wird. Aus den Mitteln des erst vor ein paar Jahren von der Bundesregierung eingeführten BuT wurden beispielsweise Klassenfahrten oder Mitgliedschaften in Sportvereinen gesponsert.

Finanziell unterstützt wird auch die Nienburger Tafel. Sie erhält die Hälfte dessen, was beim Bürgermahl erlöst wird. In diesem Jahr etwa 4 500 Euro. „Als unsere Zinsertragslage noch besser war, waren das auch schon mal 10 000 Euro“, räumen Heidi Knust und Volker Dubberke ein. Denn die Bürgerstiftung hat ein Problem. „Bei einem Stiftungskapital von 580 000 Euro fällt bei einer Verzinsung von 1,2 Prozent nicht mehr viel ab“, gibt Heidi Knust zu bedenken.

Aufgefangen wird dieses Defizit jedoch sehr zur Erleichterung der Verantwortlichen durch immer mehr private Spender. Und durch die mittlerweile eingeführte Möglichkeit, die Bürgerstiftung als Fördermitglied zu unterstützen.

„Im vergangenen Jahr hatten wir allein vier Großspenden“, erinnert sich Volker Dubberke. Diese stammen nicht selten von Menschen, die sich zu ihrem „runden“ Geburtstag oder zu ihrem Firmenjubiläum anstelle von Geschenken eine Spende für die Bürgerstiftung wünschen. Genauso sehr freut man sich im Vorstand aber auch über die Spende der BBS in Höhe von 116 Euro. Oder über die 50 Euro, die eine ältere Dame schon seit Jahren immer am 17. Dezember im Büro der Bürgerstiftung vorbeibringt.

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Erstellt:
5. Januar 2014, 00:00 Uhr
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