21.07.2013

„Die Biotonne ist ein Gewinn für alle“

14 400 von insgesamt 38 000 Haushalten im Kreis nutzten das Angebot des BAWN – Tendenz steigend

Nienburg. Die Energiewende und die Schwierigkeiten bei ihrer Umsetzung sind immer wieder Thema in den Medien. Es gibt aber auch Erfolgsgeschichten. Die Biotonne des BAWN gehört offenbar dazu: Mit Abfällen aus Küche und Garten werden Strom und Wärme erzeugt. Zudem ist die energetische Nutzung der Biomasse nicht nur erfreulich für die Umwelt, sondern auch günstiger, als würde man Rasenschnitt und Küchenabfälle als Restmüll entsorgen. Diesen Vorteil gibt der BAWN an die Nutzer der Biotonne weiter: Wer eine Biotonne einsetzt, zahlt weniger für die Restmüll-Abfuhr. „Die Biotonne ist ein Gewinn für alle,“ so BAWN-Vorstand Frido Dieckmann. Er ist von seinem Projekt überzeugt. Schon seit Jahren ärgerte es ihn, dass große Mengen Bioabfälle aus dem Kreisgebiet ungenutzt verloren gingen. Als klar war, dass diese Abfälle nach dem Willen der EU ab 1. Januar 2015 getrennt erfasst werden müssen, überzeugte er auch den Verwaltungsrat von seiner Idee einer Biotonne. „Das Projekt an sich kam bei unserem Aufsichtsgremium gut an“, erinnert sich Dieckmann: „Es gab aber eine gewisse Skepsis, was den Anschlussgrad anging: Bei uns im ländlichen Raum wäre eine Biotonne doch nur etwas für die städtischen Bereiche, glaubte mancher.“

Ein Irrtum, wie sich herausstellte. BAWN-Vize Arne-Henrik Meyer spricht sogar von einem „echten Erfolgsmodell“ und nennt konkrete Zahlen: Anfang des Jahres nutzten von rund 38 000 Haushalten im Kreisgebiet 13 100 Haushalte die Tonne. Im Mai war die Zahl der Nutzer auf 14 000 gestiegen; derzeit sind es – trotz des Sommers – bereits 14 400. Das entspricht einem Anschlussgrad von 38 Prozent. „Für ein ländlich strukturiertes Gebiet wie den Kreis Nienburg ist das bemerkenswert“, findet Frido Dieckmann. „Im Sommer ist das Interesse an solch einem Angebot naturgemäß geringer, weil weniger Laub und Rasenschnitt anfallen. Trotzdem steigt die Zahl derer, die eine Biotonne haben wollen, weiter an.“ Dieckmann hält darum die Zielzahl – 50 Prozent plus x – für durchaus realistisch.

„Da Bioabfälle ab 2015 ohnehin getrennt erfasst werden müssen, also nicht mehr über den Restmüll entsorgt werden dürfen, haben wir im Landkreis Nienburg natürlich einen Vorteil, wenn wir das schon jetzt auf freiwilliger Basis hinbekommen“, ist Frido Dieckmann überzeugt. In etlichen Orten ist man diesbezüglich auf einem guten Weg. Vor allem in den städtischen Räumen wie Nienburg und Hoya liegen die Nutzungsgrade deutlich jenseits der 40 Prozent. Spitzenreiter, was den Biotonnen-Anschlussgrad angeht, ist nach den Worten von Arne-Henrik Meyer aber das eher ländliche Winzlar: Dort haben bereits 53 Prozent der Haushalte eine Biotonne.

Nach Einschätzung von Frido Dieckmann liegt dieser Erfolg vor allem in der Zeitersparnis begründet: „Man muss sich nicht mehr den Kofferraum verschmutzen oder einen Anhänger leihen und zum Wertstoffhof fahren. Und man ist auch gleich die Küchenabfälle los.“ Allerdings spiele auch die Kostensenkung eine Rolle, glaubt der Chef: „Wir haben im vergangenen Jahr die Leerungsgebühr für die Restmülltonne von 5,60 Euro auf 5,45 Euro gesenkt. Wer die Biotonne nutzt, zahlt sogar nur noch 5,15 Euro pro Leerung der Restmülltonne. Für kostenbewusste Menschen ist das ein Argument.“

Hintergrund für die Senkung: Ohne Biotonne landen entsprechende Abfälle häufig im Restmüll. Den zu entsorgen, ist teurer, als Bioabfälle zu verwerten - indirekt spart die Biotonne also Geld. Für Arne Henrik Meyer gibt es keinen Grund, die Biotonne nicht zu nutzen: „Man spart Geld, schont die Umwelt und ist auf der sicheren Seite, wenn die EU-Vorgabe greift.“ Die Fakten rund um die Biotonne gibt es im Internet unter www.bawn.de oder per App direkt aufs Handy. Man findet sie im jeweiligen App-Store und kann sie einfach installieren, sagt Frido Dieckmann: „Dieses kleine Hilfsprogramm finde ich persönlich sehr praktisch. Es erinnert Sie beispielsweise auch daran, die Tonne rauszustellen. Das hatte sogar ich schonmal vergessen. Nun kann das nicht mehr passieren!“

Mit der Biotonne erfüllt der BAWN also schon jetzt Vorgaben der EU, die die getrennte Erfassung von Bioabfällen vorsehen. Kartoffelschalen, Speisereste, Laub und Rasenschnitt leisten aber tatsächlich auch einen Beitrag zur Energiewende, betont Frido Dieckmann. „Das ist nicht nur Wunschdenken. Die von uns erfasste Biomasse wird vergoren und zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt. Nutznießer ist das Krankenhaus in Bassum. Außerdem wird daraus wertvoller Kompost gewonnen. Auch das schont die Umwelt.“

Garten und Küchenabfälle über ein System entsorgen zu können, kommt also bei vielen Menschen im Landkreis Nienburg gut an – es gibt aber, gerade im Sommer, auch Probleme: „Bei uns gibt es Anrufe, dass sich die Biotonne ungewollt in ein Fliegenbiotop verwandelt hat“, berichtet Abfall- und Kundenberater Thomas Schniering. „Dem kann man aber leicht vorbeugen.“ Simpel, aber effektiv sei es, die Abfälle in Zeitungspapier einzuschlagen –das binde die Feuchtigkeit. Idealerweise sollte die Tonne im Schatten stehen, um zu hohe Temperaturen zu vermeiden; außerdem sollte man den Deckel stets geschlossen halten: Der Geruch der Biomasse lockt Insekten an. „Sicherheitshalber kann man den Rand hin und wieder mit etwas Essig abstreifen. Das hilft auch, wenn sich doch schon Käfer und Fliegen angesiedelt haben.“ Und wer die Tonne alle paar Wochen mit dem Gartenschlauch ausspült, sollte auch im Sommer keine Probleme bekommen, versichert Schniering.

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Erstellt:
21. Juli 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 41sec

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