Grundmauer der ehemaligen „Bünkemühle“ mit Heinrich Harries, Conny und Annette Derboven (von links).Fotos: Achtermann Achtermann

Grundmauer der ehemaligen „Bünkemühle“ mit Heinrich Harries, Conny und Annette Derboven (von links).Fotos: Achtermann Achtermann

Helzendorf 11.11.2017 Von Horst Achtermann

Die Bünkemühle: Was und wo sie einst war

Auf Spurensuche mit Hermann Wohlers und Heinrich Harries

Die Bünkemühle heißt der Hof von Familie [DATENBANK=6225]Derboven[/DATENBANK] in Helzendorf. Die Bünkemühler Hofkäserei verarbeitet einen Teil der produzierten Milch dort. Aber wo ist die Bünkemühle oder besser gefragt wo war die Bünkemühle? Die HARKE machte sich auf die Spurensuche. Durch Vermittlung von Annette Derboven kam Landnachbar Heinrich Harries (69) ins Spiel. Er weiß viel vom Hörensagen und Erinnerungen als Kind „von der zugewachsenen Bünkemühle“. Der wiederum nahm Kontakt mit Hermann Wohlers (78) auf. Dessen Bruder Henry habe ihm die Adresse vermittelt. „Ein letzter Zeitgenosse“, freut sich Heinrich Harries im Gespräch mit der HARKE.

In Calle geboren, lebt der Agraringenieur als Rentner in Warendorf. „Meine Erinnerungen an die Bünkemühle beziehen sich auf die vierziger und fünfziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts, die Zeit bis zum Alter von 17 Jahren“, schreibt Wohlers in seinen Erinnerungen, die er im Gespräch auf dem Hof von Heinrich Harries erläutert.

Über Entstehung und Gründung der „Bünkemühle“ liegen urkundliche Nachrichten nicht vor. „Zurück bis zum Jahr 882 hat mein Vater Friedrich Sieling die Hofchronik der Bünkemühle verfolgt“, schreibt seine Tochter Elisabeth Fulß-Sieling in der Chronik der Ortschaften Helzendorf und Nordholz“. Hermann Wohlers zitiert daraus: „Diese Hofstelle wird zuerst genannt im Jahre 882 als Geschenk Ludwig des Frommen, an die neue Kirche in Bücken, war also im Besitz des Erzbischofs Rembert von Bremen als deren Schirmherr. Der Hof selbst ist also wesentlich älter“.

Hermann Wohlers erinnert an seine Kindheit: Die Bünkemühle ist mir in unauslöschlicher, starker Erinnerung geblieben. Abenteuerliche Spielmöglichkeiten wegen ihres Zustandes. Die Bünkemühle war unser Grundnachbar. Im Sommer mussten wir zwischen Heu- und Getreideernte Säcke waschen. An der Brücke etwa 100 Meter östlich des Mühlengebäudes, bei großer Hitze und nach staubiger Arbeit, haben wir weit westlich der Mühle, ein erfrischendes Bad genommen.

Die Bünkemühle war fast 500 Jahre im Besitz der Familie Meyer. Der letzte Hoferbe war Jonny Meyer. „Er führte ein leichtfertiges Leben, ließ die Landwirtschaft verkommen und verkaufte immer mehr Land, meine Eltern kannten die Bünkemühle und die Familie sehr gut“, schreibt Hermann Wohlers. Er habe nicht gelernt mit Geld umzugehen. „Jonny war mir unheimlich, wegen seines Aussehens und seines Rufs, wir Kinder gingen ihm aus dem Wege“.

Zum Spielen waren die Bachläufe und der Wald bestens geeignet. Der Westgiebel des Mühlengebäudes hatte zahlreiche Sprossenfenster und ganz in der Nähe lag ein großer Haufen Steine. Nachdem mit der Zerstörung der ersten Fenster der Bann gebrochen war, wurden oft und gerne auch die anderen Fenster eingeworfen.

Groß sei seine Freundschaft zu Sinti und Roma gewesen. Jonny hatte keine Berührungsängste. Er musizierte gern und viel mit den Zigeunern und war freizügig und freigiebig, schreibt Friedrich Sieling in der Helzendorfer Chronik. Dem Hof- und Mühlenbesitzer Jonni Meyer zu Bünkemühle, so steht es in einer Sicherstellungs- und Verleihungsurkunde zur Genehmigung, das Wasser der Graue mit unterschiedlichen Höhen, Sommer- und Winterstau, anzustauen.

Zum Antrieb einer Turbine für den Betrieb der Bünkemühle, ferner zur Erzeugung von elektrischem Licht und elektrischer Kraft für den Antrieb landwirtschaftlicher Maschinen. Jonny Meyer lebte von Pachteinnahmen und von der Substanz. 1925 waren es noch 94 Hektar und vor dem Verkauf 1960 nur noch 37 Hektar, in 35 Jahren wurden 57 Hektar verkauft, schreibt Hermann Wohlers.

Über seine Eskapaden könne man ein Buch füllen. Nachzulesen in der beschriebenen Chronik von Friedrich Sieling und seiner Tochter Elisabeth Fulß-Sieling. Jonny Meyer ein intelligenter kluger Mensch, ebenfalls seine Tochter Jenny, die eine der besten Schülerinnen der Hindenburgschule in Nienburg war. Doch beide Personen waren nicht in der Lage, ihre Begabung im Alltag positiv auszuwerten, schreibt Chronist Sieling.

1960 kaufte Familie Gerhard Derboven den Hof, Erbin Annette Derboven. Mittlerweile bewirtschaften Annette und Conny Derboven, etwas höher gelegen seit 1982, den Rinderzuchtbetrieb Derboven. Die Töchter Anna-Lena, Cathrin und Dorothee sind mit eigenständigen Verantwortlichkeiten in die Betriebsabläufe inzwischen integriert.

Das Mühlengebäude vom Südosten. Der Eingang und die Fenster des bewohnten Teils sind gut zu erkennen. Dahinter rechts der Kuhstall. Die Aufnahme ist von 1962. Achtermann

Das Mühlengebäude vom Südosten. Der Eingang und die Fenster des bewohnten Teils sind gut zu erkennen. Dahinter rechts der Kuhstall. Die Aufnahme ist von 1962. Achtermann

Hermann Wohlers (links), der mit seinen Erinnerungen zu diesem Artikel beigetragen, und Heinrich Harries, der alles in die Wege geleitet hat. Achtermann

Hermann Wohlers (links), der mit seinen Erinnerungen zu diesem Artikel beigetragen, und Heinrich Harries, der alles in die Wege geleitet hat. Achtermann

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Erstellt:
11. November 2017, 21:00 Uhr
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