22.12.2013

Die Freude geteilt und auch das Leid

Nach 44 Jahren ist Schluss / Heißmangel von Margrit Flamme war am Donnerstag zum letzten Mal in Betrieb

Von Edda Hagebölling

Nienburg. Margrit Flamme hatte nah am Wasser gebaut an diesem 19. Dezember. Obwohl die Geschäftsfrau schon vor einiger Zeit beschlossen hatte, sich mit 81 Jahren zur Ruhe zu setzen und ihre Heißmangel nach 44 Jahren zu schließen, hatte sie doch immer wieder Tränen in den Augen, als die letzten Kundinnen und Kunden am Donnerstag ihre tadellos gemangelte Wäsche in Empfang nahmen und im Gegenzug eine Blume oder eine Schachtel Pralinen überreichten. Verbunden mit den besten Wünschen für den mehr als verdienten Ruhestand. Etwas klamm ums Herz war an diesem Morgen aber auch Liesel Erdmann und Hannelore van den Boom, seit 34 bzw. 35 Jahren treue Mitarbeiterinnen der Heißmangel Flamme an der Verdener Landstraße in Holtorf. Und auch Alfons Stegemann, der Lebenspartner von Margrit Flamme, konnte sich der Wehmut, die an diesem Tag in der Luft lag, nicht entziehen. Für ihn war die Arbeit an der Heißmangel ebenfalls zur Selbstverständlichkeit geworden.

Dabei steht für die drei Frauen längst fest, dass sie sich auch künftig regelmäßig zum Kaffeetrinken treffen werden. Und zum Klönen. „Wir haben wirklich alles miteinander geteilt. Kochrezepte und Handarbeitstipps, aber auch Freud und Leid“, so die künftige Ruheständlerin.

An die Anfänge erinnert sich Margrit Flamme noch gut. Mit 19 Jahren kam sie nach Holtorf, um ihren Mann Heinz zu heiraten. Gemeinsam betrieben sie einen Käsegroßhandel. Zunächst wurde die Tochter geboren, später der Sohn. „Als dann aber ein Supermarkt nach dem anderen eröffnete und der Käseverkauf nicht mehr so viel einbrachte, kauften wir von Frau Juhrig unsere erste gebrauchte Mangel“, so die 81-Jährige, sozusagen als Zubrot. „Vom Mangeln hatte ich zwar keine Ahnung, mein Glück war aber, dass ich Marlies Radeke mit übernehmen konnte. Sie war mir eine große Stütze“, weiß die Geschäftsfrau noch ganz genau.

Über zu wenig Arbeit konnten sich Margrit Flamme und ihre Damen vom ersten Tag an nicht beklagen. Nicht selten standen auch die Nebengebäude voller Wäschekörbe. Gemangelt wurde, bis auch die letzte Tischdecke geglättet und der letzte Bettbezug faltenfrei wieder in der Wanne verstaut war. Feierabend war, wenn die Arbeit erledigt war.

Die Kundinnen und Kunden kamen größtenteils aus den umliegenden Dörfern. Aus der Samtgemeinde Heemsen. Aber auch aus Nienburg und den Ortsteilen. Häufig schon in der zweiten Generation. „Doch ganz gleich, wie viel Wäsche auch angeliefert wurde oder was auch sonst passiert war, wir haben uns immer gesagt: Gemeinsam packen wir das“, so die drei Damen von der Heißmangel. Aufhören war nie ein Thema.

Doch nun, mit 81 Jahren, möchte Margrit Flamme zusammen mit Alfons Stegmann auch im Ruhestand noch ein paar schöne Tage verbringen. Ohne von mittwochs bis freitags an der Mangel zu stehen.

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Erstellt:
22. Dezember 2013, 00:00 Uhr
Lesedauer:
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