Die Stolpersteine vor dem Haus der Bahnhofstraße 16 erinnern an Familie Pulver und an Henry Abraham. Stadt- und Kreisarchiv

Die Stolpersteine vor dem Haus der Bahnhofstraße 16 erinnern an Familie Pulver und an Henry Abraham. Stadt- und Kreisarchiv

Nienburg 26.11.2016 Von Die Harke

Die Freundin nie wiedergesehen

In der Bahnhofstraße 16 erinnern Stolpersteine an Familie Pulver und an Henny Abraham

Die jüngst von [DATENBANK=785]Gunter Demnig[/DATENBANK] vor dem Haus Bahnhofstraße 16 verlegten Stolpersteine sollen an Familie Pulver und an Henny Abraham erinnern.

Grete und Eugen Pulfer, ihre beiden Kinder sowie Henny Abraham, geborene Stern, die Mutter von Grete Pulfer, lebten dort bis 1936. Eugen Pulfer war 1919 nach Nienburg gekommen und hatte 1922 Margarete Abraham geheiratet. Die beiden Kinder Eva und Hans-Peter kamen 1923 bzw. 1926 in Hildesheim zur Welt. Eugen Pulfer war geschäftsführender Teilhaber im Nienburger Viehhandelsunternehmen Siegmund Abraham, seinem Schwiegervater. Die Familie wohnte zunächst gemeinsam mit den Eltern von Grete Pulfer am Kirchplatz 10, bis Eugen Pulfer 1928 die Villa an der Bahnhofstraße von Ernst Lipmann kaufte und die Familie sowie Henny Abraham dorthin umzogen.

Angesichts des aufkommenden Antisemitismus orientierte Eugen Pulfer sich um und wählte Breslau aus, um eine neue Existenz für sich und seine Familie aufzubauen. Er ging 1935 voraus, um den Umzug vorzubereiten, die Familie folgte 1936 nach.

1938 flohen Familie Pulfer und Henny Abraham aus Breslau und gelangten über Berlin und Amsterdam 1939 von Colombo an Bord der „MS Oronsay“ nach Australien. Henny Abraham starb 1945 in Harvey, West-Australien.

Eva Pulfer, von ihrem Vater „Spätzle“ oder „Spatz“ gerufen, war die beste Freundin von Elisabeth Weinberg, die 1942 mit ihren Eltern deportiert und ermordet wurde. Elisabeth besuchte 1936 ihre Freundin Eva in Breslau, ein Jahr später reiste Eva zu Elisabeth nach Nienburg. Die beiden Teenager beschlossen, dass jede über die gemeinsame Ferienzeit für die andere ein Tagebuch schreiben wolle. „Für den Spatz“, so stand es auf der ersten Seite des Tagebuches, das Elisabeth Eva schenkte.

Beim Abschied 1937 plante Eva Pulfer bereits den nächsten Besuch von Elisabeth im kommenden Winter. „Warten wir die Zeit ab. Ob ich wohl noch mal etwas wieder in dieses Buch eintrage, und noch mal wieder von Spätzle und mir erzähle? Ich weiß es nicht. Ich hoffe es aber!“ Damit enden die Zeilen von Elisabeth Weinberg. Ihre Aufzeichnungen erreichten im Gepäck von Eva Pulfer das sichere Australien und blieben so erhalten.

2008 erschien „Das Tagebuch der Elisabeth Weinberg, 1936-1937“ in der Schriftenreihe des Stadt- und Kreisarchivs Nienburg. Es gibt Einblicke in die gemeinsame Zeit der beiden Freundinnen.

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Erstellt:
26. November 2016, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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