Stefan Schwiersch DH

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Guten Tag 01.12.2018 Von Stefan Schwiersch

Die Gefahr der freien Rede

Bei einer Tageszeitung zu arbeiten, hat den Vorteil, dass man seine Gedanken zunächst mal grobmaschig per Tastatur in einen Computer fließen lassen kann, um dann im Anschluss zu prüfen, ob einem die Wortwahl gefällt oder ob sie noch eines gewissen Feinschliffs bedarf. Kurzum: Man hat in der Regel ausreichend Zeit, um seine Arbeit zu überprüfen, ehe sie gedruckt auf einer Zeitungsseite über die Fließbänder der Druckerei laufen. In anderen Medien hat man diese Korrekturmöglichkeit oftmals nicht. Das gilt für das Fernsehen, vor allem bei Liveübertragungen. Da gibt es schöne Beispiele, die länger haften bleiben. Zum Beispiel von einst, als TV-Pfarrer Jürgen Fliege einen Studiogast fragte: „Sie sagen, der Schlangenbiss sei tödlich. Wie tödlich?“ Oder als ein Gesprächspartner bei Andreas Türck mitteilte, er fühle sich wie das „fünfte Rad am Bein“. Ein anderer Gast hat einmal das oberste Prinzip aller Talkshows bei Birte Karalus auf den Punkt gebracht: „Jeder redet so lange, bis der andere ausgeredet hat.“

Von rhetorischen Missgriffen war auch die zweite Amtszeit des ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke überschattet. „Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger“ hatte Lübke angeblich bei einem Staatsbesuch 1962 in Liberia gesagt; womöglich eine Mär, denn einen Beleg gibt es nicht. Belegt ist jedoch, dass Lübke in Tananarive, der Hauptstadt Madagaskars, den Präsidenten Philibert Tsiranana und seine Frau Justine mit den Worten „Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frau Tananarive“ grüßte.

Neuerdings wagen sich auch die Sportredakteure der HARKE auf das dünne Eis des freien Redens: Die Kollegen von „Radio Mittelweser“ bitten uns seit Neuestem stets montags gegen kurz nach zehn um eine Einschätzung zum Sportwochenende. Dem Kollegen Philipp Keßler fällt das leicht, der stand ja einst beim Radio viele Jahre am Mikro. Mir selbst trieb die Premiere im Studio vor sechs Tagen den Ruhepuls durchaus in die Höhe. Und vielleicht war es eine gute Idee von Programmdirektor Andreas Franke, das Gespräch erstmal aufzuzeichnen, Passagen im Zweifel zu wiederholen und erst dann einige Minuten später zu senden. Sonst könnte schnell mal ein Satz gesendet werden wie damals der von Berlins Manager Michael Preetz: „Bei einem anderen Spielverlauf hätte das Ergebnis auch anders aussehen können.“

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Erstellt:
1. Dezember 2018, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 09sec

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