Rund 40 Interessierte hatten sich zur Fukushima-Mahnwache in der Innenstadt eingefunden. Foto: Anti-Atom-Kreis Nienburg

Rund 40 Interessierte hatten sich zur Fukushima-Mahnwache in der Innenstadt eingefunden. Foto: Anti-Atom-Kreis Nienburg

Nienburg 15.03.2020 Von Die Harke

„Die Katastrophe dauert an“

Neun Jahre nach Fukushima: Anti-Atom-Kreis Nienburg hatte zu Mahnwache in die Innenstadt eingeladen

Am 11. März jährte sich der dreifache Super-GAU von Fukushima zum 9. Mal. Aus diesem Anlass gedachte der Anti-Atom-Kreis Nienburg in Nienburgs Innenstadt zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern der vielen Opfer in Fukushima und Tschernobyl.

„Es ist kein Jahrestag, der an etwas Vergangenes erinnert, sondern an eine noch andauernde Katastrophe in Japan. Diese ist noch lange nicht vorbei, das vergessen wir Menschen leider immer wieder sehr schnell und gehen zur Tagesordnung über“, so Holger Nolte vom Anti-Atom-Kreis.

Weiter betonte er: „Das nächste AKW liegt nur 60 Kilometer Luftlinie von uns entfernt in Grohnde. Sollte es dort zu einem Störfall kommen, sind wir auch hier in Nienburg unmittelbar betroffen. Das Risiko eines atomaren Super-GAUs ist auch in unserem Land eine allgegenwärtige und sehr reale Bedrohung. Denn noch immer sind sechs AKW in Betrieb, von denen die meisten sogar noch bis 2022 weiterlaufen sollen. Jeden Tag werden ungeheure Mengen von hoch radioaktivem Atommüll produziert, von denen noch niemand weiß, wohin damit. Ein Endlager gibt es bis heute nicht. Weltweit nicht. Hinzu kommt dann in Zukunft noch tonnenweise atomarer Abrissmüll.“

Weiter heißt es: „Atommüll ist eines der drängendsten Probleme unserer Zeit. Die Atomkonzerne hinterlassen in Deutschland allein 17.000 Tonnen hoch radioaktiven Müll. Die Betreiberkonzerne haben sich 2017 mit staatlicher Rückendeckung für immer aus der Verantwortung gekauft. Für 24 Milliarden Euro; eine Summe, die für diese Mammutaufgabe niemals reichen wird. Atommüll ist von nun an Gemeingut.“

Laut aktueller Unterlagen der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe werde es unter realistischen Bedingungen noch bis 2117 dauern, bis ein Endlager hier in Deutschland betriebsbereit zur Verfügung stehe. Also fast 100 Jahre, so Nolte weiter.

Der Redner betonte außerdem: „Im Moment kommt es mir so vor, dass viele denken, wir sind doch ausgestiegen und alles ist in trockenen Tüchern, warum jetzt noch demonstrieren? Allerdings sehe ich auch, dass es immer noch einige gibt, seien es Forscher, Politiker oder Konzernbosse, die wieder in die Atomkraft einsteigen wollen und dafür auch schon öffentlich werben. Das Ganze ist natürlich ein Trugschluss.“

Dem Klimawandel durch Ausbau der Atomkraft begegnen zu wollen, hieße, ein Risiko durch ein anderes Risiko zu ersetzen. Keine gute Idee, so das Mitglied des Anti-Atom-Kreises Nienburg. Folgende Argumente sprechen aus seiner Sicht dagegen:

Atomkraftwerke produzieren hochradioaktiven Atommüll, der für Jahrtausende strahlt. Außerdem kann es in einem AKW jeden Tag zu einem Super-GAU wie in Fukushima kommen. Dann würden große Gebiete verstrahlt und unbewohnbar.

Die reine Erzeugung von Atomstrom setzt zwar kaum CO2 frei, der Uranabbau und die Herstellung der benötigten Brennstäbe erfordert jedoch viel Energie, die keineswegs CO2-frei zu haben ist Da ohne Brennstab kein AKW funktioniert, muss dies mit eingerechnet werden. Um nur einige Argumente zu nennen. Fünf von sieben Atomkraftwerke würden nur für den Export produzieren.

„24.000 Jahre ist die Halbwertszeit des hochgiftigen Plutoniums, das im Atommüll enthalten ist. Dann ist erst die Hälfte radioaktiv zerfallen. Kann das eine Alternative sein?“, so Rudi Nolte.

Weiter betonte der Sprecher des Anti-Atom-Kreises: „Wenn wir uns bewusst machen, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung 2010 beschlossen hatte, Reaktoren, die später abgeschaltet wurden, noch bis 2028 zu betreiben, dann wird klar, wie wichtig es war, dass so viele Menschen nach dem Beginn der Fukushima-Katastrophe auf die Straße gegangen sind – und auch in den Jahren seither nicht lockerließen.“

Es sei also bitter notwendig, aktiv zu bleiben und auf die Gefahren der Atomkraft hinzuweisen, aufzuklären und sie zu thematisieren, die Wahrheit offen zu legen.

Im Anschluss ging der Sprecher kurz auf die Katastrophe in Japan ein, das Seebeben und den Tsunami. Er thematisierte die Konstruktionsfehler des Betreibers und mangelnde Sicherheitsmaßnahmen, die letztlich zu dem atomaren Desaster führten.

Er fügte auch an, dass es damit noch lange nicht beendet sei.

„Obwohl Japan das weltweit einzige Land ist, das den Abwurf zweier Atombomben 1945 und dazu noch eine Reaktorkatastrophe 2011 mit dreifacher Kernschmelze erleben musste, hält die Regierung weiterhin an der gefährlichen Atomkraft fest. Eine Tatsache, die absolut nicht nachvollziehbar ist“, so Nolte.

Und fuhr fort: „Seit der Katastrophe setzt sich die radioaktive Verseuchung ununterbrochen fort, ein Ende ist nicht abzusehen. Unsere Kindeskinder und weitere Generationen werden es erleben und mit der Strahlung leben müssen.“

Wie es genau im Herzen der zerstörten Meiler aussieht, wisse bis heute niemand. Bis heute müssten die havarierten Reaktoren Tag für Tag mit tonnenweisem Wasser gekühlt werden, um nicht wieder außer Kontrolle zu geraten. „Das kontaminierte Wasser, das in Lagertanks aufbewahrt wird, hat mittlerweile ein Volumen von über sieben Millionen Kubikmeter erreicht. Es soll jetzt teilweise einfach ins Meer abgepumpt werden“, betonte Rudi Nolter weiter.

Besonders perfide aus eienr Sicht: Die Olympischen Sommerspiele im Sommer dieses Jahrs sollen auch in der Präfektur Fukushima stattfinden und der Weltöffentlichkeit Normalität vorgaukeln. „Wir fordern: Keine olympischen Wettkämpfe in radioaktiv kontaminierten Regionen,“ so Holger Nolte.

Abschließend zog er folgendes Fazit: Uns allen muss klar sein: Wer Atomkraft nutz, nimmt regelmäßig Atomunfälle bis hin zum Super Gau in Kauf. Nur durch das Abschalten der AKWs können weitere Atomunfälle verhindert werden.

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Erstellt:
15. März 2020, 06:21 Uhr
Lesedauer:
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